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Stolperstart der Gesundheitsuntersuchung

09.05.2019 KVNO aktuell

Was lange währt, wird gut. Zumindest für den Start der neuen Gesundheitsuntersuchung traf diese Redewendung nicht zu. Seit 1. April 2019 sind die Neuerungen in Kraft – was aber leider erst wenige Tage zuvor beschlossen wurde, sodass die Infos nicht rechtzeitig in den Praxen ankamen. Immerhin: Nach einiger Kritik beschlossen GKV-Spitzenverband und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine Übergangregelung.

Diese Regelung sieht vor, dass bei Patientinnen und Patienten, bei denen im Jahr 2017 die letzte Gesundheitsuntersuchung durchgeführt wurde, die Wiederholungsuntersuchung bis zum 30. September 2019 terminiert sein kann. Für alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren, bei denen die letzte Gesundheitsuntersuchung im Jahr 2018 (und später) stattgefunden hat, gilt das neue dreijährige Untersuchungsintervall. Mit anderen Worten: Wurde 2018 eine Gesundheitsuntersuchung durchgeführt, kann der nächste Check-up wieder ab dem Jahr 2021 erfolgen. Versicherte, die 2019 den Check-up wahrnehmen, haben 2022 wieder Anspruch auf die Untersuchung.

Die Fotos zeigen Flyer und Wartezimmerplakat der KVNO zum Check-up

Die KV Nordrhein hat im April ein Wartezimmerplakat und Flyer an die Hausarztpraxen verschickt. Wer mehr Plakate und Flyer benötigt, kann sie kostenlos per E-Mail bestellen.

"Die KV Nordrhein begrüßt, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband schnell auf den Unmut in den KVen und vor allem in den Praxen reagiert und zügig eine Regelung gefunden haben. Wir hätten uns eine solche Übergangslösung natürlich früher gewünscht und gern früher kommuniziert, aber offenbar ist das Ausmaß der durch die Neuregelung entstandenen Probleme erst mit Verspätung in Berlin angekommen", sagte Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte bereits 2018 die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie überarbeitet und damit eine Vorgabe aus dem Präventionsgesetz umgesetzt. Neu ist neben dem längeren Untersuchungsintervall unter anderem, dass Versicherte zwischen dem vollendeten 18. und vollendeten 35. Lebensjahr einmalig zum Check-up gehen können.

Vergütung leicht angehoben

Die KBV und der GKV-Spitzenverband haben die Vergütung leicht erhöht: Die EBM-Gebührenordnungsposition (GOP) 01732 ist jetzt mit 320 statt bisher 303 Punkten bewertet. Für eine Untersuchung erhält eine Praxis demnach 34,63 Euro extrabudgetär. Auch die Laborleistungen nach den GOP 32880 bis 32882 wurden angepasst. Seit 1. April haben sich mit der neuen Gesundheitsuntersuchung die dazu gehörenden Laborpauschalen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) geändert. Neben Urin-, Blutzucker- und Gesamtcholesterin soll im Rahmen des Check-ups nun ein vollständiges Lipidprofil erfolgen. Dieses setzt sich aus Gesamt-, HDL- und LDL-Cholesterin sowie Triglyceriden zusammen. Bei den 18- bis 35-Jährigen soll das Blut nur bei entsprechender Risikokonstellation untersucht werden, ein Urintest ist nicht vorgesehen.

Die Laborleistungen im Rahmen des Check-ups werden weiterhin über die GOP 32880, 32881 und 32882 abgerechnet, die Ziffern haben teilweise andere Inhalte:

  • 32880, Harnstreifentest auf Eiweiß, Glukose, Erythrozyten, Leukozyten, Nitrit
  • 32881, Bestimmung der Nüchternblutzucker
  • 32882, Bestimmung von Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceride (Lipidprofil)

Die Ausschlüsse zur Gesundheitsuntersuchung nach GOP 01732 bleiben im Wesentlichen unverändert. Die wichtigsten neuen Bestimmungen bei kurativen Laboren:

  • Die GOP 32030 kann nicht mehr für Urin-Streifentests abgerechnet werden – für andere orientierende Laboruntersuchungen/Schnelltests aber sehr wohl.
  • Die GOP 32032 ist und bleibt die apparative pH-Messung. Sie war auch früher nicht für die pH-Bestimmung im Urin möglich.
  • Für Urin-Streifentests ist jetzt die GOP 32033 abrechnungsfähig. Sie beinhaltet Teste auf Eiweiß, Glukose, Erythrozyten, Leukozyten, Nitrit, pH-Wert, spezifisches Gewicht, Ketonkörper und gegebenenfalls eine Ascorbinsäurekontrolle. Mindestens fünf dieser Parameter müssen getestet werden.
  • GOP 32033 dürfen Ärzte nicht mit der GOP 01732 in gleicher Sitzung abrechnen.

Frank Naundorf

Check-up: Die wichtigsten Neuerungen

  • Bei Versicherten ab 35 Jahre kann der Check-up nur noch alle drei Jahre stattfinden.
  • Versicherte zwischen 18 und 35 Jahren haben einmalig einen Anspruch auf einen Check-up.
  • Die Beratung erhält mehr Gewicht. Kardiovaskuläre Risiken sollten mittels Risk-Charts systematisch erfasst werden, wenn dies aus ärztlicher Sicht angezeigt ist. Je nach Ergebnis erfolgt im Anschluss eine Beratung, wie das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung minimiert werden kann.
  • Die Blutuntersuchung wird erweitert. Dabei wird künftig ein vollständiges Lipidprofil erstellt, bestehend aus Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin sowie Triglyceriden.
  • Neu ist auch eine Impfanamnese.
  • Die Bürokratie wird reduziert. Ärzte müssen die Ergebnisse des Check-ups nicht mehr auf dem Formular 30 ("Berichtsvordruck Gesundheitsuntersuchung") dokumentieren. Die Dokumentation erfolgt künftig ausschließlich in der Patientenakte.
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