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Das AIS – was bringt's?

27.06.2019 KVNO aktuell

Die Bundesregierung will Ärzte und Psychotherapeuten besser über die frühe Nutzenbewertung von Arzneimitteln informieren. Einzelheiten dazu stehen im Referentenentwurf zu einer Verordnung, über den Mediziner sowie Vertreter der Pharmaindustrie und der Krankenkassen am 6. Mai 2019 im Haus der Ärzteschaft diskutierten.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Dr. med. Frank Bergmann, machte gleich zu Beginn der Informationsveranstaltung klar, was er von dem geplanten Arzneimittelinformationssystem (AIS) hält: "Alles, was die Verordnungssicherheit und Therapieentscheidung der Ärztinnen und Ärzte verbessert, ist grundsätzlich positiv zu bewerten."

Es gäbe allerdings ein paar "Aber": Die Kosten für das System dürften nicht zulasten der Ärzteschaft gehen – auch nicht auf Umwegen über Lizenzgebühren oder höhere Softwarepreise. Sie müssten von den Krankenkassen übernommen werden. Die Informationen über die Nutzenbewertung von Arzneimitteln sollten einen klaren Mehrwert bringen und müssten so aufbereitet sein, dass die Ärzte nicht mit Text überflutet werden. Und: Es dürfe keine "verkappte Verordnungssteuerung" stattfinden.

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So stellt sich der GKV-Spitzenverband das AIS vor: Via Praxissoftware erhalten Ärzte beim Verordnen Hinweise zum ausgewählten Arzneimittel.

Praxistauglich in 2000 Zeichen

Dr. Ralf Halfmann, Referatsleiter im Bundesgesundheitsministerium, versuchte zu beruhigen: Das AIS sei kein umfassendes Informationssystem, sondern nur ein Modul. Es diene lediglich dazu, Ärzten einen praxistauglichen Zugang zu den Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zum Zusatznutzen neuer Arzneimittel anzubieten. Der G-BA sei gehalten, seine Beschlüsse in verständlicher Sprache "und in maximal 2000 Zeichen" zusammenzufassen. Ziel sei die amtliche Information und "keine darüber hinausgehende Verordnungssteuerung".

"Information ist sehr schnell auch Interpretation", gab Dr. med. Markus Frick, Geschäftsführer des mitveranstaltenden Verbands forschender Pharma-Unternehmen (vfa), zu bedenken. Zu vielen Arzneimitteln gebe es gar keinen G-BA-Beschluss: "Soll der Arzt dies in der Therapie nicht berücksichtigen?", fragte Frick. Er schlug stattdessen vor, auch vorhandene Leitlinien in das Informationsangebot zu integrieren.

Es geht auch ums Geld

Pharmaunternehmen und Krankenkassen hätten beide legitime Interessen, befänden sich aber in einem Spannungsfeld, räumte Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg, ein. Während die Pharmaindustrie Gewinne machen wolle, müssten die Kassen auf Wirtschaftlichkeit achten. Aus diesem Grund bedauerte Mohrmann auch, dass die Dokumentation der Jahrestherapiekosten im neuen Verordnungsentwurf gestrichen worden sei. Die gesetzlichen Kassen würden aber gern mehr Geld für Arzneimittel ausgeben, wenn es einen echten Nutzen für die medizinische Therapie gebe.

Diskutierten über das AIS (v.l.n.r.): Mathias Mohrmann, Dr. Carsten König, Dr. Frank Bergmann, Dr. Holger Neye, Dr. Markus Frick, Dr. Ralf Halfmann, Frank Naundorf

Diskutierten über das Arzneimittelinformations-System (v.l.n.r.): Mathias Mohrmann (AOK Rheinland/Hamburg), Dr. Carsten König (stellv. Vorstandsvors. KVNO), Dr. Frank Bergmann (Vorstandsvors. KVNO), Dr. Holger Neye (Pharma­kotherapieberatung KVNO), Dr. Markus Frick (Geschäftsführer vfa), Dr. Ralf Halfmann (BMG) und Frank Naundorf (Leiter Medien KVNO).

Die Frage des Nutzens des AIS für die Verordnungspraxis beherrschte dann auch die anschließende Diskussion. Ein Arzt aus dem Publikum bemerkte, das Wort "Zusatznutzen" sei für ihn als Behandler eine schwierige Kategorie, um Therapieeffektivität zu belegen. "Statistische Aussagen bleiben endlos unsicher", sagte er.

Auch Bergmann betonte, dass das AIS nur ein kleiner Baustein in der Therapieentscheidung sein könne. Die darin abgebildeten Informationen seien vor allem an hochspezialisierte Ärzte adressiert: "Die G-BA-Beschlüsse zum Zusatznutzen betreffen zu 80 Prozent Spezialpräparate", so Bergmann. Ärzte und Psychotherapeuten würden im Einzelfall immer Leitlinien und andere fachmedizinische Quellen konsultieren und nach dem klinischen Bild entscheiden. So blieb am Ende der Diskussion die Frage nach dem Mehrwert des AIS unbeantwortet, was Matthias Mohrmann ernüchtert mit "Das hätte ich nicht erwartet" kommentierte.

Dr. med. Carsten König riet daher in seinem Fazit auch dazu, "die Kirche im Dorf zu lassen". Die Grundidee des AIS möge in Ordnung sein, aber die Transparenz des ärztlichen Handelns könne es nicht verbessern. So schloss König mit der Empfehlung: "Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie besser nicht das AIS."

Thomas Lillig

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