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Videosprechstunden: Häufigkeit und Vergütung neu geregelt

11.11.2019 KVNO aktuell, Praxisinfos

Seit dem 1. Oktober 2019 gelten mehrere neue Regelungen zur Videosprechstunde. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband haben dies vereinbart. Ärzte und Psychotherapeuten können die Videosprechstunde damit einfacher in den Praxisalltag integrieren und immer dann einsetzen, wenn sie es für sinnvoll erachten.

Fachgruppen: Seit Anfang Oktober dürfen nun Ärzte fast aller Fachgruppen Videosprechstunden durchführen und abrechnen, ausgenommen sind nur Laborärzte, Nuklearmediziner, Pathologen und Radiologen. Ebenso können ermächtigte Ärzte ihre Patienten per Video behandeln. Neu ist auch, dass der erste Arzt-Patienten-Kontakt in einer Videosprechstunde stattfinden darf. Bislang musste der Arzt den Patienten bereits kennen. Für Psychotherapien wurde die Videosprechstunde neu geöffnet.

Vergütung: Zur Förderung der Videosprechstunde wurde die Vergütung neu geregelt. Sie erfolgt seit dem 1. Oktober über die jeweilige Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale statt wie bisher über die Gebührenordnungsposition (GOP) 01439. Die Pauschale nebst Zuschlägen wird in voller Höhe gezahlt, wenn im selben Quartal noch ein persönlicher Kontakt erfolgt. Ist dies nicht der Fall und der Kontakt geschieht ausschließlich per Video, werden die Pauschale und gegebenenfalls die sich darauf beziehenden Zuschläge gekürzt.

Psychotherapie: Für ärztliche und psychologische Psychotherapeuten ist neu, dass sie jetzt bestimmte Leistungen der Richtlinien-Psychotherapie per Videosprechstunde durchführen und abrechnen können, für die das psychotherapeutische Berufsrecht und die Psychotherapie-Vereinbarung keinen persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt vorgeben. Allerdings muss dieser zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung vorausgegangen sein.

Darüber hinaus können Ärzte und Psychotherapeuten Leistungen für Gespräche abrechnen, die per Videosprechstunde erfolgen. Außerdem erhalten sie die Technikpauschale zur Finanzierung der Kosten (GOP 01450: 40 Punkte/4,33 Euro), die in der Höhe unverändert bleibt.

Für den Mehraufwand bei der Authentifizierung neuer Patienten in der Videosprechstunde – die erforderlichen Stammdaten lassen sich nicht über die elektronische Gesundheitskarte automatisiert erfassen – zahlen die Krankenkassen 1,08 Euro pro Versichertem. Die Abrechnung erfolgt über die neue GOP 01444 (Bewertung: 10 Punkte/1,08 Euro) als Zuschlag zur Grund-, Versicherten- oder Konsiliarpauschale.

Chronikerzuschlag: Videosprechstunden werden beim Chronikerzuschlag angerechnet. Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte erhalten den Zuschlag (GOP 03220 bis 03222/04220 bis 04222) auch dann, wenn von den drei erforderlichen Arzt-Patienten-Kontakten ein oder zwei per Video stattgefunden haben. Die drei Kontakte müssen innerhalb der letzten vier Quartale erfolgt sein.

Videofallkonferenzen in der Pflege: Auch Fallkonferenzen in der Pflege können nun öfter per Video erfolgen. Möglich waren sie bisher bereits zwischen Ärzten und Pflegekräften des Pflegeheims, mit dem ein Kooperationsvertrag für den Versicherten besteht (GOP 37120 und 37320). Seit Anfang Oktober können solche Fallkonferenzen auch per Video erfolgen und abgerechnet werden, zum Beispiel wenn der Patient zu Hause lebt. Dazu wurde die GOP 01442 (Bewertung: 64 Punkte/6,92 Euro) in den EBM aufgenommen.

Auch Fallkonferenzen und Fallbesprechungen nach den GOP 30210 (Hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußsyndrom), 30706 (Schmerztherapie), 30948 (MRSA-Fallund/oder regionale Netzwerkkonferenz) und 37400 (Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase) sind jetzt als Videofallkonferenz durchführbar.

Außerdem erhalten Praxen für bis zu 50 elektronische Visiten im Quartal zehn Euro je Sprechstunde zusätzlich – insgesamt bis zu 500 Euro. Voraussetzung für den Zuschlag ist, dass die Praxis mindestens 15 Videosprechstunden im Quartal durchführt. Auf diese Anschubfinanzierung hatten sich KBV und Krankenkassen bei den Honorarverhandlungen im Sommer dieses Jahres geeinigt. Sie ist auf zwei Jahre befristet.