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TSS-Akutfall – extrabudgetär und mit Zuschlag

13.11.2019 Honorar, KVNO aktuell

Viele Regelungen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) sind in Kraft, einige stehen noch an. Zum Beispiel die, dass Patientinnen und Patienten, die wegen akuter Beschwerden die 11 6 11 7 wählen, mit einem standardisierten Ersteinschätzungsverfahren in die richtige Versorgungsebene geführt werden. Das kann neben dem Bereitschaftsdienst oder der Notaufnahme auch eine Arztpraxis sein. In diesen dringenden Fällen erhält der Anrufer einen Termin innerhalb von 24 Stunden beim Arzt und wird so zum „TSS-Akutfall“.

Die Beschäftigten der Terminservicestelle (TSS) müssen künftig nach einem standardisierten Verfahren eine telefonische Ersteinschätzung vornehmen, wenn ein Patient anruft. Sie sollen dann feststellen, an welche medizinisch gebotene Versorgungsebene Sie den Patienten am besten vermitteln. Dabei setzt die KV Nordrhein auf die Software SmED. Mit anderen Worten: Die TSS entscheidet, wer als Notfall an die 112 durchgestellt, in die Notaufnahme eines Krankenhauses, zum ärztlichen Bereitschaftsdienst oder ins Wartezimmer einer offenen Arztpraxis geschickt wird.

Auch beim TSS-Akutfall werden alle Leistungen im Arztgruppenfall und damit im gesamten Quartal extrabudgetär vergütet. Zusätzlich gibt es einen Zuschlag auf die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale in Höhe von 50 Prozent.

Abrechnung eines Aktufalls:

  • Abrechnung/Abrechnungsschein als „TSS-Akutfall“ kennzeichnen: Für die extrabudgetäre Vergütung der Leistungen, kennzeichnen Sie Ihre Abrechnung unter „Vermittlungsart“ als „TSS-Akutfall“ im Feld 4103 der Abrechnung mit der Ziffer 2.
  • Gebührenordnungsposition (GOP) für den Zuschlag angeben: Für die Abrechnung des Zuschlags geben Sie die entsprechende GOP an. Diese wurden in jedes EBM-Kapitel 3 bis 27 und im Abschnitt 30.7 neu aufgenommen.
  • Die neue GOP mit A kennzeichnen: Für den 50-prozentigen Zuschlag fügen Sie nur den Buchstaben A hinzu (zum Beispiel Augenärzte: GOP 06228A). Das Praxisverwaltungssystem ersetzt die angegebenen GOP automatisch und nachvollziehbar für die Praxis durch die altersklassenspezifischen GOP für die Zuschläge zu den Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschalen.

BAG und MVZ

Die extrabudgetäre Vergütung plus Zuschlag erhalten in Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) oder MVZ nur Ärzte der Fachgruppe, bei der die TSS für den Patienten einen Termin vereinbart hat, etwa beim Hautarzt. Sucht der Patient im selben Quartal einen Arzt einer anderen Fachgruppe in der Praxis oder dem MVZ auf – ohne dass dieser Termin zusätzlich vermittelt wurde –, zum Beispiel einen Orthopäden, legt dieser im PVS einen neuen Abrechnungsschein an.

Dr. Heiko Schmitz

Kein TSS-Zuschlag bei U-Untersuchungen

Praxen dürfen die Gebührenordnungspositionen (GOP) 03010 und 04010 nicht abrechnen bei Fällen, in denen ausschließlich Früherkennungsuntersuchungen durchgeführt wurden. Das Bundesministerium für Gesundheit hatte den Beschluss beanstandet, Zusatzpauschalen bei TSS-Vermittlungsfällen zu vergüten, wenn ausschließlich Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern des Abschnitts 1.7.1 EBM durchgeführt werden. Aufgrund der Beanstandung ist eine Abrechnung ausgeschlossen.