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Volkskrankheit „Rücken“: KVNO-Chef Bergmann zu Gast bei Präsentation des DAK-Gesundheitsreports 2018

30.05.2018 Pressemitteilungen

Drei Viertel der Menschen in NRW leiden unter Rückenbeschwerden, die immer häufiger Grund für Arbeitsunfähigkeit sind.

KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann hat heute zusammen mit Klaus Overdiek, Leiter der Landesvertretung der DAK Gesundheit in Nordrhein-Westfalen, und Susanne Hildebrandt vom IGES-Institut den DAK-Gesundheitsreport 2018 vorgestellt. Zentrales Thema des Reports, dessen Daten aus einer Auswertung von rund 420.000 erwerbstätigen Mitgliedern der DAK in NRW und einer ergänzenden repräsentativen Umfrage stammen, ist das Volksleiden „Rücken“ – und seine volkswirtschaftliche Bedeutung.

Mehr als drei Viertel der Menschen in NRW hatten 2017 Rückenschmerzen. Rund 775.000 erwerbstätige Patienten in NRW leiden sogar chronisch (neun Prozent) unter Schmerzen, die drei Monate oder länger andauern. Laut Gesundheitsreport ist Rückenschmerz in NRW im Krankheitsfall der Beschäftigten die zweithäufigste Diagnose hinter „depressiven Episoden“. Hochgerechnet auf alle Erwerbstätigen im Land kamen 2017 mehr als 7,3 Millionen Ausfalltage wegen Rückenschmerzen zusammen. Jeder 20ste Beschäftigte war im vergangenen Jahr mindestens einmal wegen Rückenschmerzen krankgeschrieben – darunter auch viele jüngere Arbeitnehmer.

Von links: Dr. med. Frank Bergmann, Susanne Hildebrandt, Klaus Overdiek und Rainer Lange; Foto: Schmitz, KVNO

Dr. med. Frank Bergmann, Susanne Hildebrandt, Klaus Overdiek und Rainer Lange (v. li.); Foto: Schmitz | KVNO

„Das gesundheitspolitische Ziel, das Problem ,Rücken‘ in den Griff zu bekommen, wurde nicht erreicht“, sagte Overdiek. Dafür sprechen weitere Zahlen aus der Befragung: Seit dem Jahr 2007 stieg die Zahl der stationären Behandlungen in NRW wegen Rückenschmerzen um 80 Prozent von rund 25.000 auf 55.000 an – auch eine Konsequenz aus dem Verhalten der Patientinnen und Patienten, die immer häufiger direkt den Weg ins Krankenhaus suchen, wovon sie sich unter anderem umfassende Diagnostik und rasche Schmerzlinderung versprechen. 40 Prozent der stationär Aufgenommenen gelangen sogar als „Notfall‘ in die Klinik, haben also zuvor keinen niedergelassenen Hausarzt oder Orthopäden aufgesucht.

Mit Verweis auf das wachsende Problem der Krankschreibungen wegen Rückenschmerz sagte Overdiek: „Wir müssen dem Rückenschmerz den Kampf ansagen und gemeinsam mit den Unternehmen das individuelle Arbeitsumfeld noch rückenfreundlicher gestalten.“ KVNO-Chef Bergmann stimmte dieser Forderung zu. Er ging zunächst auf die Ursachen der Rückenschmerzen ein – vor allem mangelnde Bewegung, das viele und falsche Sitzen vor Bildschirmen oder exzessive Handy-Nutzung mit gebeugter Haltung. „Die beste Vorbeugung gegen die Zivilisationskrankheit Rückenschmerz ist Bewegung“, sagte Bergmann, der auch auf psychische Ursachen einging. „Besonders betroffen sind gestresste Menschen – häufig lässt sich kaum klären, ob der Schmerz zunächst physisch oder psychisch bedingt ist.“ Bergmann widersprach der These, dass Rückenschmerzen unterschätzt würden. „Die Patienten verhalten sich – abgesehen von der zunehmenden Inanspruchnahme der Klinikambulanzen – überwiegend vernünftig. So gibt es keine Hinweise auf ,Doktor-Hopping‘ und erfreulich viel Eigeninitiative.“ Bergmann plädierte für strukturierte Behandlungsprogramme bei Rückenleiden, zum Beispiel im Rahmen eines „Disease Management Programms“ (DMP) oder wie beim NPPV-Projekt der KV Nordrhein. „Wir brauchen strukturierte Behandlungspfade und multiprofessionelle Netzwerke.“