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Sommerempfang von Ärztekammer und KV Nordrhein: Minister Laumann wirbt für Erhalt der Freiberuflichkeit

06.09.2018 Pressemitteilungen

Einigen der rund 500 Gäste kam das Plädoyer von Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann bekannt vor – der Minister ging in seinem Grußwort zum Sommerempfang von Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Nordrhein am 5. September ausführlich auf Vorteile und Stärken der freien Berufe ein. Auch KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann hatte im Vorjahr bei seiner Rede auf dem Sommerempfang den Erhalt der Freiberuflichkeit beschworen und zunehmende Eingriffe des Staates in das Gesundheitswesen kritisiert – Kritik, die mit Blick auf Teile des geplanten „Terminservicegesetzes“ der Bundesregierung aktueller denn je klingt.

Es sei gut, dass sich viele Berufe in Deutschland selber verwalten, sagte Laumann: „Auch die schwierigste Selbstverwaltung ist besser als jeder Staatskommissar. Wir brauchen einen breiten Mittelstand, von dem die Freiberufler ein wichtiger Teil sind. Und wir müssen den Wert der Freiberuflichkeit an die Nachfolgegeneration weitergeben.“ Der Minister mahnte wie sein Vorredner Rudolf Henke, der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, vor zu großen Eingriffen von Unternehmen und Kapitalgesellschaften in die Versorgung. Freiberufler seien auch der beste Patientenschutz, weil sie nicht nur an wirtschaftlichen Interessen orientiert arbeiteten.

Der Minister lobte in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit von Politik und Selbstverwaltung in Nordrhein-Westfalen: „Unser größtes Problem im Gesundheitswesen ist eine Misstrauenskultur, die zu immer mehr Kontrolle und Bürokratie führt. Wir in NRW können uns aufeinander verlassen“, sagte Laumann an die KVen und Kammern in Nordrhein und Westfalen-Lippe gerichtet.

Das Foto zeigt:  Rudolf Henke, Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Dr. med. Frank Bergmann (v. l.)

Von links: Rudolf Henke, Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Dr. med. Frank Bergmann

Auf die aktuelle Gesetzgebung der Großen Koalition ging er nicht ein – das tat Ärztekammer-Präsident Henke. Er hielt fest, dass das neue „Terminservicegesetz“ nicht der ärztlichen „Vorstellung von Freiheit“ entspräche. „Man stelle sich nur mal vor, einem Selbstständigen würde vorgeschrieben, wie lang er sein Geschäft öffnen müsse“, sagte Henke in Anspielung auf die geplante Erhöhung der Mindestsprechstundenzeiten von Vertragsärzten. Dabei sei die angedachte Grenzlinie längst überschritten: „Die meisten Ärzte arbeiten doch schon freiwillig viel mehr als das Soll.“ Sein Rat laute, sich nicht auf weitere Vorschriften, sondern den Abbau von Regularien zu konzentrieren – etwa der seit 25 Jahren bestehenden Budgetierung ärztlicher Honorare und der zentralisierten Bedarfsplanung.

Henke betonte, dass Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Telemedizin große Chancen böten und erinnerte daran, dass die Ärzteschaft in diesem Jahr die Blockade gegen eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots gebrochen habe. Aber: „Medizin entspringt immer noch der Begegnung von Menschen. Wir wollen keine Kommandomedizin – auch bei Ärzten entspringt die Wahrheit aus der Möglichkeit zu zweifeln.