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M/W/D – Depression gezielt behandeln

03.12.2019 Gesundheitstipps, KVNO aktuell

Gibt es genderspezifische Aspekte der Depression? Und wenn ja, wie äußern sich diese bei „männlich, weiblich, divers“? Diese Fragen bewegten rund 150 Teilnehmer bei einer Veranstaltung in Düsseldorf am 20. November 2019.

Im Lambertussaal trafen sich Ärzte, Psychotherapeuten, Psychologen, Patienten, Selbsthilfe und interessierte Bürger auf Einladung der KV Nordrhein, des Düsseldorfer Bündnisses gegen Depression, des Gesundheitsamtes und des Gleichstellungsbüros der Stadt Düsseldorf. Dass Depression
unabhängig vom Geschlecht viele Gesichter hat, veranschaulichten Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, sowie Andrea Melville-Drewes, Psychologische Psychotherapeutin und Leiterin der Abteilung Sozialpsychiatrie des Gesundheitsamtes Düsseldorf.

Jeder Fünfte hält Depressionen für eine charakterliche Schwäche. Nur 30 Prozent der Patienten vermuten, dass eine Depression der Grund für ihre Beschwerden sein könnte. Wichtig für die Behandlung ist, die Diagnose des Hausarztes durch einen Facharzt zu bestätigen. Da ein Depressiver in der Regel kaum in der Lage sei, einen Facharzttermin zu vereinbaren, sei es wichtig, dass die Hausarztpraxis ihm dabei hilft, erklärte König: „Der depressive Patient muss mitgenommen werden, die weiteren Schritte müssen gemeinsam ausgehandelt werden, um einen Therapieerfolg zu erreichen.“

Das Bild zeigt das Referententeam (v. l.): Dr. med. Carsten König, Dr. Sigrid Allerstorfer, Elisabeth Wilfart, Prof. Dr. Eva Meisenzahl-Lechner, Balian Buschbaum, Andrea Melville-Drewes, Dr. Klaus Göbels und Prof. Dr. Marc Ziegenbein vom Klinikum Wah

Das Referententeam (v. l.): Dr. med. Carsten König, Dr. Sigrid Allerstorfer, Elisabeth Wilfart, Prof. Dr. Eva Meisenzahl-Lechner, Balian Buschbaum, Andrea Melville-Drewes, Dr. Klaus Göbels und Prof. Dr. Marc Ziegenbein vom Klinikum Wahrendorff.

Dass Depressionen bei Männern und Frauen anders und doch gleich sind, erörterte Prof. Dr. med. Marc Ziegenbein, ärztlicher Direktor des Klinikums Wahrendorff in Hannover, in dem es zwei getrenntgeschlechtliche Tageskliniken für Männer und Frauen gibt: „Depressivität, emotionale Belastungen und Krisen werden von Frauen und Männern ganz unterschiedlich wahrgenommen, kommuniziert und verarbeitet.“

Männer zeigten eher Gereiztheit, Aggressivität sowie Risiko- und Suchtverhalten, Frauen reagierten vermehrt mit tiefer Traurigkeit, Schuldgefühlen und vermindertem Selbstwert. Ganz deutlich wurde mit dem immer noch herrschenden Vorurteil aufgeräumt, dass Depression eine „Frauenkrankheit“ ist.

Prof. Dr. med. Eva Meisenzahl-Lechner von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf führte am Beispiel postpartale Depression aus, wie sehr das Thema mit Ängsten und Vorurteilen behaftet ist – und wie lang der Weg bis zu richtiger Diagnose und Therapiebeginn oft noch ist. Lobend erwähnte Meisenzahl-Lechner das KVNO Innovationsfondsprojekt NPPV (Neurologisch-psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung), bei dem eingeschriebene Patienten einen schnellen Zugang zu fachärztlichen und psychotherapeutischen Behandlungen erhalten.

Silke Raumann