Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Das Recht auf eine zweite Meinung

29.01.2019 KVNO aktuell

Vor bestimmten planbaren Operationen können Patienten bald eine Zweitmeinung einholen. Die Zweitmeinungsrichtlinie (Zm-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ist am 8. Dezember 2018 in Kraft getreten. Zudem haben sich die Verantwortlichen auf eine Vergütungsregelung geeinigt.

In der Richtlinie des G-BA sind derzeit folgende planbare Eingriffe für eine Zweitmeinung vorgesehen: eine Mandelteilresektion (Tonsillotomie), eine vollständige Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) sowie eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie). Weitere Eingriffe sollen folgen.

Ärzte, die Patienten zu einer Tonsillektomie, Tonsillotomie oder Hysterektomie raten, müssen diese Patienten künftig mindestens zehn Tage vor dem Eingriff darauf hinweisen, dass sie eine Zweitmeinung einholen können. Bereits erstellte Befunde muss der Arzt dem Patienten auf Wunsch mitgeben.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der GKV-Spitzenverband haben sich darauf verständigt, welche Leistungen Ärzte beim Zweitmeinungsverfahren abrechnen dürfen. Diese Leistungen werden – befristet bis Ende 2021 – extrabudgetär vergütet. Zum 1. Januar 2019 wurde die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 in den Abschnitt 1.6 im Einheitlichen Bewertungsmaßstab aufgenommen.

Die neue GOP kann nur der indikationsstellende Arzt abrechnen, da sie den Mehraufwand für die Aufklärung, Beratung und die Zusammenstellung der Unterlagen für einen Zweitmeiner abbildet. Sie kann einmal im Krankheitsfall abgerechnet werden und ist mit 75 Punkten (8,12 Euro) bewertet.

Der Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, rechnet für den Patienten seine jeweilige arztgruppenspezifische Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab. Muss er für seine Zweitmeinung ergänzende Untersuchungen durchführen, kann er das tun, muss dies aber medizinisch begründen. Auch diese Leistungen bekommt er bis Ende 2021 extrabudgetär vergütet.

Die Leistungen im Zweitmeinungsverfahren müssen besonders gekennzeichnet sein, um extrabudgetär vergütet zu werden. Wie diese Kennzeichnung genau aussieht, wird derzeit noch geklärt.

Um eine Zweitmeinung abgeben zu können, benötigen Ärzte eine Genehmigung der KV. Für die derzeit definierten, planbaren Eingriffe müssen die Ärzte bestimmte fachliche Voraussetzungen nachweisen, die in der Zm-RL definiert sind.

Grundsätzlich kommen alle Ärzte und Einrichtungen, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, als "Zweitmeiner" infrage. Auch Ärzte an Krankenhäusern und ermächtigten Einrichtungen sowie privatärztlich tätige Ärzte können Zweitmeiner werden, wenn sie speziell für das Zweitmeinungsverfahren ermächtigt werden. Derzeit wird das Genehmigungs- und Zulassungsverfahren bei der KV Nordrhein vorbereitet.

Marscha Edmonds

Drucken
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Mehr Infos zum Datenschutz