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Gesundheitskongress des Westens

27.03.2019 Pressemitteilungen

Erste Zwischenbilanz zum Notdienst-Projekt mit Rettungsdienst in Köln

Das Motto des „Gesundheitskongresses des Westens“ (26. und 27. März 2019) lautet „Der Druck nimmt zu: Zeit für mutige Veränderungen!“. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein hat heute in Köln  konkrete und bereits laufende Projekte zu einer sowohl aus Sicht der Versorgung als auch aus Sicht knapper ärztlicher Ressourcen sinnvollen Patientensteuerung vorgestellt.

Im ersten KVNO-Panel ging es um das Anfang Januar 2019 in Köln gestartete Pilotprojekt zur komplementären Notfallversorgung. Unter dem Titel „Härtetest Notfallversorgung!“ diskutierte Moderator Heinz-Wilhelm „Doc“ Esser, Oberarzt für Pneumologie am Klinikum Remscheid, mit dem KVNO-Vorstandsvorsitzenden Dr. med. Frank Bergmann, Prof. Jens Kierdorf, Klinischer Direktor der Kliniken der Stadt Köln, Prof. Dr. Alexander Lechleuthner, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes in Köln und Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), über die Chancen einer vernetzten Notfallversorgung, wie sie die KV Nordrhein in Köln erprobt. „Dazu gehört nicht nur eine enge Kooperation und Arbeitsteilung zwischen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und deren Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken beispielsweise in Portalpraxen, sondern auch der Rettungsdienst“, sagte Bergmann.

KBV-Vize Hofmeister verwies zu Beginn auf Berlin und das neue Termin-Servicegesetz (TSVG), das voraussichtlich Anfang Mai 2019 in Kraft treten und die Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger an die ambulante gesetzliche Versorgung noch erhöhen wird. „Wir verzeichnen aber schon seit Jahren eine veränderte Inanspruchnahme und gestiegene Erwartungshaltung der Patientinnen und Patienten, gerade im Notdienst, auf die wir als KV-System Antworten geben – zum Beispiel durch den auch im TSVG geforderten Ausbau und Aufbau der bundesweiten Hotline für den ambulanten Notdienst, die 116117.“

Das sei ein Härtetest und eine ungeheure Herausforderung mit den vorhandenen Ressourcen, aber auch eine Chance, die Patienten selbst besser zu steuern. „Die Nummer werden wir ab dem zweiten Halbjahr massiv bewerben.“ Dazu brauche es Portalpraxen mit gemeinsamer Anmeldung und gemeinsamem Tresen sowie die Software SMED für eine standardisierte Ersteinschätzung. Nordrhein sei mit dem Projekt in Köln wie so oft Vorreiter, denn in Köln sei die 116117 jetzt schon rund um die Uhr erreichbar.

Das Foto zeigt den KVNO-Vorstandsvorsitzen Dr. med. Frank Bergmann im Gespräch mit Prof. Ulrich Greiner (li.)

KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann sprach beim Gesundheitskongress des Westens mit Prof. Ulrich Greiner (li.), wissenschaftlicher Leiter des Kongresses, über die Zukunft der Notfallversorgung in NRW.

Notfallversorgung: De facto sektorenübergreifend

KVNO-Chef Bergmann stellte das Projekt, das am 7. Januar gestartet ist, im Detail vor. „Ich knüpfe an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann an, der heute gesagt hat, er könne die Forderungen nach sektorenübergreifender Zusammenarbeit nicht mehr hören. De facto gibt es an vielen Stellen schon enge Kooperationen, 90 Prozent unserer Notdienstpraxen befinden sich überdies schon an oder in Krankenhäusern. Wir müssen im Bereitschaftsdienst kooperieren und den Rettungsdienst mit einbeziehen“, betonte Bergmann. Deshalb gebe es beim neuen Projekt in Köln nun eine inhaltliche und technische Vernetzung von Arztrufzentrale, bei der die Anrufe unter der 116117 eingehen, und der Integrierten Leitstelle in Köln.

„Wir erhalten dabei die etablierten Strukturen, eingehende Anrufe werden dort bearbeitet, wo sie ankommen. Dafür schaffen wir einheitliche Regelungen und eine standardisierte Triagierung. Die Ersteinschätzung zum Gesundheitszustand des Anrufers soll unabhängig vom Einsatzort zum gleichen Ergebnis kommen.“ Zentrales Element sind die haus- und fachärztlichen Partnerpraxen, die über das Kölner Stadtgebiet verteilt sind und Patienten, die ambulant versorgt werden können, tagsüber annehmen. „So werden wir den Rettungsdienst voraussichtlich um einige tausend Patienten pro Jahr entlasten und adäquat an der richtigen Stelle versorgen.“    

Klinikchef Kierdorf verwies auf den zunehmenden Patientenstrom in die Zentrale Notaufnahme – vor allem tagsüber. „Wir verzeichnen seit 2014 einen Anstieg dieser Patienten um 30 Prozent – ohne dass die Kölnerinnen und Kölner kränker geworden sind.“ Grund sei die Vollkaskomentalität der Patienten, die „gefühlt“ unzureichende ambulante Versorgung, besonders im ländlichen Bereich, und die Tatsache, dass es Kliniken gebe, die tatsächlich für das Ambulanz-Angebot werben, „obwohl es nur Kosten produziert, die wir nicht decken können.“ Die Lösung für dieses Problem sei eine gemeinsame Notdienst-Struktur von ambulanter und stationärer Versorgung in gemeinsamen Notfallpraxen.

Projekt ist gut angelaufen

Lechleuthner betonte die Bedeutung des Rettungsdienstes, der „dritten Säule der Notfallversorgung“, und die gestiegene Zahl an Einsätzen, obwohl beispielsweise die Zahl der Reanimationen gesunken sei. Bei einer Auswertung der Fälle aus dem vergangenen Jahr sei herausgekommen, dass 15 Prozent der Patienten von einem Hausarzt zu versorgen gewesen wären. „Deshalb ist das Projekt in Köln so sinnvoll, zumal die 116117 auch tagsüber zu erreichen ist. Das macht das System für Patienten leichter nachvollziehbar, denn viele nutzen auch aus Bequemlichkeit oder Unkenntnis das niederschwellige Angebot des Rettungsdienstes.“ Das Projekt sei gut angelaufen und habe bereits jetzt positive Auswirkungen, auch wenn es noch „keine große Drehschleuder“ sei. „Die Mitarbeiter der Leitstelle heben hervor, dass jetzt alles schneller und verbindlicher erfolgt und die ambulante Versorgung tagsüber in den Partnerpraxen eine sinnvolle zusätzliche Option darstellt.“

Das Fazit der Referenten fiel sehr optimistisch aus. „Es ist gut, dass die Notfallversorgung endlich im Blickpunkt von Politik und Öffentlichkeit steht“, sagte Lechleuthner. Es gibt sehr viele gute Ansätze wie unser Modellprojekt in Köln, das von einer sehr vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen uns, der KV Nordrhein und der Arztrufzentrale NRW geprägt ist.“ KBV-Vize Hofmeister freute sich über den „tollen Dialog, der vor Jahren noch undenkbar gewesen wäre und appellierte an die Politik, den Menschen reinen Wein einzuschenken. Die Politik muss vermitteln, dass die Bürgerinnen und Bürger auch einen Beitrag leisten müssen und es nicht möglich ist, immer mehr von allem zu jeder Zeit anzubieten.“ Klinikchef Kierdorf mahnte an, das immer noch bestehende gegenseitige Misstrauen zwischen den Sektoren abzubauen, was Bergmann bekräftigte: „Wir wollen eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.“   

NPPV im Fokus

Am Nachmittag ging es ebenfalls um ein sektorenübergreifendes Projekt zur Versorgungs- und Patientensteuerung: Moderator Wolfgang van den Bergh, Chefredakteur der Ärzte Zeitung, sprach mit KVNO-Chef Bergmann, IVP-Geschäftsführer Dr. Norbert Paas, Thomas Czihal, stellvertretender Geschäftsführer des Zi, und AOK-Vorstandsmitglied Matthias Mohrmann über das im vergangenen Jahr gestartete und vom Innovationsfonds geförderte NPPV-Projekt zur neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung in Nordrhein, bei dem inzwischen 5000 Patienten eingeschrieben sind.

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