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Immer mehr Lieferengpässe

05.09.2019 KVNO aktuell, Verordnungsinfos

Patienten, Praxen und Apotheken klagen immer häufiger über Lieferengpässe bei Arzneimitteln. Zum Teil sind anscheinend Präparate bestimmter Hersteller oder Wirkstärken nicht lieferbar, vermehrt wird aber auch berichtet, dass Wirkstoffe komplett fehlen und Patienten auf andere Therapien umgestellt werden müssen.

Das Problem hat mehrere Ursachen. Bei einzelnen Präparaten führt eine vermehrte Nachfrage beispielsweise im Rahmen der Rabattverträge zu Engpässen. Die lassen sich durch den Wechsel auf andere Anbieter ausgleichen. Wenn Wirkstoffe jedoch komplett nicht lieferbar sind, liegt dies oft an der Herstellung in nur einer Produktionsstätte. Ein prominentes Beispiel ist Valsartan, bei dem Verunreinigungen in einer chinesischen Fabrik zu Produktionsausfällen geführt haben.

Die Lieferengpässe werden noch nicht zentral erfasst. Für die pharmazeutischen Hersteller besteht eine Selbstverpflichtung, Lieferengpässe ans Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu melden. Das BfArM veröffentlicht eine Übersicht in seinem Internet-Auftritt; Mitte August waren dort 495 Meldungen hinterlegt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die gemeldeten Lieferengpässe nicht unbedingt lokale Engpässe widerspiegeln. Arzneimittel können noch bundesweit in Großhandlungen verfügbar sein, sind jedoch in einzelnen Regionen nicht mehr zu bekommen.

Ein Lieferengpass ist definiert als eine über voraussichtlich zwei Wochen hinausgehende Unterbrechung einer Auslieferung im üblichen Umfang oder eine deutlich vermehrte Nachfrage, der nicht angemessen nachgekommen werden kann. Ein schlüssiges Konzept, wie den Engpässen begegnet werden kann, liegt noch nicht vor. Im Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) wird beispielsweise geregelt, dass bei Rabattverträgen "die Vielfalt der Anbieter und die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Versorgung der Versicherten zu berücksichtigen ist". Ob das reicht?

HON

Welche Arznei fehlt?

Lieferengpässe behindern Behandlungen und bedeuten Aufwand für die Praxen. Die KV Nordrhein möchte sich ein Bild vom Ausmaß machen. Bitte teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit, egal ob es um einzelne Arzneimittel oder ganze Wirkstoffe geht. Wir werten Ihre Rückmeldungen aus und greifen das Thema weiter auf.

Bitte senden Sie uns Ihre Hinweise per E-Mail oder Telefax 0211 5970 9108