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Digitalisierung: Bereits Alltag in den Praxen

15.03.2019 KVNO aktuell

Die Digitalisierung wird in vielen Lebensbereichen immer stärker vorangetrieben. An Online-Banking und Ticketkäufe via Internet sind die Menschen schon lange gewöhnt, und immer mehr steuern ihre smarten Häuser. Wie weit ist die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen?

Egal worüber im Gesundheitswesen gerade geredet wird, fast in allen Bereichen geht es um das Thema Digitalisierung, in Magazinen, im Internet und auch auf Messen wie der Medica in Düsseldorf: Ende 2018 lag der Schwerpunkt der Messe auf dem Thema „Digitale Transformation des Gesundheitswesens“. Neben vielen 3D-Druckern und Virtual-Reality-Brillen fürs Medizinstudium gab es auch zahlreiche Apps, wie zum Beispiel den FibriCheck. Die App der belgischen Erfinder ist bereits durch die amerikanische Zulassungsbehörde FDA dafür zugelassen, verschiedene Herzrhythmusstörungen mit einer Smartphone-Kamera zu erkennen und einen Bericht sowohl für den Arzt als auch für die Patienten zu erstellen.

Das Foto zeigt eine Frau mit einer VR-Brille

Ist die Virtual-Reality- Technik bald auch in Arztpraxen Standard? An der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm wird so bereits gelehrt.

Neben vielen guten Projekten im Bereich der Digitalisierung im Gesundheitswesen herrscht aber viel Unsicherheit. Auch beim weltweit größten IT-Projekt hakelt es: Die flächen­deckende Einführung der Telematik-Infrastruktur (TI) musste immer wieder verschoben werden. Trivial ist das Thema nicht, denn die Datensicherheit ist gerade bei den hochsensiblen Gesundheitsdaten der Patienten unerlässlich.

Dennoch fordern Patienten und Ärzteschaft mehr Digitalisierung. Das geht aus verschiedenen Befragungen der letzten Monate hervor, zum Beispiel dem Digitalisierungsreport der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) und der Ärzte Zeitung.

PraxisBarometer

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat nachgefragt. Im Oktober 2018 stellte die KBV ihr PraxisBarometer Digitalisierung vor: Unter dem Titel „Stand und Perspektiven der Digitalisierung in der vertragsärztlichen und -psychotherapeutischen Versorgung“ hat die KBV ein 47-seitiges Dokument veröffentlicht, in dem die repräsentative Studie mit über 1750 Ärzten und Psychotherapeuten erläutert wird. Die Befragung ergab: Niedergelassene sind keine Digitalisierungs-Muffel. 73 Prozent der Praxen haben die Patientendokumentation teilweise oder vollständig digitalisiert. Rund 60 Prozent der Hausärzte haben eine Anwendung zur Erkennung von Arzneimittelwechselwirkungen. Etwa 75 Prozent der Praxen verfügen über Geräte mit digitalen Schnittstellen zum Praxisverwaltungssystem.

Chancen und Risiken

Die größten Chancen sehen Ärzte und Psychotherapeuten in elektronischen Medikationsplänen. Auch im DAK-Digitalisierungsreport stand dies ganz oben auf der Wunschliste, um Wechselwirkungen zu vermeiden.

In der KBV-Befragung begrüßte fast die Hälfte digitale Notfalldatensätze und einen digitalen Mutter- beziehungsweise Impfpass. Risiken sieht die Ärzteschaft beim Thema IT-Sicherheit (78 Prozent) und bei der Fehleranfälligkeit der elektronischen Datenverarbeitung.

Wichtig ist, dass es einheitliche Standards gibt, damit die Praxen neue Systeme schnell und einfach integrieren können. Die IT-Lösungen müssen einen deutlichen Mehrwehrt für die Praxen bringen – und nicht primär gewinnbringende Lizenzmaschinen für Firmen sein.

Schwierig bei der Digitalisierung sind außerdem die vielen kleinen und unkoordinierten Insellösungen sowie Apps und Software-Angebote. Diese sind weder für Mediziner noch für Patienten leicht zu durchschauen. Hier fehlt es an Prüfungen von medizinisch nützlichen Anwendungen. Des Weiteren ist auch die Nutzung durch den Patienten mit Vorsicht zu genießen, da häufig nicht klar ist, wer etwa Daten der meist kostenlosen Apps erhält und gegebenenfalls nutzt.

Marscha Edmonds

Stimmen aus der Praxis

Das Bild zeigt Dr. med. Tobias Donath, Orthopäde aus Bergisch Gladbach

»Wir haben unsere Praxis Anfang 2018 digitalisiert und arbeiten seitdem nahezu papierlos. Unsere Röntgenanlage wird im März ausgetauscht und digitalisiert. Zusammen mit der Ultraschalldiagnostik können die Bilder in Zukunft digital aufgerufen werden.

Die schnelleren Zugriffe auf alte Dokumente beziehungsweise Bilder sind für den Arbeitsfluss Gold wert. Textbausteine ersparen Zeit und ergeben eine genauere Dokumentation. Nachteilig sind sicherlich die Systeminstabilitäten, insbesondere nach gefürchteten Updates. Insgesamt profitieren wir aber sehr von der Umstellung und sind mit den optimierten Arbeitsprozessen zufrieden. «

Dr. med. Tobias Donath, Orthopäde aus Bergisch Gladbach
Das Bild zeigt Thorsten Malzkorn, Hausarzt aus Kerpen

»Wir haben uns 2015 neu eingerichtet. Seitdem sind alle Akten und alle Geräte digitalisiert. Die Vorteile in der täglichen Arbeit sind natürlich zum einen der Umweltaspekt, da wir Unmengen an Papier einsparen, aber auch die Arbeitserleichterung.

Ich kann zum Beispiel am Bildschirm schnell zwei Befunde nebeneinanderlegen und vergleichen. Wir haben auch unsere Laboraufträge komplett digitalisiert. Unsere Daten sichern wir mehrfach – auch auf unserem Praxislaptop, mit dem wir auch von zu Hause aus arbeiten können, wenn wir am Abend oder Wochenende noch Papierkram erledigen müssen. «

Thorsten Malzkorn, Hausarzt aus Kerpen
Das Bild zeigt Dirk Oetelshoven, Hausarzt aus Rheinberg

»Wir sind beim Thema Digitalisierung sehr gut aufgestellt. Bereits seit 2007 haben wir die Praxisabläufe digitalisiert, da ich davon überzeugt bin, dass das die Zukunft ist. Neben den Patientenakten haben wir auch andere Bereiche digitalisiert.

Unsere Patienten können beispielsweise über die Homepage Termine vereinbaren, Rezepte und Überweisungen bestellen sowie Fragen stellen. Die letzten drei Punkte können natürlich nur bereits bekannte Patienten und auch nur in einem Login-geschützten Bereich machen. Und auch unsere Geräte spielen die Ergebnisse digitalisiert ins System ein. «

Dirk Oetelshoven, Hausarzt aus Rheinberg
Das Bild zeigt Dr. med. Uta Alberty, Hautärztin aus Aachen

»Ich habe die Praxis im April 2014 übernommen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Patientenakten bereits digitalisiert. Alle Befunde werden eingescannt auf dem Weg zu einer papierlosen Praxis. Zudem haben wir einen Online-Terminkalender. Im Mai dieses Jahres wird unser Telefon auf einen cloudbasierten IP-Anschluss umgestellt.

E-Mail-Kommunikation mit der Praxis haben wir noch nicht, damit es nicht durch Viren in E-Mail-Anhängen zu einem Systemabsturz des Praxisprogramms kommen kann. Der Anschluss an die Telematikinfrastruktur wird in Kürze durchgeführt. Danach werde ich mich mit dem Versand der elektronischen Patientenakte und sicherer E-Mail-Kommunikation befassen. «

Dr. med. Uta Alberty, Hautärztin aus Aachen