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Studie: Hausärztinnen und Hausärzte sehen Delegation von ärztlichen Tätigkeiten positiv

23.02.2018 Pressemitteilungen

Zwei Drittel der Hausärztinnen und Hausärzte in Nordrhein-Westfalen bewerten die Möglichkeiten der Delegation von ärztlichen Tätigkeiten grundsätzlich positiv. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer neuen Studie des Instituts für Allgemeinmedizin der Charité Berlin, die im Auftrag des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG.NRW) und in enger Abstimmung mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales sowie den nordrhein-westfälischen Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen erstellt worden ist. Beispiele für eine Delegation bestimmter Tätigkeiten an qualifizierte medizinische Fachangestellte (MFA) sind die Messung von Vitalparametern (Körpertemperatur, Puls, Blutdruck), die Blutentnahme oder auch die Wundversorgung.

Für das Projekt „Befragung niedergelassener Hausärztinnen und Hausärzte in NRW zum Einsatz von Delegationsmöglichkeiten“ haben insgesamt 31,7 Prozent der angeschriebenen Hausärztinnen und Hausärzte auf die Studienanfrage geantwortet. Somit werden repräsentative Ergebnisse für die Hausärzteschaft in Nordrhein-Westfalen gewonnen: Viele Ärztinnen und Ärzte sehen für die Patientinnen und Patienten vor allem Vorteile in kürzeren Wartezeiten.

Für ihre eigene Arbeitsorganisation bilden Zeitersparnis und eine höhere Arbeitszufriedenheit den größten Mehrwert. Vorbehalte bestehen andererseits noch wegen eines möglichen Mehraufwands in der Anfangsphase sowie hinsichtlich eventueller juristischer Folgen. Die Studie zeigt darüber hinaus: Je höher die Arbeitsdichte der Ärztinnen und Ärzte, desto höher erscheint die Bereitschaft, Arbeit zu delegieren.

Für NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann bietet die Delegation von ärztlichen Tätigkeiten auch Chancen, dem Hausarztmangel ein Stück weit zu begegnen. „Wir müssen vor allem mehr Ärztinnen und Ärzte ausbilden, die bereit sind, sich in unterversorgten Regionen niederzulassen.

Doch auch die Delegation ärztlicher Aufgaben an Beschäftigte in den nichtärztlichen Gesundheitsberufen kann ein wichtiger Baustein sein, um die wohnortnahe hausärztliche Versorgung zu sichern. Ärztinnen und Ärzte können sich besser auf ihre ureigenen ärztlichen Aufgaben konzentrieren und werden entlastet – etwa bei Haus- oder Heimbesuchen“, erklärt Laumann.

Für Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, ist „die Delegation definierter medizinischer Aufgaben sowohl in hausärztlichen als auch fachärztlichen Praxen an qualifizierte Medizinische Fachangestellte oder Pflegekräfte ein wichtiger Bestandteil eines modernen und effizienten Praxisalltages. Sie ist notwendig, um die ambulante Versorgung gerade in ländlichen Regionen aufrecht zu erhalten.

Aus diesem Grund engagieren wir uns seit mittlerweile gut zehn Jahren in der Qualifizierung von Praxismitarbeitern und konnten im Rheinland bereits über 800 Entlastende Versorgungsassistentinnen und -assistenten (EVA) ausbilden. Davon profitieren alle Beteiligten: Patienten, Mitarbeiter und Praxischefs. Das gilt aber nur, wenn es klare Regeln und Grenzen der Delegation und eine enge Verzahnung zwischen ärztlicher Expertise und ihrer fachlichen Unterstützung in der Praxis gibt. Deshalb lehnen wir weitergehende Formen der Substitution ärztlicher Leistungen ab.“

„Gerade in Zeiten des drohenden Hausärztemangels ist es wichtig, dass sich die Arztpraxen auf Entlastung durch gut qualifizierte Medizinische Fachangestellte verlassen können“, sagt Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein. „Die wachsenden Anforderungen an die Arbeitsabläufe einer modernen Arztpraxis erfordern hochqualifizierte Mitarbeiter.

Die Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen legen mit Zusatzqualifikationen wie der Fortbildung zur EVA den Grundstein dafür, dass Medizinische Fachangestellte nach abgeschlossener Spezialisierungsqualifikation die Ärzte im Rahmen delegierbarer Tätigkeiten effizient entlasten können.