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Finja Möller absolviert Praktisches Jahr in Neusser Hausarztpraxis: Von der Famulatur übers Praktische Jahr zur Niederlassung?

13.11.2019 KVNO aktuell

Der Weg in die Praxis ist für Finja Möller ein ganz gradliniger: Zuerst absolvierte die Medizinstudentin der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Praktika in verschiedenen allgemeinmedizinischen Praxen, dann famulierte sie in der Neusser Hausarztpraxis an der Drususallee – und nun bestreitet sie hier ihr Praktisches Jahr (PJ). Später will sie gern wiederkommen, um ihre Weiterbildung als Fachärztin für Allgemeinmedizin abzuschließen.

„Mein Praktisches Jahr in der Praxis zu leisten, war eine ganz bewusste Entscheidung“, sagt die 27-Jährige. In vorherigen Praktika und Famulaturen hat sie mehrere Praxen kennen- und die an der Drususallee im Herzen von Neuss besonders schätzen gelernt: „Ich wusste, dass ich hier wirklich im Team mitarbeiten und viel lernen kann.“ Seit Anfang 2016 ist die Praxis an der Drususallee akademische Lehrpraxis der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. In der Hausarztpraxis arbeitet Internist Dr. med. Guido Pukies (Zusatzbezeichnung: Naturheilverfahren) zusammen mit einer angestellten Kollegin, der Fachärztin für Allgemeinmedizin Dr. med. Raphaela Schöfmann (Zusatzbezeichnung: Ernährungsmedizin).

Sie werden unterstützt von einem fünfköpfigen Praxisteam. Dazu kommen immer wieder Studierende. Über 70 waren es in den vergangenen dreieinhalb Jahren, im Praktikum, in der Famulatur und nun auch im Praktischen Jahr. „Das Weitergeben von Wissen macht uns viel Freude“, sagt Pukies.

Die Praxis offeriere mit den Famulaturen einen „sanften Einstieg“ in die Allgemeinmedizin, die Famulanten könnten dem Ärzte-Duo über die Schulter schauen und erste Erfahrungen in der Patienten-Behandlung sammeln. Bei den Studierenden ist die Praxis extrem be liebt: Bereits kurz nach dem die Listen für Praktika und Famulaturen online zugängig sind, ist die Praxis auch schon ausgebucht. „Das Institut für Allgemeinmedizin unterstützt uns bei der Ausbildung der Studierenden sehr gut.“

Das Foto zeigt Guido Pukies und Finja Möller

Guido Pukies und Finja Möller diskutieren eine Behandlungsoption. Sie verbindet ein gemeinsames Interesse an der individuellen hausärztlichen Medizin mit ganzheitlichem Anspruch.

Schöfmann und Pukies sind mit viel Elan und Begeisterung dabei – ihr Engagement zeigt auch einen gewünschten Nebeneffekt: Die Studierenden begeistert das Duo für das Fach Allgemeinmedizin. Vielleicht nicht alle, aber einige – bei Finja Möller hat es auf jeden Fall geklappt.

Leidenschaft für Allgemeinmedizin

Nach ihrer Famulatur 2018 zog es die Neusserin wieder in die Praxis – „Ich habe meine Leidenschaft für die Allgemeinmedizin entdeckt.“ Besonders die Vielseitigkeit des Fachs hat es ihr angetan. Möller genießt es aber auch, erste Ansprechpartnerin der Patienten zu sein und diese über einen langen Zeitraum zu betreuen. Vom 1. Juli bis 20. Oktober 2019 arbeitete sie in der Praxis Drususallee als PJ-lerin. Sie ist die erste hier, aber weitere sind herzlich willkommen.

Was die Uni ihr an theoretischem Wissen vermittelt – bei Pukies und Schöfmann kann sie es anwenden. „Was mich besonders freut, ist, dass ich hier sehen kann, ob Therapien längerfristig anschlagen“, sagt die 27-Jährige. Ein weiterer Pluspunkt der Tätigkeit in der Hausarztpraxis: Möller erhält ein PJ-Stipendium von 600 Euro monatlich, diese Förderung finanzieren die KV Nordrhein und nordrheinische Krankenkassen. Doch es sind nicht nur finanzielle Aspekte, die das PJ in der Praxis auszeichnen.

Das Bild zeigt Finja Möller bei einer Untersuchung

In der Praxis genießt die PJ-lerin viel Freiheit beim Arbeiten – und die intensive Betreuung durch die beiden Ärzte im Team.

„Unsere Patienten lieben Frau Möller, das Team schätzt ihre Empathie und ihr strukturiertes Arbeiten. Sie passt fachlich und menschlich super zu uns.“ Klar, dass Möller auch zum Praxisausflug nach Mallorca eingeladen war. Viel Wertschätzung und Verantwortung – das sind nach Möllers Worten die Trümpfe der Ausbildung in der Praxis an der Drususallee. Sie ist intensiv eingebunden in alle Phasen der Behandlung, in Anamnese, Diagnostik und das Erstellen von Therapiekonzepten. „Ich erlebe ein sehr freies und individuell betreutes Lernen“, freut sich Möller. Wenn sie sich noch einmal entscheiden sollte: Das PJ würde sie auf jeden Fall wieder in einer Hausarztpraxis machen.

Das Bild zeigt das Team der Praxis Drususallee beim Ausflug im September 2019.

Das Team der Praxis Drususallee beim Ausflug im September 2019 auf Mallorca (v. l.): Dr. Guido Pukies, Dr. Raphaela Schöfmann, Nadia Pukies, Finja Möller, Susanne Icking, Patricia de Almeida, Sandra Köhler und Özlem Karakaya.

Praxis schlägt Klinik

In ihrem Jahrgang ist die 27-Jährige in der Minderheit. „Wer in die Allgemeinmedizin will, wird leider von vielen ein wenig belächelt“, bedauert sie. Dabei bietet das Fach viele Vorteile, schon während des Studiums. So können Studierende, die ihr PJ in einer Hausarztpraxis absolvieren, die vier Monate auf die Weiterbildungszeit Allgemeinmedizin anrechnen lassen – also de facto die Ausbildung verkürzen.

Im Herbst 2019 macht Möller Examen, dann geht es in die Facharztweiterbildung – und vermutlich noch einmal in die Praxis an der Drususallee, denn diese verfügt über 24 Monate Weiterbildungsberechtigung. Die ambulante Perspektive hat Möller im Blick: „Auch weil ich denke, dass Familie und Beruf in der Praxis besser zu kombinieren sind als in der Klinik.“ Nach ihrer Facharztausbildung möchte sie zunächst als angestellte Ärztin arbeiten, gern in der Drususallee.

Zur Person: Finja Möller (27) ist teilweise in den USA aufgewachsen, studiert Medizin an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und steht kurz vor dem 3. Staatsexamen. Die Neusserin möchte Fachärztin für Allgemeinmedizin werden und dies gern um den Bereich Sportmedizin ergänzen.  
Das Bild zeigt Finja Möller
Das Foto zeigt Dr. med. Guido Pukies

Zur Person: Dr. med. Guido Pukies (49) ist verheiratet mit Nadia Pukies, die nach ihrer Zeit als Nachkrankenschwester für Intensivmedizin in der Praxis arbeitet. Die beiden haben drei Kinder. Guido Pukies ist seit 2014 als hausärztlicher Internist mit der Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren niedergelassen, war zuvor als Amtsarzt und leitender Notarzt in Neuss tätig.

Frank Naundorf

Wie werde ich Lehrpraxis?

Um Lehrpraxis zu werden, sollten Sie sich an die Universitätskliniken in der Nähe wenden. Diese definieren die Anforderungen. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und die Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin e.V. (GHA) stellen im Internet ein Musterlogbuch zum Thema PJ für Studierende und Lehrärzte zur Verfügung.

Wer Lehrpraxis wird, kann eine Förderung erhalten: Das Land NRW beteiligt sich in bestimmten Regionen mit bis zu 10.000 Euro an den Ausgaben, die für die Errichtung einer Lehrpraxis erforderlich sind, zum Beispiel für die technische Ausrüstung der Praxis. Darüber hinaus werden anteilig die Ausgaben übernommen, die für die Teilnahme an einem Qualifikationsseminar für Akademische Lehrpraxen anfallen.

An der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf sucht zum Beispiel das Institut für Allgemeinmedizin Hausärztinnen und Hausärzte, die regelmäßig Studierende für ein- bis zweiwöchige Patientenpraktika oder das zweiwöchige Hausarztpraktikum aufnehmen wollen. Voraussetzungen für die Akkreditierung als akademische Lehrpraxis für Praktika sind hier:

  • mehrjährige Niederlassung
  • Schwerpunkt der praktischen Tätigkeit in der normalen hausärztlichen Versorgung (also zum Beispiel nicht überwiegende psychotherapeutische oder phlebologische Tätigkeit)
  • geeignete Räumlichkeiten, zum Beispiel separates Behandlungszimmer für die Studierenden
  • Besuch der didaktischen Fortbildungsveranstaltungen des Instituts
  • Erreichbarkeit der Praxis für die Studierenden von Düsseldorf aus mit Bus und Bahn

Um Studierende im PJ aufzunehmen, sind die Anforderungen oft noch etwas höher. An der Uniklinik Köln sind unter anderem folgende Kriterien zu erfüllen:

  • grundsätzliche schulmedizinische Ausrichtung (nicht ausschließlich Homöopathie)
  • Durchführung von Hausbesuchen (mindestens zehn pro Woche)
  • Betreuung von Menschen in Alten-/Pflegeheimen (mindestens zehn Personen)
  • Durchführung von Präventivuntersuchungen
  • Patientenzahl größer als 500 pro Quartal

Dazu kommen weitere Anforderungen, die vor allem die technische Ausstattung betreffen (zum Beispiel EKG und Sonografie). Detaillierte Infos finden Sie im Internet-Angebot der Unikliniken.