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Nordrhein ist Hochburg der Qualitätszirkel-Arbeit: Aktiver Austausch

29.01.2019 KVNO aktuell, Praxisinfos

1.600 Qualitätszirkel gibt es in Nordrhein. Jeder Einzelne leistet einen Beitrag zur Qualitätssicherung. In den Zirkeln arbeiten Ärzte, Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten zusammen – freiwillig, mit selbst gewählten Themen und auf Basis eines kollegialen Diskurses.

Konkrete Anregungen, Tipps und Hilfen für die eigene Praxis: Qualitätszirkel (QZ) bieten Ärzten und Psychotherapeuten die Möglichkeit, sich mit Kollegen fachlich auszutauschen, das eigene Handeln zu reflektieren und neues Wissen zu generieren. Gleichzeitig können über die Teilnahme an Qualitätszirkeln Kontakte aufgebaut und Netzwerke gebildet werden.

Instrument der Qualitätsförderung

Von Kollegen für Kollegen: Bundesweit bilden sich nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) jährlich etwa 60.000 Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten in Qualitätszirkeln fort. Bei der KV Nordrhein sind derzeit gut 1.600 QZ aktiv. In ihnen arbeiten rund 11.800 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten mit. Mehr als die Hälfte der Ärzte im Rheinland sind also in einem Zirkel aktiv – deutlich mehr als im deutschen Durchschnitt.

Das Bild zeigt fünf Menschen in einer Gesprächsrunde.

Das Themenspektrum reicht von A wie Arzneimitteltherapie bis Z wie Zwangsstörungen, die meisten Qualitätszirkel beschäftigen sich mit Erkrankungen und Fällen aus dem Praxisalltag. Die Arbeitsgruppen von in der Regel 5 bis 15 Teilnehmern werden von ärztlichen oder psychotherapeutischen Kollegen mit einer speziellen Ausbildung zum Moderator geleitet. Für die Teilnahme an zertifizierten Qualitätszirkeln gibt es Fortbildungspunkte.

Die Idee der Qualitätszirkel wurde in den Niederlanden geboren. Richard Grol veröffentlichte 1988 eine Ausarbeitung zum Peer-Review-Konzept in der Medizin: „Peer Review in General Practice – Methods, Standards, Protocols“. Die Anregung griffen Wissenschaftler und Akteure in Deutschland auf; der Begriff des Qualitätszirkels als gruppenbasiertes ärztliches Peer Review entstand.

In den frühen 1990er-Jahren gründeten Ärzte Qualitätszirkel im Rahmen von Modellprojekten, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit, der KBV und dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung. Die 1993 in Kraft getretenen Qualitätssicherungs-Richtlinien der KBV beschreiben Qualitätszirkel erstmals als anerkannte Methode der Qualitätssicherung in der ambulanten Versorgung. Schnell begannen sich die Zirkel als freiwillige, innerärztliche Initiative bundesweit zu etablieren.

So mancher Qualitätszirkel in Nordrhein hat deswegen schon eine lange Geschichte. Ein Beispiel: der gynäkologische Qualitätszirkel Köln-rechtsrheinisch, der im Februar 1997 von 14 niedergelassenen Gynäkologen gegründet wurde. Sie kamen aus Köln und Bergisch Gladbach, trafen sich alle sechs bis acht Wochen im Restaurant „Alte Schule“ in Köln-Brück – und das tun sie bis heute.

Moderatoren und Tutoren

In einem zweitägigen Grundkurs erfahren angehende Moderatoren unter anderem, wie sie Zirkel bzw. Gruppen leiten, was eine Patientenfallkonferenz ist und wie Leitlinien bearbeitet werden sollten. Die Grundkurse bietet die KV Nordrhein sechs Mal jährlich an.

Das Bild zeigt die QZ-Anzahl in Nordrhein auf einer Karte.
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Bei der KV Nordrhein sind derzeit gut 1.600 Quali­tätszirkel (QZ) aktiv. In ihnen arbeiten rund 11.800 nie­dergelassene Ärzte und Psychothera­peuten mit. Die Karte zeigt die Verteilung der QZ auf die Kreisstellen.

Außerdem gibt es jährlich zwei Aufbaukurse, in denen zum Beispiel schwierige Situationen im QZ, Coachingmethoden oder aktuelle Themen wie „Menschen auf der Flucht“ diskutiert werden zum Teil auch mit Moderatoren aus anderen KV-Regionen.

Die Moderatoren der Qualitätszirkel erhalten eine Pauschale für ihre Tätigkeit. Doch dies ist nicht die einzige Förderung. Qualitätszirkel-Tutoren unterstützen die Moderatoren. Sie sind es zum Beispiel, die die Grund- und Aufbaukurse durchführen. In der KV Nordrhein gibt es derzeit 29 Tutoren.

Die ärztlichen oder psychotherapeutischen Tutoren entwickeln zudem neue Module für Qualitätszirkel, zum Beispiel rund um die Disease-Management-Programme. In Pilotprojekten testet die KV Nordrhein derzeit auf Anregung der Tutoren Qualitätszirkel für Praxiseinsteiger und Qualitätszirkel für Medizinische Fachangestellte.

Und auch die Tutoren erhalten Unterstützung: So leitet Prof. Marcus Siebolds, Dekan des Fachbereichs Gesundheitswesen der Katholischen Hochschule Nordrhein Westfalen, dreimal pro Jahr Supervisionen, in denen neue Projekte entwickelt und die Moderatorenausbildung geplant werden.

Die KBV die unterstützt die regionale QZ-Arbeit. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Unterstützung sind Serviceangebote für QZ-Moderatoren in Form didaktisch aufbereitetet Themen-Module. „Wir schätzen die enge Zusammenarbeit mit den nordrheinischen Tutoren“ sagt Ingrid Quasdorf, Referentin der KBV.

Frank Naundorf

Qualitätszirkel in Nordrhein

Qualitätszirkel sind freiwillige Zusammenschlüsse von Ärzten oder Psychotherapeuten, in denen die Teilnehmer vor allem Behandlungsfälle und Probleme des Praxisalltages unter Leitung eines Moderators diskutieren, Erfahrungen austauschen und Handlungen kritisch hinterfragen. Qualitätszirkel sind als Fortbildungsmaßnahme anerkannt. Die Teilnehmer erhalten Fortbildungspunkte der Ärztekammer (Kategorie C). Die KV Nordrhein unterstützt Qualitätszirkel. Moderatoren eines angemeldeten und anerkannten Qualitätszirkels beispielsweise erhalten für diese Tätigkeit eine Pauschale.