Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS): Telemedizin „von Ärzten für Ärzte“

15.03.2019 KVNO aktuell

Im Rahmen des ZNS-Konsils können Hausärzte, die eine Expertenmeinung zu den Themen Demenz, Psychosen, Parkinson, Multiple Sklerose oder Kopfschmerz benötigen, online Fachkolleginnen und -kollegen konsultieren. Das telemedizinische Angebot stößt auf großes Interesse, aber auch auf Vorbehalte. Das zeigte sich bei der Infoveranstaltung am 15. Februar.

Am 1. November 2018 startete das Angebot für Barmer-Versicherte mit neurologischen und psychischen Erkrankungen. Mitte Februar 2019 gab es knapp 160 Teilnehmer am Vertrag, davon 142 „Anfrager“, also Hausärzte, und 18 Experten – allerdings hatten noch nicht alle die technischen Voraussetzungen für die Anwendung geschaffen, also die Software heruntergeladen. Insgesamt lagen über 230 Anträge für das ZNS-Konsil vor.

„Die Telemedizin ist ein spannendes Thema und ein wichtiger Baustein der Digitalisierung“, sagte Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, zu Beginn der Veranstaltung. Dass das Gesundheitssystem den Einstieg in die Telematikinfra struktur verstolpert habe, sei für das Vertrauen in die Technik sicher nicht förderlich, aber: „Wir sollten neue technische Möglichkeiten nutzen und nach unseren Vorstellungen gestalten, bevor es andere tun, deren Interessen nicht der Versorgung gelten.“

Bergmann betonte den immensen Bedarf an Austausch bei der psychiatrisch-neurologischen Versorgung, auch wegen der demografischen Entwicklung und zunehmend komplexer Behandlungspfade. „Das ZNS-Telekonsil soll und kann nicht den Arzt-Patienten-Kontakt ersetzen, aber konsiliarische Hilfestellung bieten.“ Es gebe Indikationen, bei denen die persönliche Vorstellung des Patienten nicht zwingend notwendig sei. „In diesen Fällen kann das Konsil eine Überweisung, Konsultation und so manchen Patiententransport überflüssig machen“, so Bergmann.

Chancen und Grenzen

In der Debatte nach der Live-Vorführung einer typischen telemedizinischen Konsultation zwischen Haus- und Facharzt, die der Hausarzt Jan Grothaus aus Much und der Kölner Neurologe Gereon Nelles demonstrierten, gingen die Meinungen weit auseinander. Kritische Punkte waren fachärztliche Zweifel an der Qualifikation von Hausärzten, überhaupt neurologische Befunde zu erstellen, die Grenzen der Anwendbarkeit des Konsils in komplexen Fällen oder die hausärztliche Einschätzung, es gäbe kurzfristig genügend verfügbare Facharzt-Kapazitäten in der näheren Umgebung.

Referent Gereon Nelles zeigte Verständnis für Berührungsängste bei der Technik: „Die Digitalisierung ist die größte Veränderung, die ich als Mediziner erlebe – insofern ist auch das ZNS-Konsil eine Zäsur.“ Nelles betonte, dass es sich bei dem Angebot, das in langjähriger Arbeit der Berufsverbände entstanden sei, um ein Hilfsmittel von Ärzten für Ärzte und deren Patienten handele. „Es geht nicht nur um neue Technik, sondern auch um neue Netzwerke und einen unbürokratischen Zugang zueinander.“

Sean Monks, dessen Unternehmen die Technik bereitstellt, verwies auf den größten Vorteil des Konsils gegenüber der Videosprechstunde: „Die Nutzer müssen nicht zeitgleich online sein.“ Er glaubt an den Erfolg des Angebots und nannte als Beispiel die Anwendung „PädExpert“: „Auch bei den Kinderärzten waren anfangs viele skeptisch und die Nutzer keine Technikfreaks. Auch da haben wir mit der Barmer begonnen – und heute über 80 beteiligte Krankenkassen.“

Dr. Heiko Schmitz

Das ZNS-Konsil

Die KV Nordrhein hat mit der Barmer und in Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden einen Vertrag geschlossen, der telemedizinische Expertenkonsile zu psychischen Erkrankungen und Erkrankungen des zentralen Nervensystems ermöglicht. Teilnehmen können Hausärzte sowie Neurologen, Psychiater, Nervenärzte und Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie als Experten. Indikationen sind Kopfschmerz, Parkinson, Multiple Sklerose, Psychosen und Demenz.

Drucken
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Mehr Infos zum Datenschutz