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Neue Regeln bei der Arzneimittelabgabe in der Apotheke

10.07.2019 KVNO aktuell, Verordnungsinfos

Der Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung zwischen dem GKV-Spitzenverband und dem Deutschen Apothekerverband ist am 1. Juli 2019 in Kraft getreten. Für die verordnenden Praxen ergeben sich indirekt ein paar Änderungen.

Rabattverträge haben weiterhin Vorfahrt. Wenn ein generikafähiges Arzneimittel verordnet wird, muss die Apotheke zunächst den Rabattvertrag bedienen. Ausnahmen bestehen nur, wenn ein Aut-idem-Kreuz gesetzt wurde, im Notfall/dringenden Fall, bei Nicht-Lieferfähigkeit des Rabattarzneimittels oder wenn ein Wirkstoff der Substitutionsausschlussliste verordnet wurde.

Wurde kein Rabattvertrag geschlossen und kein Aut-idem-Kreuz gesetzt, muss die Apotheke eins der vier (bisher drei) preiswertesten Generika abgegeben, jedoch nicht teurer als das verordnete Arzneimittel. Die Abgabe des verordneten Arzneimittels ist nur noch möglich, wenn es zu den vier preiswertesten Generika zählt. Sind die vier preiswertesten Generika nicht lieferfähig, bedient die Apotheke die „Preisspirale nach oben“.

Bei nicht-generikafähigen Arzneimitteln, falls das Aut-idem-Kreuz gesetzt wurde oder bei Arzneimitteln der Substitutionsausschlussliste bedient die Apotheke ggf. die Importregelungen. Hier werden Arzneimittel nicht „ersetzt“, sondern formal die gleichen Arzneimittel abgegeben. Das Aut-idem-Kreuz verhindert somit nicht, dass ggf. anstelle des Originals ein Importarzneimittel oder anstelle eines verordneten Importarzneimittels ein anderes abgegeben wird.

Verschreibungspflichtige und nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel sowie Arzneimittel und Medizinprodukte (z. B. Macrogole oder NaCl-Lösungen) dürfen nicht gegeneinander ausgetauscht werden.

Auf den Rezepten zählt nun jede Zeile einzeln. Dies bedeutet, dass bei der Verordnung mehrerer Packungen des gleichen Arzneimittels in mehreren Zeilen die Mengen nicht addiert werden und anschließend nach einer passenden Packungsgröße gesucht wird. Vielmehr gilt jede Zeile für sich. Beispiel:

Avamys ® 27,5 ug 60 Hub N2
Avamys  ® 27,5 ug 60 Hub N2

Abzugeben sind zwei Packungen Avamys ® 27,5 ug 60 Hub N2, nicht eine Packung Avamys ® 27,5 ug 120 Hub

Hier hält die Apotheke Rücksprache

In folgenden Fällen muss die Apotheke mit der verordnenden Praxis Rücksprache halten, ein neues Rezept ist jedoch nicht notwendig. Erfolgt keine Rücksprache mit dem Arzt, darf der Versicherte in der Regel nicht mit den verordneten Arzneimitteln versorgt werden:

  • Die Verordnung ist nicht eindeutig. Dies kann beispielsweise sein, wenn die verordnete Stückzahl oder die N-Bezeichnung keiner Packung im Handel entspricht oder wenn die aufgedruckte PZN nicht dem verordneten Arzneimittel entspricht.
  • Das Rezept wurde erkennbar ergänzt oder korrigiert, aber nicht durch ein erneutes Namenszeichen des Arztes abgezeichnet.
  • Es wurde eine „Jumbopackung“ verordnet. Diese sind weiterhin nicht erstattungsfähig.
  • Die angegebene Stückzahl entspricht nicht der angegeben N-Bezeichnung.
  • Die Apotheke müsste ein (nicht rabattiertes) Arzneimittel abgeben, das teurer als das verordnete Arzneimittel ist.

Dr. Holger Neye

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