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Neue „Arztzeituhr“ der KBV – ärztliche Arbeitszeit nimmt stetig ab

23.01.2019 Pressemitteilungen

Nicht weit vom Ort der heutigen Pressekonferenz der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) entfernt läuft eine Uhr, die fast jeder in Deutschland kennt: die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler, die auf die nach wie vor hohe Verschuldung Deutschlands hinweist – auch wenn die Uhr seit 2018 rückwärts läuft, also die Verschuldung inzwischen abnimmt.

Am heutigen Mittwoch, 23. Januar 2019, präsentierte die KBV ebenfalls eine Uhr, die rückwärts läuft: eine drei Meter breite Uhr, deren digitale Stundenanzeige sichtbar zurückgeht und damit auf die stetig sinkende Arztzeit in Deutschland hinweist. „Mit diesem Countdown wollen wir ein Signal setzen. Rein rechnerisch verschwinden mit jeder Minute, die auf der Uhr abläuft, 474 Arztzeitminuten in Deutschland“, erklärte Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV. Faktoren wie ein steigender Trend zur Anstellung sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielten dabei eine wichtige Rolle. „Diese gesellschaftlichen Trends machen auch vor den jungen Medizinerinnen und Medizinern nicht halt. Wir müssen alles tun, um attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Kritik am TSVG

Damit schuf Gassen die Verbindung zum geplanten „Termin-Servicegesetz“ (TSVG) der Bundesregierung. Der Gesetzgeber sei angetreten, um mit dem TSVG mehr Zeit für Patienten zu schaffen. Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten sollen mehr und schneller Termine zur Verfügung stellen. Mit dem vorliegenden Entwurf werde genau das Gegenteil erreicht. „Der Gesetzentwurf macht durch seine massiven Eingriffe in Praxisabläufe die Rahmenbedingungen für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen noch unattraktiver.“ Das TSVG verknappe sogar noch einmal die zur Verfügung stehende Arztzeit, weil zusätzliche Bürokratie entstehe. „Es wird im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich insbesondere ältere Kolleginnen und Kollegen früher als geplant aus der Versorgung zurückziehen“, warnte der KBV-Chef.

Das Bild zeigt die rückwärts laufende Arztzeituhr der KBV.

Die rückwärts laufende Arztzeituhr der KBV

Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, machte darauf aufmerksam, dass das TSVG allein selbstständig tätige Ärzte in eigener Praxis beträfe, die „ohnehin im Schnitt 52 Wochenstunden“ arbeiten. „Die angestellten Ärzte leisten medizinisch hervorragende Arbeit, aber ihr Wirken ist durch Arbeitsverträge auf maximal 40 Stunden begrenzt“, so Hofmeister – häufig sei die Arbeitszeit in Teilzeit noch deutlich geringer. Beim Verweis auf die Digitalisierung, die helfen könne, Arztzeit effizienter zu nutzen, warnte KBV-Vorstandsmitglied Thomas Kriedel vor überzogenen Erwartungen. „Eine Arztminute bleibt eine Arztminute, ob analog oder digital“, sagte Kriedel. Die Videosprechstunde sei ein „Tropfen auf dem heißen Stein“ und biete für den Arzt wenig Potenzial zur Zeitersparnis. „Digitalisierung kann das Problem der zurückgehenden Arztzeit nicht lösen und den Mangel nicht auffangen.“

Proteste gegen Gesetz auch in Nordrhein

Nicht nur auf Bundesebene erneuerte die Ärzteschaft heute ihre Kritik am TSVG. An zahlreichen Orten formierte sich Protest gegen das Gesetz.  „Wir haben uns seit langem sehr deutlich zum Gesetzentwurf positioniert und nicht an Kritik gespart. Gleichzeitig haben wir alle Register gezogen, um als KV Einfluss auf den Gesetzgeber zu nehmen – an einigen Stellen mit Erfolg“, sagte Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. „Ich kann dennoch gut nachvollziehen, dass viele unserer Mitglieder und Verbände der Ärzteschaft heute abermals ihren Protest gegen das in wesentlichen Teilen übergriffige Gesetz artikulieren – auch bei uns in Nordrhein.“

KBV und KVen würden alles tun, um für die Niederlassung zu werben. „Dabei würden wir uns Unterstützung statt unsinniger Vorgaben wünschen. Wenn die Politik etwas für die Patienten erreichen möchte, sollte sie die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Niedergelassenen verbessern – das ist mit den Regelungen im TSVG nicht der Fall. Es wäre dramatisch, wenn wir den Trend nicht stoppen und immer mehr Arztzeit verlieren würden – vor allem für die Patienten“, so Bergmann.

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