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Mehr Betroffene – weniger spezialisierte Ärzte: Die Allergie-Epidemie

15.03.2019 KVNO aktuell

„Die Herausforderung in der Behandlung von Allergien ist gleichzeitig auch eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem.“ Mit diesen Worten eröffnete Dr. med. Carsten König die Fortbildungsveranstaltung des Instituts für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein (IQN) am 30. Januar 2019 zum Thema „Umgang mit Allergien im Praxisalltag“.

In den Vorträgen wurde deutlich, dass Allergien zu den häufigsten chronischen Erkrankungen zählen und als „Epidemie des 21. Jahrhunderts“ zu bezeichnen sind. Jede zehnte Krankschreibung geht mittlerweile auf eine allergische Erkrankung zurück.

Prävalenz steigt

Die Prävalenz der Allergie und die damit verbundenen Folgeerkrankungen wie zum Beispiel die allergische Rhinitis sind weiterhin steigend. Etwa die Hälfte der allergisch bedingten Handekzeme ist beruflich bedingt. Angesichts dieser Zahlen forderte König, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein, alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema auf, mit dem Ziel, eine gemeinsame Marschrichtung zu finden.

Die Referenten aus Klinik und Praxis verschiedener Fachrichtungen machten eindringlich klar, wie wichtig die frühzeitige und konsequente Behandlung von Allergien im Kindesalter ist. „Die Sensibilisierten von heute sind die Allergiker von morgen und die Asthmatiker von übermorgen“, sagte Dr. med. Ulrich Umpfenbach, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Viersen.

Die Grafik zeigtZahlen zur Allergologie in der Kinderpneumologie
Hyposensibilisieren Sie!

Mit der Hyposensibilisierung habe man bei vielen Allergien eine wirksame und kurative Behandlungsmöglichkeit. Dies auch schon frühzeitig bei den Kindern durchzuführen sei wichtig, um den „Etagenwechsel“ der Erkrankung zu verhindern, das heißt der Entwicklung asthmatischer Beschwerden.

Dafür sei eine frühzeitige, jahrelange und vor allen Dingen konsequente Behandlung mit guten und effizienten Präparaten, die Adhärenz der Patienten durch Aufklärung, stetige Information und Behandlungserinnerung so-
wie die Expertise der Behandler unerlässlich. Derzeit seien bis zu 70 Prozent der Allergiker lediglich symptomatisch und nicht kurativ behandelt.

Diskussion über Wirtschaftlichkeit

Es gibt also viel zu tun, wofür tendenziell mehr Expertinnen und Experten benötigt würden. Doch der Anteil der sich allergologisch spezialisierenden Ärzte ist nicht ausreichend hoch, bedauerte König. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Verwendung und Bereitstellung der geeigneten Allergenextrakte zur Hyposensibilisierung viele Fragen und Diskussionen zwischen Behandlern und Krankenkassen aufwerfe. Es gehe dabei um die Eignung, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit.

Es gibt aber auch erfreuliche Aspekte: Die Versorgung der Versicherten mit Hyposensibilisierungsmitteln in Nordrhein ist im Vergleich zu anderen KV-Bereichen auf einem hohen Niveau. Umpfenbach lobte, dass es in Nordrhein ein qualifikationsgebundenes Zusatzvolumen (QZV) Allergologie gebe: „Das ist sehr hilfreich – und längst nicht in allen anderen Teilen Deutschlands eingeführt.“


Fazit der Veranstaltung: Viele Allergien können und müssen kurativ mit den zur Verfügung stehenden wirksamen Mitteln frühzeitig behandelt werden. Eine differenzierte Beurteilbarkeit der Produkte ist oft schwierig, die Therapieallergene-Verordnung ein wichtiger Schritt. Aber steter Dialog um Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit ist zwischen Wissenschaft, Pharmafirmen, Ärzten, Krankenkassen und den Kassenärztlichen Vereinigungen zum Wohle der Patienten unerlässlich.

Dr. med. Vasiliki Böllinghaus-Nikolaou | Dr. med. Martina Levartz, MPH

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