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Neue Richtlinie und Dokumentationsbogen: Substitution erleichtert

03.12.2019 KVNO aktuell, Verordnungsinfos

Drogenabhängigen Menschen zu helfen, ist in den vergangenen Jahren einfacher geworden. Das ist vor allem neuen gesetzlichen Regelungen zu verdanken, die 2017 und 2018 in Kraft getreten sind. So dürfen Ärztinnen und Ärzte zum Beispiel Ersatzstoffe für bis zu 30 Tage zur Einnahme zu Hause verschreiben. Zuvor lag die Grenze bei maximal sieben Tagen. Vieles ist leichter geworden – und dennoch gibt es Grund zur Besorgnis: Substituierende Ärzte werden immer rarer.

Dr. med. Knut Krausbauer, Vorsitzender der Qua­litätssicherungskommission Substitution, würdigte auf einer Veranstaltung der KV Nordrhein im Juli die wichtige Arbeit der substituierenden Ärztinnen und Ärzte. Doch deren Zahl nehme seit Jahren ab, während die Zahl der substituierten Patienten steige. Derzeit sind 321 Ärzte aktiv, ein gutes Drittel davon ist bereits über 60 Jahre alt und wird in absehbarer Zeit in Rente gehen. „Wir brauchen Nachwuchs“, betonte der Krefelder Allgemeinmediziner – eine Ansicht, die alle Teilnehmer der Veranstaltung teilten.

Hürden abbauen

Der stellvertretende Vorsitzende der KV Nordrhein, Dr. med. Carsten König, hatte in seiner Begrüßung darum gebeten, im Rahmen der Veranstaltung Hürden zu benennen, die es für den Einstieg in die Substitution geben könnte oder die Arbeit der Aktiven behinderten. Diese Anregung wurde aufgegriffen. Es müsse einfachere Zugangswege zur Substitution geben, viele scheiterten bereits an der Zulassung oder Ermächtigung.

In den vergangenen zwei Jahren gab es einige entscheidende Neuerungen im Substitutionsbereich. „Die Möglichkeiten, Patienten zu substituieren, sind dadurch besser geworden“, sagt Dr. Jennifer Pfingsten, stellvertretende Leiterin der Abteilung Qualitätssicherung der KV Nordrhein.

Neue Richtlinie

Im Dezember 2018 ist die neue Richtlinie inklusive aller Anlagen in Kraft getreten, die die Substitutionsversorgung erleichtern soll. „Inhaltliche Änderungen betreffen besonders Therapieziele, Indikationsstellung und Therapiekonzept“, so Pfingsten. So wurde beispielsweise der Passus „Oberstes Ziel ist die Suchtmittelfreiheit“ gestrichen. Hier wurde den Erkenntnissen Rechnung getragen, dass sich in der Substitution der „harm reduction“-Ansatz durchgesetzt hat.

Das Bild zeigt eine Karte mit Gemeinden mit und ohne substituierenden Ärzten.
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In 95 Gemeinden in Nordrhein gibt es keine substituierende Praxis (grau), in 70 gibt es mindestens einen substituierenden Arzt (hellrot). Wo ein Angebot existiert, ist die Zahl der substituierenden Ärzte angegeben.

Zudem wird deutlicher als bisher im Therapiekonzept berücksichtigt, dass es sich bei der Opioidabhängigkeit um eine schwere chronische Erkrankung handelt, die in der Regel einer lebenslangen Behandlung bedarf. Patientenbezogene Dokumentationen im Rahmen von Stichprobenprüfungen dürfen nur noch pseudonymisiert erfolgen.

Bereits seit Mai 2017 ist es möglich, dass Ärzte ohne die Qualifikation „Suchtmedizin“ zehn Patienten konsiliarisch betreuen dürfen. Zuvor waren es nur drei. Die Möglichkeiten der Take-Home-Verschreibungen wurden ausgeweitet. Außerdem dürfen auch Einrichtungen wie Gesundheitsämter, Hospize und Heime Substitutionsmittel abgeben.

Eine weitere Neuerung: Das Melden von Beginn und Ende einer Substitution an die KV ist entfallen. Die Meldung erfolgt nun ausschließlich an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Die Qualitätssicherungskommission Substitution führt weiterhin Stichprobenprüfungen durch. Basis dafür ist der Dokumentationsbogen, den Jo Shibata vorstellte. Der Arzt vom Gesundheitsamt Köln ist Mitglied der Kommission. Er wies darauf hin, dass das Ausfüllen des Bogens nicht nur aus Dokumentationsgründen nötig ist, sondern gleichzeitig auch ein Beitrag zur Qualitätssicherung.

Frank Naundorf

KVNO übernimmt Kosten für die Fortbildung „Hausärztliche Behandlung opioidabhängiger Patientinnen und Patienten – wie geht das?“

Die Suchtmedizin ist ein wichtiger Teil der medizinischen Versorgung. Deswegen engagiert sich die KV Nordrhein zusammen mit substituierenden Ärzten in diesem Bereich. Nun wurde die Fortbildung „Hausärztliche Behandlung opioidabhängiger Patientinnen und Patienten – wie geht das?“ erarbeitet, gemeinsam mit der KV Westfalen-Lippe den Ärztekammern in Nordrhein und Westfalen-Lippe und dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW.

Die Fortbildung richtet sich vor allem an Hausärzte, die bereits im Rahmen der Konsiliarregelung substituieren oder künftig substituieren wollen. Nach dieser Regelung können Ärzte bis zu zehn Patienten substituieren, ohne die Zusatzweiterbildung suchtmedizinische Grundversorgung nachzuweisen.

Der Präsenzteil der Fortbildung findet statt

am 29. April von 16 bis 20 Uhr
in der KV Westfalen-Lippe,
Robert-Schimrigk-Str. 4–6,
Dortmund.

Dr. med. Marc Schlüter referiert hier zum Beispiel über den „Umgang mit somatischen Begleiterkrankungen“ und Karl Arne Faust über die „Substitution in der Hausarztpraxis“. In drei eLearning-Stunden greift die Fortbildung Themen wie das Aufnahmeprozedere, den Umgang mit Rezepten oder die psychosoziale Betreuung auf.

Die Fortbildung ist mit elf CME-Punkten zertifiziert. Die KV Nordrhein übernimmt die Kosten für die ersten 36 nordrheinischen Teilnehmer der Fortbildung. Ansonsten beträgt die Teilnahmegebühr 429 Euro.

Ärzte aus Nordrhein sollten sich wegen der Kostenübernahme wenden an:

Akademie für medizinische Fortbildung der ÄKWL und der KVWL
Ansprechpartner Hendrik Petermann
Telefon 0251 929-2203
Telefax 0251 929-27 2203
E-Mail