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Vernetzte Versorgung: NPPV steht Pate für neues Gesetz

13.11.2019 KVNO aktuell, Praxisinfos

Das Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung gehört zu den viel diskutierten Initiativen aus Jens Spahns gut geölter Gesetzesmaschinerie. Ein neue Regelung ist in Nordrhein bereits bekannt: Die im Gesetz vorgesehene berufsgruppenübergreifende und koordinierte psychotherapeutische und psychiatrische Versorgung gibt es hier schon. Sie läuft erfolgreich im Projekt zur Neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung (NPPV).

Bereits 2017 hat die KV Nordrhein das Projekt im Rahmen des Innovationsfonds der Bundesregierung etabliert. Zu den Vorteilen der NPPV gehören die Lotsenfunktion von Ärzten oder Psychotherapeuten sowie die Koordination von Gruppenangeboten, eine schnellere Terminvergabe und eine verbesserte Akutversorgung. Besonders Menschen mit akutem oder intensivem Versorgungsbedarf können so zielgerechter behandelt werden.

Die Grafik zeigt die Daignosen von NPPV als Tortendiagramm an.
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NPPV in Zahlen

Die Zahl der im NPPV-Projekt versorgten Patientinnen und Patienten steigt weiter: Im September 2019 kamen erneut 470 neue Patienten hinzu. Insgesamt sind aktuell 6770 Patienten eingeschrieben. Es nehmen 405 Praxen mit 636 Fachärzten und Psychotherapeuten am Projekt teil. Bei den Diagnosen der Eingeschriebenen liegt die Depression mit 58 Prozent weit vorn, es folgen Schizophrenie und bipolare oder wahnhafte Störungen mit 12 Prozent sowie im einstelligen Prozentbereich Multiple Sklerose, Demenz, Morbus Parkinson, Schlaganfall und Traumafolgestörungen.

Das Projekt wird bis Ende 2020 gefördert und sollte danach Teil der Regelversorgung werden. Doch schon jetzt greift der Gesetzgeber das Modell auf. „Ich freue mich, dass die zugrunde liegende Idee unseres Innovationsfonds-Projekts vom Gesetzgeber aufgegriffen wurde. Wir haben dadurch die Chance, einen großen Schritt bei der koordinierten Zusammenarbeit von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen, Psychotherapeuten und weiteren an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen voranzukommen“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

Auch für Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, liegt in der Vernetzung eine große Chance – gerade vor dem Hintergrund schwindender ärztlicher Ressourcen. „Wir sehen in der gesetzlichen Neuregelung eine Stärkung der ambulanten vertragsärztlichen und -psychotherapeutischen Strukturen. Sie stellt eine Chance für eine verbesserte Vernetzung der bestehenden Versorgungsleistungen für Patientinnen und Patienten dar, insbesondere für schwer psychisch erkrankte Menschen.“

Dr. Heiko Schmitz