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KV Nordrhein diskutiert mit Gästen aus Landkreisen über die Zukunft der ambulanten Versorgung

12.04.2018 Pressemitteilungen

Der Mangel an Medizinernachwuchs, Erfolg versprechende Initiativen zur Sicherstellung insbesondere der hausärztlichen Versorgung und die ambulante Notfallversorgung standen im Mittelpunkt des intensiven Austauschs, zu dem der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein für heute ins Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft eingeladen hatte.

„Es gibt viel zu besprechen im Bereich der ambulanten Versorgung, unseres Kerngeschäfts, zumal wir immer häufiger Hilferufe aus den einzelnen Regionen erhalten, in denen die ärztliche Versorgung zunehmend schwieriger wird“, sagte Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, bei seiner Begrüßung.

An die 20 Gäste gerichtet, darunter die Landräte Thomas Hendele (Kreis Mettmann), Stephan Pusch (Kreis Heinsberg), Günter Rosenke (Kreis Euskirchen) und Wolfgang Spreen aus dem Kreis Kleve sowie weitere Vertreter kommunaler Gesundheitsbehörden, betonte Bergmann das gemeinsame Interesse: „Wir alle wollen auch in Zukunft eine gute und flächendeckende Versorgung – und die Zusammenarbeit vertiefen oder fortsetzen – auch dort, wo es sie, wie zum Beispiel im Kreis Kleve, schon gibt.“

Notfallversorgung im Fokus

Bergmann stellte die KV Nordrhein und ihre wesentlichen Aufgaben ausführlich vor und ging auf wichtige Trends ein. „Im Bereich der angestellten Mitglieder haben wir eine enorme Dynamik und vermehrt den Wunsch nach Teilzeitarbeit, was für die Bedarfsplanung eine große Herausforderung darstellt, denn unsere neuen Ärzte ersetzen die ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen immer häufiger nicht zu 100 Prozent.“

Auch auf die Strukturen des Notdienstes ging Bergmann ein: „Das Thema ist für uns hochprioritär, da immer mehr Menschen mit Bagatellen direkt den Weg ins Krankenhaus wählen und auch die Hemmschwelle, die Rettungsdienstnummer 112 zu wählen, gesunken ist.“

Bergmann räumte ein, dass der hierarchische Reformansatz vor einigen Jahren keinen Erfolg hatte und jetzt flexiblere Lösungen gesucht würden, vor allem bei der Etablierung neuer fachärztlicher Notdienstangebote an zentralen Klinikstandorten. „Wir streben eine kooperative Versorgung zusammen mit dem stationären Bereich an“, sagte Bergmann, der auch ein Modellprojekt zur Erprobung einer stärkeren Verzahnung der Hotlines 112 und 116117 in Köln ankündigte.

Nach der Analyse des Status Quo in der hausärztlichen Versorgung folgte der Blick auf die Zukunft, zum Beispiel neue Initiativen zur Sicherstellung und Nachwuchsgewinnung der KVNO durch Mittel aus dem Strukturfonds in Nordrhein. Im Mittelpunkt standen mögliche Kooperationen und Projekte der KV mit den Kommunen – vom Auftritt einzelner Kreise auf den Praxisbörsentagen der KVNO über Werbung für Kommunen auf www.kvno.de bis hin zu Aktionen für Studierende vor Ort.

Das Bild zeigt den KVNO-Vorstand mit Vertretern der Kreise Mettmann, Heinsberg, Euskirchen und Kleve, sowie mit Vertretern der kommunalen Gesundheitsbehörden.

Treffen des KVNO-Vorstandes mit Vertretern der Kreise Mettmann, Heinsberg, Euskirchen und Kleve, sowie mit Vertretern der kommunalen Gesundheitsbehörden.

Hospitationsmodell im Kreis Kleve

Wie Nachwuchswerbung seitens der Kommunen konkret aussehen und wie erfolgreich sie sein kann, demonstrierte Wolfgang Spreen, Landrat des Kreises Kleve. Er dankte der KV Nordrhein für den intensiven Dialog und die ungeschminkten Analysen, etwa im Versorgungsreport der KVNO. „Wir haben auf dieser Grundlage seit 2014 eine intensive Debatte in Politik, Ärzteschaft und Bevölkerung über die ärztliche Versorgung“, sagte Spreen.

Er berichtete über das Hospitationsmodell des Kreises zur Anwerbung von Medizinernachwuchs. Der Kreis fördert ein- bis vierwöchige Hospitanzen von angehenden Niedergelassenen in Arztpraxen, deren Inhaber in den nächsten drei Jahren einen Nachfolger suchen, mit bis zu 8000 Euro. Seit 2015 habe man darüber immerhin drei Praxisnachfolger für den Kreis gewinnen können.

Für diese Initiative erntete Spreen große Anerkennung. „Fakt ist, dass momentan viele Nachwuchsmediziner in den Süden der Republik oder ins Ausland gehen und Nordrhein-Westfalen auch aus finanziellen Gründen nicht die erste Wahl für eine Niederlassung ist“, sagte KVNO-Vize Dr. med. Carsten König.

„Gemeinsam mit den Kommunen aber können wir NRW zu einem attraktiveren Standort machen. Ein Arbeitsplatz für den Partner oder eine gute Infrastruktur für die Familie können dabei wesentliche Faktoren sein.“ Alle Beteiligten waren sich einig darin, dass es insgesamt mehr Medizinstudierende braucht – und die Zugangsbeschränkungen zum Studium überdacht werden müssen. „Bis diese Maßnahmen greifen, wird allerdings noch viel Zeit vergehen. Deshalb werden wir heute aktiv – am liebsten zusammen mit den Kommunen“, sagte Bergmann.

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