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KV Nordrhein präsentiert NPPV-Projekt auf Gesundheitskongress des Westens

14.03.2018 Pressemitteilungen

In einer 90minütigen Session präsentierte KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann heute das im vergangenen Jahr gestartete und vom Innovationsfonds geförderte Projekt NPPV zur neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung. „Wir wollen die Versorgung von schwer erkrankten Patienten mit ZNS-Krankheiten durch eine strukturierte Versorgung besser und effizienter gestalten“, sagte Bergmann im Eröffnungsvortrag.

Der KVNO-Chef betonte die bisher positiven Rückmeldungen seitens der beteiligten Facharztgruppen, insbesondere Neurologen und Psychotherapeuten. „Die Teilnahme an dieser neuen Versorgungsform ist unbürokratisch und einfach – auch die technischen Hilfsmittel sind weitgehend selbst erklärend“, sagte Bergmann mit Blick auf das Einschreibeverfahren und die IT-Unterstützung durch den Projektpartner IVP Networks. Seit dem Projektstart im Dezember 2017 wurden fast 700 Patienten eingeschrieben, fast 110 Praxen sind schon dabei. Unter den Teilnehmern am NPPV-Projekt sind etwa zwei Drittel Fachärzte und ein Drittel Psychotherapeuten.

Für IVP nahm Geschäftsführer Dr. Matthias Walle am Panel der KV Nordrhein teil. „Es mangelt im Gesundheitswesen selten an Ideen, aber häufig an deren Umsetzung“, sagte Walle. Für die teilnehmenden Praxen sprach der Kölner Neurologe Prof. Dr. Gereon Nelles: „Nach drei Monaten mit NPPV in meiner Praxis kann ich sagen, dass die Anforderungen gut gelöst worden sind und wir die Versorgung von Patienten mit Multipler Sklerose oder Demenz deutlich effizienter gestalten können.“ Entscheidend seien der niedrigschwellige Zugang zur strukturierten Versorgung, die Reduzierung von Wartezeiten und die Bildung von praxisübergreifenden Netzwerken“, sagte Nelles.

Er wünsche sich vor allem, dass sich weitere Krankenkassen am Projekt beteiligten. Bergmann warb dafür, dass Ärzte und Therapeuten in möglichst großer Zahl an NPPV teilnehmen – die KV Nordrhein werde weiter dafür werben und das Projekt beizeiten evaluieren – mit dem Ziel, die vernetzte Versorgung zu einem Teil der Regelversorgung zu machen. Lob gab es für die Projektbeteiligten von Dr. Wolfgang Panter. Der Präsident der Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte betonte, wie wichtig das betriebliche Wiedereingliederungsmanagement bei psychischen Erkrankungen sei, die eine immer größere Rolle für Unternehmen und deren Mitarbeiter spielen. Um hier frühzeitig Arbeits- und Berufsunfähigkeit zu vermeiden, sei rasche Hilfe für die Betroffenen entscheidend. 

KVNO-Vorstandsvorsitzender Bergmann trat am zweiten Kongresstag noch bei weiteren Themen in Erscheinung – unter anderem bei einer Session zur Frage, wie viel Gesundheit wir uns noch leisten können. Bergmann beschrieb dabei die bestehende strukturelle Unterfinanzierung der ambulanten Versorgung in unserem System – trotz immer höherer Ansprüche an deren Leistungsfähigkeit, auch bei komplexen Behandlungen und Operationen. Der KVNO-Chef kritisierte in diesem Kontext den Koalitionsvertrag der seit heute wieder amtierenden Bundesregierung: „Der Vertrag spart die ambulante Versorgung weitgehend aus – alle Vorhaben beziehen sich auf den stationären Bereich.“

Auch in einem anderen Zusammenhang nannte Bergmann Defizite der Vereinbarung der Großen Koalition: „Bei der Bedarfsplanung heißt es, dass sie kleinräumiger, bedarfsgerechter und flexibler werden solle. Unser eigentliches Problem ist aber nicht die Planung, sondern das fehlende Personal, mit dem wir offene Sitze besetzen könnten“, stellte Bergmann klar. Auch Zulassungssperren aufzulösen, gehe am Problem vorbei: „Wo offene Sitze bestehen, kann sich heute schon jeder niederlassen“, betonte Bergmann in einem weiteren Panel der KV Nordrhein zur Bedarfsplanung in Metropolregionen, speziell im Ruhrgebiet. Daran nahmen neben Bergmann Dr. Bernhard Gibis von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und Dr. Martin Albrecht, Geschäftsführer des IGES Instituts, teil.

Zum Thema Sicherstellung der ambulanten Versorgung hatte sich am ersten Kongresstag auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann geäußert: „Wir haben inzwischen ein großes Problem mit der Allgemeinmedizin, aber auch einen sich in einigen Regionen abzeichnenden Fachärztemangel“, sagte der Minister. „Das ist längst ein Politikum, und das Problem wird sich noch verschärfen.“ Mit Blick auf den gesetzlichen Sicherstellungsauftrag der KVen stellte Laumann fest: „Was nicht da ist, kann man nicht verteilen.“ 450 Abgängen bei Hausärzten im Jahr stünden in NRW zurzeit nur 200 Nachfolger gegenüber. Die von der Landesregierung geplante Landarztquote solle deshalb kommen, so Laumann. „Ich will niemanden zwingen, auf dem Land zu arbeiten. Aber jedem, der dort als Mediziner arbeiten möchte, will ich einen Studienplatz geben.“