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Orthopädische Vorsorge für Kinder: Vertragsentwurf steht – Partner gesucht

29.01.2019 KVNO aktuell, Praxisinfos, Verträge

Früher an später denken – dieses Motto gilt auch bei orthopädischen Problemen: Fehlstellungen von Wirbelsäule oder Hüfte, Beinen oder Füßen können gravierende Folgen haben. Mit einer Vorsorgeuntersuchung für Kinder zwischen acht und elf Jahren wollen Orthopäden spätere Schäden verhindern – auch in Nordrhein.

„Wenn wir zum Beispiel eine Skoliose in dieser Phase erkennen, in der die Kinder schnell wachsen, dann können wir schwere Verformungen und Schmerzen verhindern. Wenn wir einen Plattfuß vor der Pubertät erkennen und richtig behandeln, können die Menschen dann ihr ganzes Leben problemfrei laufen“, sagt Dr. med. Roland Tenbrock, Vorsitzender des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) in Nordrhein. Leider beobachtet der Düsseldorfer Orthopäde immer wieder, dass Patienten zu spät in seine Praxis kommen – nämlich dann, wenn schwere Folgeerkrankungen sich bereits manifestiert haben und man nichts mehr machen kann.

Das Bild zeigt ein Kind von hinten, bei dem der Rücken untersucht wird.

Die Untersuchung der Wirbelsäule gehört zu den Bausteinen des Vertragsentwurfs. Hier geht es unter anderem darum, Skoliosen früh zu erkennen.

Früh erkennen und rechtzeitig intervenieren – darauf setzt das Vertragsmodell der orthopädischen Vorsorge. Einen Vertragsentwurf haben der BVOU und das Orthonet NRW mit der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein abgestimmt. Es fehlt noch der Vertragspartner seitens der Krankenkassen, der die Leistungen extrabudgetär bezahlt.

Fehlstellungen im Fokus

Im Fokus der Untersuchungen stehen die Wirbelsäule, die Hüfte und die unteren Extremitäten. Hier geht es vor allem darum, mögliche Fehlstellungen früh zu erkennen und sie mit geringem therapeutischem Aufwand zu korrigieren. Ein zweiter wichtiger Punkt des Vorsorgepakets ist die Aufklärung. Da geht es zum Beispiel darum, auf drohende Folgen von Übergewicht auf das Skelettsystem aufmerksam zu machen.

Das Bild zeigt Dr. Roland Tenbrock.

» Früh erkannt, lassen sich Fehlstellungen mit geringem therapeutischem Aufwand korrigieren. « 

Dr. Roland Tenbrock

Auf der Vertrags-Agenda steht auch die Aufklärung über „skelettgefährdende Sportarten“. Aus Tenbrocks Sicht ein ganz wichtiger Punkt: „Jugendliche mit Kreuzbandrupturen sind leider keine Seltenheit. 80 Prozent der Patienten mit einer Kreuzbandruptur bekommen eine Kniearthrose innerhalb von zehn Jahren.“ Viele der Verletzungen wären seiner Einschätzung nach vermeidbar gewesen – wenn eine spezifische Aufklärung und präventive Maßnahmen stattgefunden hätten. „Bei Kindern von zehn oder elf Jahren, die intensiver in Sportarten wie zum Beispiel Basketball oder Fußball einsteigen, ließe sich die Zahl der Rupturen deutlich reduzieren.“

Das Bild zeigt Dr. Folker Franzen.

» Wir wollen die Palette der bestehenden U-Untersuchungen um die orthopädische Vorsorge ergänzen. «

Dr. Folker Franzen

Seit Mitte vergangenen Jahres läuft der Vertrag über die orthopädische Vorsorge für Kinder in Westfalen-Lippe. Vertragspartner dort ist bislang allein die DAK-Gesundheit. In Sachsen-Anhalt machen die AOK und die IKK mit. Nun sind die Krankenkassen in Nordrhein herzlich eingeladen, dem Vertrag beizutreten. „Die orthopädische Vorsorgeuntersuchung kann grundlegende Weichen zum langfristigen Wohle der jungen Patienten stellen“, sagt Dr. med. Folker Franzen, stellvertretender Vorsitzender des BVOU Nordrhein und Vorstandsmitglied von Orthonet NRW.

Pädiater erhält Bericht

Die orthopädische Vorsorge soll in enger Abstimmung mit den Kinder- und Jugendärzten stattfinden. „Das Angebot sehen wir natürlich nicht als Konkurrenz zu den Vorsorgeuntersuchungen, die die Kinder- und Jugendärzte durchführen“, führt Tenbrock aus. „Wir wollen als Spezialisten für den Bewegungsapparat die Palette der bestehenden U-Untersuchungen um die orthopädische Vorsorge ergänzen“, betont Franzen. Ein Bericht über die Ergebnisse der Untersuchung wird der Pädiater oder der behandelnde Hausarzt auf jeden Fall immer erhalten – das ist im Vertrag fixiert.

Frank Naundorf

Inhalt der orthopädischen Vorsorgeuntersuchung

  • Klinische Untersuchung von Wirbelsäule, Hüfte, Beinen und Füßen mit besonderem Augenmerk auf behandlungsbedürftige Fehlstellungen
  • Beratung und Aufklärung über mögliche Auswirkungen von Übergewicht auf den Bewegungsapparat bei betroffenen Kindern
  • Beratung und Aufklärung über Sportarten, die den Stütz- und Bewegungsapparat besonders belasten
  • Bericht an den Kinder- und Jugendarzt bzw. Hausarzt
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