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Richtig abrechnen: Patienten aus dem Ausland

09.05.2019 KVNO aktuell

Für die ärztliche Behandlung von Patienten, die im Ausland krankenversichert sind und während ihres Aufenthalts in Deutschland erkranken, bestehen je nach Herkunftsland und Aufenthaltszweck unterschiedliche Abrechnungsmodalitäten.

1. Patienten aus den Staaten der Europäischen Union (EU), des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und der Schweiz

Diese Patienten haben einen Anspruch auf alle Leistungen, die während ihres Aufenthalts in Deutschland medizinisch notwendig sind. Eine unmittelbar erforderliche medizinische Versorgung (zum Beispiel Virusinfektion) müssen Ärztinnen und Ärzte demnach behandeln. Das gilt auch für eine fortlaufende Versorgung chronisch Kranker (zum Beispiel Dialysepatient), die nicht bis zur Rückkehr in das Heimatland aufschiebbar ist.

Um seinen Anspruch nachzuweisen, legt der Patient eine Europäische Krankenversicherungs- karte (EHIC) oder eine Provisorische Ersatzbescheinigung (PEB) sowie seinen Personalausweis zur Legitimation vor. Die Behandlung rechnet die Praxis über die Kassenärztliche Vereinigung mit der aushelfenden deutschen Krankenkasse ab.

Wenn Patienten nur nach Deutschland reisen, um Gesundheitsleistungen in Anspruch zu nehmen, müssen sie dafür eine Genehmigung ihrer Krankenkasse im Heimatstaat haben. Die Patienten erhalten von der Kasse ein Formular (Vordruck E 112 oder S2). Das müssen sie vor Behandlungsbeginn bei einer deutschen Krankenkasse am Aufenthaltsort gegen einen Nationalen Anspruchsnachweis eintauschen.

2. Patienten aus Nicht-EU-Staaten, aber mit bilateralem Abkommen

Patienten aus Staaten mit einem sogenannten bilateralem Abkommen über Soziale Sicherheit (Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien, Türkei, Tunesien und Israel, hier beschränkt auf medizinische Leistungen bei Krankheit und Mutterschaft) müssen grundsätzlich zunächst eine von ihnen gewählte deutsche Krankenkasse kontaktieren.

Die Krankenkasse stellt einen nationalen Anspruchsnachweis aus, auf dem der genehmigte Leistungsumfang dokumentiert ist. Generell sind nur Leistungen abrechenbar, die unaufschiebbar sind. Bei Fragen zum Leistungsumfang wenden Sie sich bitte an die vom Patienten gewählte deutsche Krankenkasse. Die Abrechnung erfolgt wie bisher über die KV.

3. Patienten aus anderen Ländern oder Patienten, die keinen Anspruchsnachweis vorlegen

Patienten aus anderen Staaten erhalten eine Privatrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte. Arznei-, Heil- und Hilfsmittel werden privat verordnet. Das gilt auch für Patienten, die keinen der oben genannten Anspruchsnachweise vorlegen können.

Frank Naundorf

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