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Sicherheitskanülen ab sofort verordnungsfähig

20.03.2020 KVNO aktuell, Verordnungsinfos

Um Nadelstichverletzungen zu vermeiden, dürfen Ärzte ab sofort Hilfsmittel mit einem Sicherheitsmechanismus verordnen. Dies gilt allerdings nur für Patienten, die sich beispielsweise selbst Insulin spitzen, dafür aber die Unterstützung des Partners oder eines Pflegedienstes benötigen. Eine entsprechende Änderung der Hilfsmittel-Richtlinie ist in Kraft getreten.

Helfende dritte Personen sollen so vor der Übertragung einer Infektionskrankheit geschützt werden. Es geht dabei um Leistungen, die Versicherte grundsätzlich selbstständig durchführen können. Dazu gehören unter anderem subkutane Injektionen und Infusionen. Ausgeschlossen sind Leistungen, die ausschließlich von Ärzten oder Pflegern durchgeführt werden können. Eine weitere Voraussetzung für die Verordnung spezieller Hilfsmittel wie Sicherheitskanülen und -spritzen ist, dass die Patienten aufgrund ihres körperlichen Zustandes beziehungsweise ihrer geistigen Entwicklung für die Anwendung die Unterstützung Dritter benötigen.

Voraussetzungen

Bei folgenden Tätigkeiten wird eine Infektionsgefährdung Dritter durch eine Nadelstichverletzung angenommen:

  • Blutentnahmen zur Gewinnung von Kapillarblut
  • perkutane Punktion eines Portsystems zur Infusion
  • subkutane Injektionen
  • subkutane Infusionen
  • Setzen eines subkutanen Sensors

Die Verordnungsvoraussetzungen liegen besonders bei Versicherten mit folgenden Einschränkungen vor:

  • hochgradige Einschränkung der Sehfähigkeit
  • erhebliche Einschränkung der Grob- und Feinmotorik der oberen Extremitäten
  • starke Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • starke Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit oder Realitätsverlust
  • entwicklungsbedingt nicht vorhandene Fähigkeit, die Tätigkeit zu erlernen oder selbstständig durchzuführen