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Versichertenbefragung zeigt: Vertrauen in Ärztinnen und Ärzte ist ungebrochen

16.08.2019 Pressemitteilungen

Über ärztliche Leistungen – und ihren angeblichen Mangel – wird fortlaufend diskutiert und berichtet. Die aktuelle Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigt einmal mehr, was die Patientinnen und Patienten von ihren ärztlichen Ansprechpartnern in den Haus- und Facharztpraxen halten – und welchen Wert sie haben: 91 Prozent der Patienten geben an, ein gutes oder sehr gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem behandelnden Arzt oder ihrer Ärztin zu haben, in Nordrhein liegt der Prozentsatz bei der Antwort „sehr gut“ mit 54 Prozent sogar noch über dem Bundesdurchschnitt. „Die Versichertenbefragung, für die die Forschungsgruppe Wahlen mehr als 6.100 Versicherte bundesweit befragt, ist für uns ein wichtiger Indikator. Und sie zeigt seit Jahren: Unabhängig davon, wie über die ambulante Versorgung in Deutschland und etwaige Defizite gesprochen wird, ist das Vertrauen der Menschen in ihre Ärzte ungebrochen hoch“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein.

Viel Vertrauen in Kompetenz der Niedergelassenen

Bezeichnend auch: 96 Prozent der Befragten aus Nordrhein (Bund: 95 Prozent) haben einen festen Ansprechpartner in medizinischen Dingen, sprich einen Hausarzt, den sie gewöhnlich bei gesundheitlichen Problemen aufsuchen. Von den 4900 Befragten, die in den vergangenen zwölf Monaten einen Arzt aufgesucht haben, halten 91 Prozent die fachlichen Fähigkeiten dieses Arztes für gut oder sehr gut, in Nordrhein sogar 93 Prozent. Welche Rolle das Vertrauensverhältnis zwischen Ärzten und Patienten spielt, zeigt sich auch in der Beurteilung der Videosprechstunde: 62 Prozent lehnen diese für sich selber ab. Die meisten Menschen wünschen sich den persönlichen Kontakt zu ihrem Arzt: 74 Prozent der Personen, welche die Videosprechstunde ablehnen, nannten als wichtigsten Grund, den direkten Kontakt zum Arzt zu bevorzugen (Bund: 72 Prozent).

Erstmals fragten die Meinungsforscher danach, wie dringend die Versicherten selbst ihren letzten Arztbesuch einschätzten. Zwei Drittel stuften diesen als dringend oder sehr dringend ein – unabhängig davon, aus welchem Grund er erfolgte. Auch eine Vorsorgeuntersuchung oder eine Im-pfung empfanden 36 Prozent der Befragten als eilig oder sehr eilig – die gefühlte Dringlichkeit ist in vielen Fällen eben höher als die tatsächliche.

Kein Beleg für unzumutbare Wartezeiten

Die Meinungsforscher widmeten sich erneut dem allgegenwärtigen Thema „Wartezeiten“, das die Bundesregierung ja zu umfassenden gesetzgeberischen Initiativen wie dem „Termin-Servicegesetz“ veranlasst hat, um den Zugang von GKV-Versicherten zum Arzt zu erleichtern. Ergebnis der Befragung: 25, im Bundesdurchschnitt sogar 29 Prozent der gesetzlich Versicherten mussten bei ihrem letzten Arztbesuch gar keine Wartezeit in Kauf nehmen. Mehr als jeder vierte gesetzlich Versicherte (Nordrhein: 27 Prozent, Bund: 26 Prozent) bekam innerhalb von einem Tag bis zu einer Woche einen Termin. „Bei mehr als der Hälfte der Versicherten gab es demnach keine oder keine nennenswerte Wartezeiten. Lediglich 15 Prozent mussten beim letzten Arztbesuch über drei Wochen warten“, sagt Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorsitzender der KV Nordrhein. Lediglich zehn Prozent der Befragten aus Nordrhein gaben an, dass es ihnen zu lange gedauert hat, bis sie einen Arzttermin bekommen haben.

Weiteres Resultat der Befragung: Die Wartezeiten bei gesetzlich und privat Versicherten haben sich im Lauf der Jahre angeglichen – auch Privatpatienten warten inzwischen tendenziell länger auf Termine. „Die Unterschiede bei den Wartezeiten auf einen Termin waren bei gesetzlich und privat Versicherten nie so gravierend, wie gerne kolportiert wird“, sagt KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Andreas Gassen. Einfacher Grund: „Die Tatsache, dass wir einen nahezu ungehinderten Zugang zu ärztlichen Leistungen haben, ohne Steuerung, bei gleichzeitig steigendem medizinischen Bedarf, führt zwangsläufig zu einer höheren Nachfrage.“

Verfügbare Arztzeit nimmt ab

Die Versicherten wurden auch gefragt, wie sie die Versorgungssituation mit Haus-und Fachärzten einschätzen. Wichtiges Ergebnis: Die Befragten in Nordrhein schätzen die Lage besser ein als der Bundesdurchschnitt. 75 Prozent (Bund: 68 Prozent) geben an, dass dort, wo Sie wohnen, genügend Hausärzte vorhanden sind, 55 Prozent sehen genügend Fachärzte (Bund: 50 Prozent). Bundesweit allerdings ist der Anteil derjenigen, die angaben, nicht genügend Hausärzte in Wohnortnähe zu haben, in den letzten zwei Jahren von 22 auf 27 Prozent gestiegen, bei den Fachärzten von 43 auf 44 Prozent – obwohl die Arztzahlen absolut gesehen steigen. Grund: Die verfügbare ärztliche Arbeitszeit nimmt ab, da vor allem jüngere Ärztinnen und Ärzte vermehrt als Angestellte arbeiten, und das häufig in Teilzeit. 

Die Versichertenbefragung wird seit 2006 regelmäßig von der Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH im Auftrag der KBV durchgeführt. Im Zeitraum vom 11. März bis 29. April 2019 wurden telefonisch mehr als 6.100 Versicherte ab 18 Jahren zu ihrer Einschätzung der Versorgungssituation in Deutschland befragt.