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Kleines Hilfsmittel-ABC, Teil 1

27.06.2019 KVNO aktuell, Verordnungsinfos

Die Hilfsmittelverordnung stößt auch bei langjähriger ärztlicher Erfahrung immer wieder auf Fallstricke. Woran liegt das? Zunächst kann niemand sich alle im GKV-Hilfsmittelverzeichnis gelisteten über 20.000 Einzelprodukte merken. Darüber hinaus hat es seit 2017 viele Anpassungen hinsichtlich der Produkte gegeben. Wir haben wichtige Punkte rund um das Verordnen in einer Serie zusammengestellt – von A wie Angabe der Diagnose bis Z wie zehnstellige Hilfsmittelnummer.

Je nach benötigtem Hilfsmittel stellen sich einige Fragen: Handelt es sich hierbei um ein Hilfsmittel, das zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden kann? Diese Frage lässt sich durch einen Blick ins GKV-Hilfsmittelverzeichnis lösen: Zum Verordnen dient Muster 16, sofern es sich weder um eine Hör-, noch um eine Sehhilfe handelt. Die Diagnosen/Indikationen finden sich unter der siebenstelligen Hilsmittelnummer (= Produktart). Sollte es keine eindeutige siebenstellige Hilfsmittelnummer geben oder es schwierig sein, ein Hilfsmittel zuzuordnen, kann man sich über die generellen Verordnungsmöglichkeiten der Produkte bei den Definitionen (zum Beispiel Produktgruppe 31: "Schuhe") einen leistungsrechtlichen Überblick darüber verschaffen, was generell möglich und verordnungsfähig ist und was nicht. So könnten Sie vorgehen:

  • Benötigt der Patient ein Hilfsmittel?
  • Handelt es sich um ein verordnungsfähiges Hilfsmittel? Ist es im GKV-Hilfsmittelverzeichnis gelistet?
  • Diagnosen/Indikationen angeben; Sie finden sie unter der siebenstelligen Hilfsmittelnummer (= Produktart).
  • Wenn nicht: Konsultation der Definition der jeweiligen Produktart

A wie Angabe der Diagnose

Die Diagnose ist gemäß der Hilfsmittelrichtlinie stets zu nennen. Daran ändert auch die Europäische Datenschutzrichtlinie nichts.

Wie genau sollte diese Diagnose/Indikation angegeben werden? So genau wie möglich. Praxen sollten sich an den Vorgaben des Hilfsmittelverzeichnises (§ 7 Abs. 2) orientieren. Es reicht zum Beispiel bei einer Verordnung eines Rollstuhls nicht aus, von einer bestimmten Erkrankung auszugehen, die gegebenenfalls mit starker Gehbeeinträchtigung einhergeht (z. B. Multiple Sklerose). In diesem Fall muss ersichtlich sein, dass bereits eine starke Gehbeeinträchtigung vorliegt. Die genauen Angaben sind notwendig, damit eine rasche Beurteilung durch die Krankenkasse stattfinden kann.

Beispiel: Verordnung eines Rollstuhls unter Angabe der Diagnose:

  • 1. Alle Angaben sollen so genau wie möglich angegeben werden:
    • a. Name des Versicherten
    • b. Diagnose
    • c. Hilfsmittel: Produktart oder siebenstelligen Hilfsmittelnummer
  • 2. Wird der Rollstuhl zum Gebrauch innen und außen (zum Beispiel im Straßenverkehr) benötigt?
    • a. Für innen und außen: siehe GKV-Hilfsmittelverzeichnis

B wie Begründung

Kann man auch ein Einzelprodukt eines bestimmten Herstellers oder die entsprechende zehnstellige Hilfsmittelnummer bei der Verordnung angeben? Das ist möglich, aber nicht immer empfehlenswert. Denn die Abgabe eines spezifischen Produkts erfolgt durch die (Hilfs- mittel-)Leistungserbringer auf Basis der mit den Krankenkassen geschlossenen Verträge. Wenn ein spezielles Hilfsmittel (zehnstellige Hilfsmittelnummer oder spezielle Bezeichnung) verordnet werden soll, das im Hilfsmittelverzeich­nis aufgeführt ist, muss dies durch eine Begründung ergänzt werden (§ 7 Abs. 3, Satz 3 der Hilfsmittel-Richtlinie).

Dr. med. Patricia Shadiakhy