Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

KV Nordrhein ist bestürzt über Vorfall in Mönchengladbacher Praxis

06.07.2018 Pressemitteilungen

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein zeigt sich bestürzt über das gestrige Geschehen in einer Mönchengladbacher Hausarztpraxis. Dabei hat ein offenbar geistig verwirrter Mann das Praxispersonal und Patienten mit einem Messer bedroht und einen Patienten verletzt.

„Der Vorfall hat bei uns große Betroffenheit ausgelöst. Unabhängig von Schuldfähigkeit oder Motiv des Täters verurteilt die KV Nordrhein jede Bedrohung und jede Attacke nicht nur auf unsere Mitglieder, die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein, sondern auf alle, die als Helfer und Retter im Einsatz sind“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

„Leider beobachten wir, dass Ärzte, Rettungssanitäter und Pflegekräfte immer häufiger Opfer auch von körperlicher Gewalt werden. Das Geschehen in Mönchengladbach steht in einer Reihe von ernsten Vorfällen – im März war ein Arzt im Not-dienst in Düsseldorf angegriffen worden. Die aktuelle Bestandsaufnahme zeigt, dass das Problem der Gewalt in den Praxen eine immer größere Dimension und Dringlichkeit bekommt.“

Auch für den Gastroenterologen Dr. med. Arno Theilmeier, KV-Kreisstellenvorsitzender in Mönchengladbach, ist der Vorfall in einem größeren Kontext zu betrachten. „Wir stellen fest, dass sich die zunehmende Gereiztheit vieler Menschen verstärkt in den Praxen bemerkbar macht. Das zunehmend fordernde, aggressive Auftreten gegenüber Äztinnen und Ärzten sowie deren Personal ist vor allem mangelndem Respekt vor dem Berufsstand geschuldet – eine Entwicklung, die ich auch als Folge der andauernden populistischen Kritik an der Ärzteschaft betrachte“, sagt Theilmeier.

Bundesweit kommt es täglich in mindestens 75 Fällen zu körperlicher Gewalt gegen niedergelassene Mediziner und ihre Praxisteams. Vier von zehn ambulant tätigen Ärzten sind täglich Opfer von verbaler Gewalt – dies sind 2.870 Fälle. Die Daten basieren auf ersten Auswertungen der im Februar 2018 gestarteten telefonischen Umfrage des Instituts für angewandte Sozialwissenschaften (infas) bei 11.000 Niedergelassenen zu deren Arbeitssituation.

Um Ärzte und medizinisches Personal im Rheinland auf die Bewältigung kritischer Situationen vorzubereiten, veranstaltet die KV Nordrhein spezielle Kurse und Kommunikations- Trainings, in denen unter anderem Deeskalationsstrategien und präventive Maßnahmen für den Praxisalltag vermittelt werden. „Gleichwohl werden wir den Zugang zu Ambulanzen oder Arztpraxen nicht so kontrollieren und abschotten können, dass sich solche Vorfälle gänzlich ausschließen lassen“, betont KVNO-Chef Bergmann.