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Digitale Selbsthilfe

27.06.2019 Gesundheitstipps, KVNO aktuell

Geschätzte drei Millionen Menschen engagieren sich in etwa 100.000 Selbsthilfegruppen. Nichtsdestotrotz geht es der Selbsthilfe wie vielen Verbänden und Vereinen: Sie klagt über Nachwuchssorgen und fragt sich, wie es gelingen kann, neue Zielgruppen zu erreichen, jüngere Menschen etwa, oder Betroffene mit eingeschränkter Mobilität. Dafür eignen sich Online- und Social-Media-Angebote.

Selbsthilfeorganisationen nutzen zunehmend die Möglichkeiten der Digitalisierung für sich. Da Datenschutz in der Selbsthilfe traditionell großgeschrieben wird, legen die Entwickler darauf besonderen Wert.

Das Bild zeigt eine Werbung für die Digitale Selbsthilfe

Zeitgemäße Ergänzung

Von den neuen Zugangswegen profitieren auch Patienten und deren Angehörige etwa im ländlichen Raum, wo Wege zu Ärzten, Therapeuten oder Selbsthilfegruppen weit sein können.

Wie die bewährten analogen Gesprächsgruppen können auch die Online-Angebote eine Behandlung sinnvoll ergänzen oder die Wartezeit auf einen Therapieplatz oder einen speziellen Behandlungstermin überbrücken. Einige bieten sich als Rückfallprophylaxe nach Abschluss einer Therapie an. Darüber hinaus ermöglichen sie den Betroffenen soziale Teilhabe und das gute Gefühl, nicht nur passiv abzuwarten, sondern ihr Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs hat die Erfahrung gemacht, dass Online-Foren den Vor-Ort-Gruppen neue Teilnehmer bescheren.

Was die Selbsthilfe ausmacht, wird weiterhin zentral bleiben: persönlicher Kontakt mit Gleichbetroffenen sowie Rückhalt in der Gemeinschaft. Die digitalen Anwendungen stellen aber eine zeitgemäße Alternative zu bestehenden Angeboten dar. Sie können bei der Krankheitsbewältigung von Nutzen sein und die Gesundheitskompetenz der Patienten stärken.

Bianca Wolter

Beispiele für digitale Selbsthilfe

ADHS: Die virtuelle Selbsthilfegruppe ADHS trifft sich einmal im Monat: adhs-deutschland.de

Angsterkrankungen: Die Angst-Hilfe e. V. bietet eine Online-Beratung an, kostenlos und 24 Stunden am Tag erreichbar: angstselbsthilfe.de

Depressionen: Das Online-Selbsthilfe-Programm der Deutschen Depressionshilfe ist in zwölf Sprachen verfügbar. Die arabische Version richtet sich vor allem an Migranten und soll helfen, Sprachbarrieren und Versorgungsengpässe mangels muttersprachlicher Psychotherapeuten und Ärzte zu überbrücken. Es ist geeignet für Betroffene mit leichteren Depressionsformen: ifightdepression.com

Krebs: Die Netzwerkstatt Krebs bietet monatlich professionell moderierte Gruppentreffen als Videochat für Krebspatienten an: netzwerkstattkrebs.de

Pflege: Das Online-Portal und eine App sind speziell auf die Bedürfnisse pflegender Angehöriger zugeschnitten. Wer Familienmitglieder versorgt, kommt oft nicht aus dem Haus. Die App hilft, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten und sich untereinander zu vernetzen: in.kontakt

Rheuma: Die App der Deutschen Rheuma-Liga hilft unter anderem durch Bewegungsanleitungen bei der Bewältigung rheumatischer Schmerzen: Auszeit-App

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