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BMC Regional-Forum diskutiert über Zukunft der Gesundheitsversorgung

03.12.2018 Pressemitteilungen

Die aktuellen Reformvorhaben des Bundes sowie des Landes NRW bei der ambulanten und stationären Versorgung standen am Montag, den 3.  Dezember, im Zentrum des vom Bundesverband Managed Care (BMC) NRW organisierten Regional-Forums im Haus der Ärzteschaft. Anlass für den „kritischen Blick“ auf die Gesundheitspolitik war dabei insbesondere der Entwurf des geplanten Terminservice- und Vermittlungsgesetzes (TSVG) und seine Folgen für den ambulanten Sektor. Die Perspektive der Niedergelassenen aus dem Rheinland vertrat dabei Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein.

Mit Blick auf das TSVG positionierte sich Bergmann eindeutig. „Das TSVG enthält viele Punkte, mit denen wir nicht einverstanden sind – so zum Beispiel die Ausweitung der wöchentlichen Mindestsprechstunden auf 25 Stunden oder den Ausbau der Termin-Servicestellen zu einer rund um die Uhr erreichbaren ‚Termin-Hotline‘. Getreu dem Motto fördern und fordern hätten wir uns auch für die Patientenseite etwa beim Thema Termintreue mehr Verbindlichkeit gewünscht“, so Bergmann.

Bei der Frage, wie eine sinnvolle Planung ärztlicher Ressourcen – konkret: eine bessere Bedarfsplanung – in Zukunft aussehen könnte, plädierte der KVNO-Chef für eine stärkere Orientierung am konkreten morbiditätsbedingten Versorgungsbedarf der Patienten und sprach sich für eine Stärkung von Sonderbedarfszulassungen aus. „Aber auch mit der besten Planung werden wir nicht allen regionalen Unterschieden gerecht werden können.“ Angesichts der allein in Nordrhein rund 330 freien hausärztlichen Sitze sei es umso wichtiger, das Niederlassungsangebot in Nordrhein zu erhöhen und „gezielt junge Kolleginnen und Kollegen für eine ambulante Tätigkeit zu gewinnen“, so Bergmann.

Einen Anreiz schafft der im Oktober in Nordrhein angelaufene Strukturfonds von KVNO und den nordrheinischen Krankenkassen, aus dessen Finanzmitteln zum Beispiel hausärztliche Niederlassungen im Rheinland in definierten Förderregionen mit bis zu 70.000 Euro gefördert werden können. Seit Oktober wurden bei der KVNO bereits 13 Anträge auf entsprechende Investitionskostenzuschüsse gestellt. Bergmann nannte auch die in NRW auf den Weg gebrachte Förderung des Quereinstiegs in die Allgemeinmedizin als wichtige Verbesserung der hausärztlichen Versorgung.

Wie ein effizienter Einsatz ärztlicher und psychotherapeutischer Kapazitäten aussehen kann, verdeutlichte Bergmann am Beispiel des KVNO-Projekts zur neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung (NPPV). „Bei NPPV sorgen wir durch Vernetzung und Kooperation der teilnehmenden Ärzte und Psychotherapeuten für eine bessere Steuerung der Patienten mit akutem, intensivem Versorgungsbedarf. Patienten erhalten zügiger die bedarfsgerechte Behandlung, so beispielsweise in offenen Gesprächsgruppen“, sagte Bergmann. Der Erfolg des Ende 2017 gestarteten Projekts lässt sich messen: Insgesamt nehmen schon über 400 Ärzte und Psychotherapeuten verteilt auf rund 280 Praxen an NPPV teil.

Etwa 3200 Patienten sind eingeschrieben. „Eine strukturierte Versorgung der Patienten ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Versorgung. Die KV kann viel für die ambulante Versorgung tun, stößt aber auch irgendwann an ihre Grenzen. An diesen Stellen sollte der Gesetzgeber konstruktiv ansetzen und nicht mit einseitig zu Lasten der Niedergelassenen verfassten Gesetzesplänen den Medizinernachwuchs von einer vertragsärztlichen Tätigkeit abschrecken“, sagte Bergmann.