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Modellprojekt mit BKK Nordwest: Antibiotika: Weniger ist mehr

13.11.2019 KVNO aktuell, Verordnungsinfos, Verträge

Ärzte, die für das Thema Antibiotika sensibilisiert sind, verordnen weniger und vor allem: gezielter. Das ist das Ergebnis des zweijährigen Modellprojekts des BKK-Landesverbandes Nordwest mit der KV Nordrhein in den Regionen Essen und Duisburg.

Ziel des Vertrags war es, Antibiotika bei Harnwegsinfekten und bei Entzündungen des Mund-Rachen-Raums nur noch einzusetzen, wenn sie nachweislich Sinn machen. Dies wurde durch den Einsatz von Antibiogrammen beziehungsweise Schnelltests festgestellt. Die Ärzte führten diese Tests direkt in der Praxis durch, um festzustellen, ob es sich bei dem Infekt um eine virale oder bakterielle Entzündung handelt.

Wichtigstes Ergebnis des Projekts: Ärzte, die sich an dem Modellversuch beteiligten, verordneten während beziehungsweise nach der Projektlaufzeit 20 Prozent weniger Antibiotika (bei Scharlach und Mandelentzündung) als die Ärzte, die sich nicht am Modellprojekt beteiligt haben. Bei Patienten mit akuten Entzündungen im Hals-Rachen-Raum verordneten Ärzte im Vorher-Nachher-Vergleich
17 Prozent weniger Antibiotika.

„Das Ergebnis zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, alle Mediziner und auch Patienten auf das Thema aufmerksam zu machen“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. „Wir müssen noch mehr Kolleginnen und Kollegen dafür sensibilisieren, dass weniger manchmal mehr sein kann, also der Einsatz von Antibiotika genau bedacht und geprüft sein will. Schnelltests können hier ein geeignetes Mittel der Wahl sein. Wichtig ist auch, Patientinnen und Patienten besser zu informieren, damit sie nicht immer und sofort die Gabe von Antibiotika erwarten.“

Schnelltest funktioniert

Laut einer Befragung der Ärzte halten das Antibiogramm und 70 Prozent den Schnelltest für eine geeignete Unterstützung ihrer Therapieentscheidung. Nach dem Schnelltest sei die Akzeptanz für die Entscheidung, kein Antibiotikum zu verordnen, beim Patienten höher. Auch Patienten mit einem Harnwegsinfekt und Erfahrung damit warten gern das Ergebnis der Kultur ab.

Durch die Tests werde außerdem eine „blinde Umstellung“ verhindert, also eine Verordnung auf Verdacht. Zudem werden Breitbandantibiotika vermieden beziehungsweise nur als Reserve eingesetzt, wenn Resistenzen vorhanden sind.

Beteiligt hatten sich am Projekt 48 Fachärzte aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Kinder- und Frauenärzte, HNO-Ärzte sowie Urologen mit insgesamt 1.474 Patienten. Das sind knapp acht Prozent der teilnahmeberechtigten Praxen. Die Auswertungen zeigen, dass diese Ärzte Antibiotika bereits vorher restriktiver verordneten als andere und sich durch die Teilnahme noch intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt haben. „Wir haben vor allem diejenigen erreicht, die bereits für das Thema sensibilisiert sind. Wir brauchen daher eine Richtlinie, die verbindlich für alle regelt, wann Antibiotika eingesetzt werden, damit uns Reserveantibiotika als Ultima Ratio erhalten bleiben“, sagt Dr. Dirk Janssen, stellvertretender Vorstand des BKK-Landesverbands Nordwest.

Dr. Heiko Schmitz