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Gesundheitskongress des Westens: Patienten besser steuern

09.05.2019 KVNO aktuell

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein hat sich am „Gesundheitskongress des Westens“ beteiligt, der am 26. und 27. März im Kölner Gürzenich stattfand. Die KVNO nutzte die Chance, der Fachöffentlichkeit zwei laufende Projekte vorzustellen, die direkt auf das Thema des Kongresses Bezug nahmen: „Der Druck nimmt zu: Zeit für mutige Veränderungen!“ lautete die Losung in diesem Jahr.

Die beiden Projekte, die die KVNO in Köln präsentierte, leisten bereits einen konkreten Beitrag zur Patientensteuerung. Es handelt sich zum einen um das Anfang Januar in Köln gestartete Pilotprojekt zur „komplementären Notfallversorgung“, zum anderen um das nordrheinweite NPPV-Projekt zur „neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung“.

Das Foto zeigt den Stand der KV Nordrhein auf dem Gesundheitskongress des Westens

Der Stand der KV Nordrhein war wichtiger Treffpunkt der Kongressbesucher.

Unter dem Titel „Härtetest Notfallversorgung!“ diskutierte Moderator Heinz-Wilhelm „Doc“ Esser, Oberarzt für Pneumologie am Klinikum Remscheid, mit Dr. med. Frank Bergmann, KVNO-Vorstandsvorsitzender, Prof. Jens Kierdorf, Klinischer Direktor der Kliniken der Stadt Köln, Prof. Dr. Alexander Lechleuthner, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes in Köln, und Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), über Chancen einer vernetzten Notfallversorgung.

Ausbau der 11 6 11 7

„Dazu gehört nicht nur eine enge Kooperation und Arbeitsteilung zwischen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und deren Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken, beispielsweise in Portalpraxen, sondern auch der Rettungsdienst“, sagte KVNO-Chef Bergmann. KBV-Vize Hofmeister verwies auf die „schon seit Jahren veränderte Inanspruchnahme und gestiegene Erwartungshaltung der Patientinnen und Patienten im Notdienst“, auf die das KV-System Antworten geben müsse, zum Beispiel durch den Ausbau der bundesweiten Hotline 11 6 11 7. Nordrhein sei mit dem Konzept zur komplementären Notfallversorgung wie so oft Vorreiter, denn in Köln sei die 11 6 11 7 jetzt schon rund um die Uhr erreichbar. Bergmann stellte das KVNO-Projekt, das am 7. Januar 2019 gestartet ist, vor.

„De facto gibt es an vielen Stellen schon Kooperationen im Notdienst. 90 Prozent unserer Notdienstpraxen befinden sich bereits an oder in Krankenhäusern.“ In Köln gehe es um eine inhaltliche und technische Vernetzung der Arztrufzentrale, bei der die Anrufe der 11 6 11 7 eingehen, und der Integrierten Leitstelle der Feuerwehr. „Wir erhalten die etablierten Strukturen und bearbeiten Anrufe dort, wo sie ankommen. Dafür schaffen wir einheitliche Regelungen und eine standardisierte Triagierung.“

Zentrales Element seien die haus- und fachärztlichen Partnerpraxen, die über das Stadtgebiet verteilt sind und Patienten tagsüber ambulant versorgen. „So werden wir den Rettungsdienst voraussichtlich um einige Tausend Patienten pro Jahr entlasten und diese an der richtigen Stelle versorgen.“ 

Klinikchef Kierdorf verwies auf den Patientenstrom in die Notaufnahme – vor allem tagsüber. „Wir verzeichnen seit 2014 einen Anstieg um 30 Prozent, ohne dass die Menschen kränker geworden sind.“ Gestiegen sei auch die Zahl an Einsätzen im Rettungsdienst, berichtete Lechleuthner, und das, obwohl beispielsweise die Zahl der Reanimationen gesunken sei. Eine Auswertung der Fälle aus 2018 habe ergeben, dass 15 Prozent der Patienten im Rettungsdienst von einem Hausarzt zu versorgen gewesen wären. „Deshalb ist das Projekt sinnvoll, zumal die 11 6 11 7 in Köln jetzt auch tagsüber zu erreichen ist. So ist das System für Patienten leichter nachvollziehbar, denn viele nutzen auch aus Bequemlichkeit oder Unkenntnis das Angebot des Rettungsdienstes.“

NPPV zieht immer größere Kreise

Neben der Kölner Kooperation im Notdienst präsentierte die KV Nordrhein ihr Projekt zur „neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung (NPPV)“, an dem schon über 5000 Patienten und mehr als 400 Ärzte und Therapeuten teilnehmen. Moderator Wolfgang van den Bergh, Chefredakteur der Ärzte Zeitung, bezeichnete NPPV als „Nucleus eines Versorgungssystems, das bundesweit Relevanz erhalten wird“ – nicht zuletzt vor dem Hintergrund dramatischer Zahlen bei Fehltagen in Unternehmen aufgrund psychischer Erkrankungen. Die Ansätze im „Terminservicegesetz“ der Bundesregierung zur gestuften psychotherapeutischen Versorgung seien „gut gemeint, aber schlecht gemacht“ gewesen – umso wichtiger seien Modelle wie NPPV.

Das Foto zeigt den KVNO-Vorstandsvorsitzenden Dr. Frank Bergmann im Gespräch mit Prof. Wolfgang Greiner, Leiter des Gesundheitskongress des Westens

KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. Frank Bergmann sprach beim Gesundheitskongress auch mit Prof. Wolfgang Greiner (li.), wissenschaftlicher Leiter des Kongresses, über die Zukunft der Notfallversorgung in NRW.

Auch Bergmann betonte den bundespolitischen Kontext des Projekts, das kein „medizinisches Konzept, sondern ein komplexer Ansatz zur Versorgungssteuerung“ sei. „Wir wollen Versorgung neu strukturieren und keinen neuen Flaschenhals schaffen.“

Dr. Norbert Paas, Geschäftsführer des Projekt-Dienstleisters Ivp Networks, zeigte sich optimistisch: „Wir liegen mit 530 Ärzten und Therapeuten über unserem Plan. Bis Mitte 2019 sollen 6800 Patienten von NPPV profitieren.“ Das Projekt umfasse mehr als nur „Geld für Zeit“: „Es bietet allen Beteiligten einen Mehrwert.“ Das bestätigte Thomas Czihal vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi), der über die Evaluation sprach: „Das Projekt wird bemerkenswert gut bewertet: 62 Prozent der erstmals zum NPPV befragten Ärztinnen, Ärzte und Therapeuten geben die Note sehr gut oder gut.“ Mathias Mohrmann, Mitglied des Vorstands bei Projektpartner AOK Rheinland/Hamburg, sagte: „Patienten benötigen Rat und Orientierung, das braucht Zeit und Kompetenz. NPPV ist der Maßstab für die Regelversorgung.“

Dr. Heiko Schmitz

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