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Medica: Bergmann wirbt für strukturierte Versorgung

14.11.2018 Pressemitteilungen

Um das Thema „Innovationen“ im Gesundheitswesen ging es am zweiten Tag der Medica, der weltgrößten Medizinmesse in Düsseldorf, auf dem Econ Forum der Techniker Krankenkasse. Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, gehörte dort zu den Gästen einer Expertenrunde, die über Anforderungen an zukünftige Versorgungsstrukturen diskutierte.

Den Status quo beschrieb Thomas Ballast, stellvertretender Vorsitzender des TK-Vorstands, der ein sehr kritisches Bild vom Zustand des Systems zeichnete. Die Versorgungsketten seien nicht geregelt, die Durchlässigkeit an den Sektorengrenzen gering, die Honorierungssysteme zu unterschiedlich – es herrsche eine „sektorale Logik und Verantwortung“, Beispiel Arzneimittelversorgung. „Die sektorenübergreifende Versorgung funktioniert nicht“, so Ballast – Verbesserungen versprächen kooperative Elemente wie Telemedizin, Vernetzung und  eine Standardisierung der Dokumentation. Und klare Spielregeln, „auch beim Ausprobieren neuer Lösungen“, sagte Dr. med. Axel Wehmeier, Vorstand der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft.

Für KVNO-Chef Bergmann verlief der Auftakt der Debatte zu theoretisch. „Sprechen wir über Inhalte?“, fragte Bergmann, der für Anreize zur Kooperation warb und darauf verwies, dass es teilweise nicht an Lösungen, sondern am politischen Willen zu deren Umsetzung fehle. Bergmann nannte „Hybrid-DRGs“ als ein Modell für eine sektorenübergreifende Vergütung, ein neuer Einheitlicher Bewertungsmaßstab sei ebenso längst fertig wie die neue Gebührenordnung für Ärzte, die praktisch in der Schublade liege. Er kritisierte erneut das „Termin-Servicegesetz“ (TSVG) der Bundesregierung, das eine „hohe Steuerungs- und Planungsintensität“ beinhalte – „dadurch bekommen wir aber noch keinen einzigen zusätzlichen Arzt.“ Die KV benötige auch keine kleinräumigere Bedarfsplanung, sondern mehr Flexibilität, denn die Frage laute, „wie wir in der Versorgung mit den vorhandenen Medizinern und Ressourcen zurecht kommen“.

Der KVNO-Vorsitzende warb daher für eine strukturierte Versorgung, wie sie im Projekt zur „Neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung“ (NPPV) in Nordrhein erprobt werde. Auch die im Januar 2019 startende Kooperation im Notdienst mit dem Rettungsdienst in Köln, der Arztrufzentrale NRW und Partnerpraxen sei ein gutes Beispiel dafür, wie die KV auf Engpässe und Fehlentwicklungen reagiere. Auf den Einwand Ballasts hin, dass die KV angesichts des Ärztemangels nichts gegen die im TSVG enthaltene 25 Stunden-Sprechstundenvorgabe haben könne, stellte Bergmann klar, dass sich die harsche Kritik nicht an der Stundenzahl entzünde. „Die meisten Ärztinnen und Ärzte arbeiten eh schon 50 Stunden pro Woche und mehr. Wir wehren uns gegen die populistische Unterstellung, Ärzte seien Faulpelze, die man zum Arbeiten verpflichten müsse.“

Die Chancen der Telemedizin beurteilte Bergmann positiv. „Wir haben ja gerade in Nordrhein mit dem ZNS-Konsil eine entsprechende Anwendung gestartet“, sagte der KVNO-Chef. Wenn Wege weit und schneller Rat wichtig seien, könnte die Telemedizin auch bei der innerärztlichen Kommunikation helfen. „Sie ersetzt aber nicht den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt.“ Mit Blick auf die Telematik-Infrastruktur bemerkte Bergmann, dass daran schon seit langem gearbeitet werde – und die Einrichtung nicht am ärztlichen Unwillen, sondern an komplexen Vorgaben und nicht vorhandener Technik scheitere. „Klar ist: Wir Ärzte sind nicht dazu da, die Digitalisierung zu bedienen. Die Technik muss uns und den Patienten dienen und helfen.“