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Bergmann: „Populistische Augenwischerei“

20.12.2018 Pressemitteilungen

Zu den aktuellen Forderungen des GKV-Spitzenverbandes zum Thema Sprechstundenzeiten erklärt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein:

"Die Forderungen der Krankenkassen sind ein alter Hut und populistische Augenwischerei. Der Vorstoß ist so dreist und unausgegoren, dass man fast annehmen muss, die Idee dazu sei bei einem Bummel über den Weihnachtsmarkt entstanden – eine seriöse Analyse der ambulanten Versorgung sieht jedenfalls anders aus. Fakt ist: Die niedergelassen Vertragsärzte arbeiten bereits heute im Schnitt über 50 Stunden pro Woche und leisten damit weit mehr, als es formal aufgrund der bundesweit geltenden Vorgabe an Sprechstundenzeiten (in der Regel 20 Wochenstunden bei einer vollen Zulassung) notwendig wäre. Diese Vorgaben sind im Übrigen mit den Krankenkassen so vereinbart.

Nicht zuletzt durch den demografischen Wandel verzeichnen die meisten Arztgruppen seit Jahren eine zunehmende Inanspruchnahme, die sie immer mehr fordert – etwa Neurologen, Internisten und auch die Kinderärzte, deren Arbeitsbelastung durch die Ausweitung der Vorsorgeuntersuchungen und sozialpädiatrischen Aufgaben stark angestiegen ist. In Summe hat sich die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle allein im Rheinland seit 2010 um etwa eine Million pro Jahr erhöht – auf zuletzt insgesamt über 67 Millionen. Diese Versorgung stellt eine vor allem in ländlichen Regionen tendenziell kleiner werdende Gruppe von Vertragsärzten sicher, da es zunehmend schwieriger wird, Nachfolger für ausscheidende Mediziner zu finden – was die Belastung der noch vorhandenen Ärztinnen und Ärzte weiter erhöht. Allein bei den Hausärzten sind derzeit über 250 Sitze im Rheinland unbesetzt. Auch in verschiedenen Facharztgruppen ist der Nachwuchs rar.

Vor diesem Hintergrund gibt es keinen Spielraum für die zusätzlich geforderten Sprechstunden-Kapazitäten. Wohlfeile Forderungen allein vermehren keine ärztlichen Kapazitäten. Im Gegenteil: Eine weitere Ausdehnung von Sprechstundenzeiten und Reglementierung, wie sie das geplante Termin-Servicegesetz vorsieht, wird noch mehr junge Medizinerinnen und Mediziner von einer Niederlassung als Vertragsarzt abhalten und zugleich unsere großen Anstrengungen konterkarieren, die ambulante Versorgung in Stadt und Land auf Dauer zu gewährleisten."