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Extrabudgetärer Arztgruppenfall

05.09.2019 Honorar, KVNO aktuell

Im Juni 2019 hatten sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKVSpitzenverband auf Eckpunkte geeinigt, wie mehrere Regelungen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) ab September umzusetzen sind (wir berichteten). Inzwischen stehen weitere Abrechnungsdetails fest. Extrabudgetäre Vergütung erhalten Ärztinnen und Ärzte für den gesamten sogenannten Arztgruppenfall. Dazu zählen alle Leistungen einer TSVG-Konstellation, also für einen Patienten, den die Terminservicestelle (TSS) vermittelt hat, einen vom Hausarzt an einen Facharzt vermittelten Patienten, für Neupatienten und für Patienten aus der offenen Sprechstunde. Die extrabudgetäre Vergütung erhalten die Ärzte einer Arztgruppe in einer Praxis für die TSVG-Fälle, die sie innerhalb eines Quartals für Versicherte durchgeführt haben.

TSVG-Fälle kennzeichnen

Die TSVG-Fälle sind in der Praxissoftware wie folgt zu kennzeichnen:

  • Vermittlungsart 1 : TSS-Terminfall
  • Vermittlungsart 3 : HA-Vermittlungsfall
  • Vermittlungsart 4 : Offene Sprechstunde
  • Vermittlungsart 5 : Neupatient

Dazu kommen zeitabhängige Zuschläge für Behandlungen der Patienten, die von der TSS vermittelt wurden. Die Höhe der Zuschläge hängt davon ab, wie lange der Patient auf den Termin warten musste.

Nehmen wir an, in einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) sind zwei Urologen und zwei Chirurgen tätig. Sie rechnen bei einem Neupatienten Leistungen ab. Dann handelt es sich um zwei Arztgruppenfälle: einmal Urologie und einmal Chirurgie.

Abrechnungsscheine richtig anlegen

Für die Abrechnung ist es wichtig, dass in der Praxis für jede TSVG-Konstellation und jede Arztgruppe ein eigener Abrechnungsschein angelegt wird.

Kristina Bergemann | Marion Flucht

Beispiele

Wie ein Arztgruppenfall in einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) abgerechnet wird, zeigen die folgenden Beispiele Wir gehen von einer BAG mit fünf Arztgruppen aus: HNO, Augenheilkunde, Urologie, Orthopädie und hausärztliche Versorgung

TSS-Terminvermittlung zu zwei Ärzten

Patient A wird von der Termin-Servicestelle (TSS) zum HNO-Arzt und zum Augenarzt vermittelt. Außerdem wird Patient A von seinem Hausarzt zum Orthopäden der BAG vermittelt:

  • HNO-Arzt und Augenarzt kennzeichnen den Überweisungsschein in der PVS jeweils als „Terminfall“ (Vermittlungsart = 1). HNO-Arzt und Augenarzt rechnen ihre Leistungen ab. Zuschläge für die Dauer der Wartezeit nicht vergessen.
  • Der Orthopäde kennzeichnet den Fall als „HA-Vermittlungsfall“ (Vermittlungsart = 3). Alle Leistungen des Orthopäden werden auf der Überweisung abgerechnet.
  • Wenn der Patient von den anderen Arztgruppen der BAG ebenfalls behandelt wird, ohne dass ein weiterer Vermittlungsfall vorliegt, muss ein neuer Schein für die Abrechnung der weiteren Leistungen angelegt werden. Keine Kennzeichnung dieses Falls als „Terminfall“.

 

Neuer Patient

Patient B ist seit zwei Jahre nicht in der Praxis gewesen. Er wird in der BAG vom HNO- und Augenarzt am 2. Oktober und vom Orthopäden einen Tag später behandelt. Im Laufe des Quartals wird der Patient von der TSS zum Urologen vermittelt. Der Patient sucht zudem den Hausarzt auf.

  • Die ersten beiden Arztgruppen legen jeweils einen Schein in der PVS (Vermittlungsart = 5) an. Die abgerechneten Leistungen werden beim HNO- und Augenarzt extrabudgetär vergütet.
  • Der Orthopäde kann den Patienten nicht als Neupatienten abrechnen; dies ist nur für die ersten beiden Arztgruppen einer Praxis möglich.
  • Aufgrund der Vermittlung durch die TSS legt der Urologe einen weiteren  Überweisungsschein in der PVS für den Versicherten an (Vermittlungsart = 1). Der Urologe rechnet seine Leistungen ab. Zuschläge für die Dauer der Wartezeit nicht vergessen
  • In dieser Konstellation gibt es keine Besonderheit für die Abrechnung des Hausarztes.

 

TSS-Terminvermittlung

Patient C erhält aufgrund einer Terminvermittlung durch die TSS einen Termin beim HNO-Arzt in der BAG.

  • Kennzeichnung des Überweisungsscheins in der Praxissoftware als „Terminfall“ durch den HNO-Arzt (Vermittlungsart = 1). Bei der Abrechnung Zuschläge in Abhängigkeit von der Dauer der Wartezeit nicht vergessen.
  • Wenn der Patient von einer anderen Fachgruppe ebenfalls behandelt wird, ohne dass ein weiterer Vermittlungsfall vorliegt, muss ein neuer Schein für die Abrechnung der weiteren Leistungen angelegt werden. Die Kennzeichnung „Terminfall“ darf für diesen Schein nicht erfolgen.

 

Externer Hausarzt-Vermittlungsfall

Patient D wird von einem Hausarzt, der in einer anderen Einzelpraxis tätig ist, an den Orthopäden in der BAG vermittelt. Der Hausarzt stellt einen Überweisungsschein aus.

  • Kennzeichnung des Falles als „HA-Vermittlungsfall“ durch den Orthopäden (Vermittlungsart = 3). Alle Leistungen des Orthopäden werden auf der Überweisung abgerechnet.
  • Sofern weitere Arztgruppen den Patienten in der BAG behandeln, wird ein neuer Schein für die Abrechnung angelegt (ohne Vermittlungsart „HA-Vermittlungsfall“).

 

Interner Hausarzt-Vermittlungsfall

Patient E wird durch den Hausarzt der BAG zum Orthopäden derselben BAG vermittelt:

  • Keine Besonderheit. Innerhalb der BAG kommen deswegen keine Zuschläge oder extrabudgetäre Vergütungen zum Tragen.

 

Offene Sprechstunde

Patient F wird im Rahmen der offenen Sprechstunde von allen Arztgruppen der BAG behandelt.

  • Jede Arztgruppe legt in der offenen Sprechstunde zur Abrechnung einen separaten Schein an und kennzeichnet diesen mit „offene Sprechstunde“ (Vermittlungsart = 4).
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