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NPPV-Projekt: Mit Transparenz zu mehr Effizienz

05.12.2018 KVNO aktuell

Vor rund einem Jahr startete in Nordrhein das Projekt zur neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung (NPPV). Eine erste Zwischenbilanz kann sich sehen lassen: Die Teilnehmerzahlen und das Spektrum der Versorgungsangebote wachsen stetig.

Das durch den Innovationsfonds geförderte NPPV-Projekt beabsichtigt, Patienten mit psychischen und neurologischen Erkrankungen in der lokalen Versorgungslandschaft besser zu steuern. Je nach Krankheitsbild werden auf die Patienten zugeschnittene Therapiemodule angewendet, etwa auch Gruppentherapie und E-Mental-Health. Die Basis der Versorgungsstruktur bilden Netzwerke, die systematisch ausgebaut werden.

Teilnehmerzahlen: Tendenz steigend

Nach dem erfolgreichen Start des Projekts ist die Zahl der Patienten kontinuierlich gestiegen. Im Dezember 2017 waren 94 Patienten eingeschrieben, im Oktober 2018 bereits 3.170. Bis zum 30. Juni 2019 werden 6.800 Teilnehmer anvisiert. Die Zahl der teilnehmenden Fachärzte/Psychotherapeuten liegt derzeit bei über 400 an mehr als 276 Standorten. Dies zeigt eine hohe Akzeptanz des Projekts seitens der Ärzte/Psychotherapeuten als auch der Patienten.

In der Region koordinieren fünf Netzwerkmanager den Aufbau von Netzen. Diese Manager schulen zudem die Netzwerkpartner und fungieren als erste Kontaktadresse. Eine zentrale Koordinationsstelle/Case Management etabliert neue Angebote wie Gruppen und Online-Selbsthilfe. Für administrative Aufgaben und Prozesse steht eine eigene sichere IT-Lösung – die Software IVPnet – zur Verfügung.

Netzwerktreffen: Bieten und Suchen

Bisher haben in Köln, Düsseldorf, Aachen, Bonn und Essen Netzwerktreffen stattgefunden. Für 2019 stehen Termine für weitere Treffen in Köln, Düsseldorf, Mönchengladbach und Aachen fest. In Düsseldorf wird im Februar auch eine Veranstaltung für Medizinische Fachangestellte und weiteres operatives Praxispersonal stattfinden.

Multimediale Umsetzung therapeutischer Inhalte mit schrittweiser Bereitstellung

Auf den ersten Workshops tauschen sich die Teilnehmer zu ihren beruflichen Kompetenzen aus und geben ihrerseits Vernetzungswünsche auf. So sucht zum Beispiel ein Neurologe zur Unterstützung seiner Patienten einen Psychotherapeuten mit Traumakompetenz. Auf der Suchliste ganz oben: Fremdsprachige Therapeuten aller Art mit Arabisch- und Türkischkenntnissen. Zudem besteht ein Bedarf an Kontakten zu Sozialrechtlern und Sozialarbeitern zur Patientenbegleitung unter anderem für Demenzpatienten. Ebenfalls stark nachgefragt werden therapieergänzende Gruppenangebote. Hier unterstützt die Teilnehmer vor allem die neue Gruppenbörse, in der jeder Netzwerkpartner seine Gruppen anbieten und eigene Patienten in andere Gruppen einsteuern kann.

NPPV-Treffen in Bonn: Workshopteilnehmer tauschen sich aus.

NPPV-Treffen in Bonn: Workshopteilnehmer tauschen sich aus. Foto: KVNO | Müller

Bei rund 23 Prozent aller Neueinschreibungen im Erstassessment wurde die Indikation für eine niedrigschwellige Gruppe gestellt. „Dieses niederschwellige Angebot erhöht die Therapiekapazitäten. Es bietet Patienten einen schnellen Zugang zur Versorgung und es kann überbrückend sowie begleitend eingesetzt werden. Auch wächst das Gruppenangebot parallel zu dem kontinuierlichen Aufbau der Netze“, sagt René Engelmann, Netzwerkmanager der IVPNetworks von der Zentralen Koordinierungsstelle Düsseldorf.

E-Mental-Health bei Angst und Depression

Erstmalig Teil des strukturierten Behandlungsprozesses ist ein Online-Selbsthilfeprodukt, das als optionales Tool eingesetzt werden kann. „Novego“, ein E-Mental-Health-Produkt, wird von IVPNetworks kontinuierlich ausgebaut. Es richtet sich an Patienten mit Angst und Depression und kann zeitlich unabhängig als Soforthilfe und zur Überbrückung eingesetzt werden. Die Inhalte werden multimedial unter anderem mit Texten, Audios und Videos schrittweise innerhalb eines geschützten Zugangs zur Verfügung gestellt. Ein großer Vorteil liegt in der therapeutischen Begleitung, die bei dem vorliegenden Krankheitsbild gewährleistet sein muss, und darin dass der Behandler so weiß, auf welchem Informationsstand sich der Patient befindet.

Sigrid Müller

 

Das NPPV-Projekt

Im Rahmen der neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung (NPPV) erproben die KV Nordrhein und die IVPNetworks in Kooperation mit der AOK Rheinland/Hamburg und dem BKK-Landesverband Nordwest eine gestufte und koordinierte Versorgung psychisch er­krankter Menschen in Nordrhein. Übergeordnetes Ziel ist die Verbesserung der Versorgungsqualität für die Patienten. Das Versorgungsmodell wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert und läuft über vier Jahre. Eine wissenschaftliche Evaluation untersucht, ob sich die neue Versorgungsform zur Regelversorgung eignet.