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Notdienst: Kooperation mit Perspektive

05.12.2018 KVNO aktuell

Dass der Notdienst zum Lackmus-Test einer sektorenübergreifenden Versorgung wird, ist Konsens im Gesundheitswesen. Der Gesetzgeber hat klare Vorgaben gemacht und denkt dabei vornehmlich an "Portalpraxen" in den Kliniken. Die KV Nordrhein arbeitet aber nicht nur an gemeinsamen Anlaufstellen für Patienten und einer Aufwertung der Notdienst-Hotline 116117, sondern erprobt auch eine enge Zusammenarbeit mit der Integrierten Leitstelle. Am 7. Januar 2019 startet dazu ein Modellprojekt in Köln.

Es klingt paradox: Da klagt eine Rettungsleitstelle in Köln – immerhin die größte in Nordrhein-Westfalen – über eine steigende Inanspruchnahme, doch zugleich nimmt die Zahl akuter, echter Notfälle ab. Die Fehlinanspruchnahme des Rettungsdienstes durch Patienten, die den Rettungsdienst rufen, obwohl kein Notfall vorliegt, nimmt teilweise absurde Formen an. Dabei haben die Kliniken ohnehin schon mit zu vielen Bagatellfällen in ihren Notaufnahmen zu kämpfen.

Ein Problem allein des stationären Bereichs? Nur auf den ersten Blick: So ist beispielsweise in den Kölner Notdienstpraxen die Inanspruch­nahme – vorwiegend durch Bagatellfälle – von 2012 bis 2017 um fast 40 Prozent gestiegen. Auch der Rettungsdienst wird – wie Krankenhausambulanzen – in hohem Maße in Anspruch genommen, und das auch außerhalb der Öffnungszeiten der Arztrufzentrale NRW (ARZ) – also zu Zeiten, in denen nicht der Notdienst, sondern die Regelversorgung der Niedergelassenen greift.

Das Problem der Patienten, die in der Ambulanz aufschlagen, ist perspektivisch nur durch eine entsprechende Patientensteuerung vor Ort zu erreichen – durch Triagierung und gemeinsamen Tresen. Doch was ist mit den Patienten, die keine Notfälle sind, dennoch tagsüber per 112 den Rettungsdienst konsultieren und von diesem bisher ins Krankenhaus gefahren werden?

Neues Projekt startet im Januar

"Bisher gibt es keine nennenswerte Vernetzung der Systeme 116117, also der Hotline für den ambulanten Notdienst, und der 112", sagt Dr. Michael Klein, Geschäftsführer der ARZ in Duisburg. Dort gehen die Anrufe unter der 116117 aus Nordrhein-Westfalen ein. "Die ARZ stellt Notfälle in der Regel bisher nicht an die zuständigen Rettungsleitstellen durch. Patienten, die offenbar einen Notfall darstellen oder einen melden, werden aufgefordert, die 112 anzuwählen", sagt Klein.

Umgekehrt gibt es bei den Rettungsleitstellen kein einheitliches Vorgehen hinsichtlich der Weiterleitung an die ARZ in Fällen, die offenbar kein Notfall sind – auch nicht in der Integrierten Leitstelle in Köln, bei der sich dies freilich ab Januar ändern soll.

Der erste Schritt zu Vernetzung und Kooperation betrifft die Anrufbearbeitung. Anrufe bilden in der ARZ und in der Leitstelle den ersten Kontakt zum Patienten: "Wir vernetzen die Arztrufzentrale und die Leitstelle deshalb inhaltlich und technisch", erklärt Klein, "damit wir künftig Anrufe gegenseitig durchstellen und sie dort, wo sie hingehören, bearbeiten können." Wichtig bei diesem Projekt: Die jeweiligen Strukturen bleiben unangetastet, es gibt keine gemeinsame "Leitstelle", bei der alle Anrufe eingehen und sortiert werden.

"Wir übernehmen nicht die Aufgaben der ARZ", sagt Prof. Alexander Lechleuthner, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Köln. "Es geht darum, auf Basis der vorhandenen Strukturen eine Kooperation zu ermöglichen, die beide Seiten entlastet und die Notfallversorgung verbessert."

Damit das funktioniert, mussten für die Fälle, die eine Übergabe erfordern, Prozesse definiert werden, in dem kooperierende Partnerpraxen eine wesentliche Rolle spielen. Zudem müssen in der ARZ und in der Leitstelle vergleichbare Instrumente zur Ersteinschätzung zum Einsatz kommen, denn die Ergebnisse müssen unabhängig vom Einsatzort übereinstimmen. In der ARZ soll ab Mitte 2019 die neue Software SmED verwendet werden. "Das Ziel des Projekts ist eine bessere Patientensteuerung. Wir wollen auf keinen Fall mehr Fälle für den Rettungsdienst erzeugen", betont Klein.

ARZ 24 Stunden erreichbar

Das Modellprojekt startet am 7. Januar 2019. "Ab diesem Tag sind wir für Anrufer aus Köln und für den Rettungsdienst telefonisch rund um die Uhr unter der 116117 erreichbar", sagt Klein. Meldet sich ein Patient innerhalb der Sprechstundenzeiten, kontaktiert die ARZ eine geöffnete Kooperationspraxis und vermittelt – entweder geht der Patient dann selber dorthin oder es wird ein Fahrdienst zur Praxis organisiert. In voraussichtlich sehr wenigen Fällen wird der Rettungsdienst selber den Patienten in der nächstgelegenen Partnerpraxis absetzen.

Bei den Niedergelassenen in Köln kommt das Modell gut an. "Das Interesse ist groß", sagt Dr. med. Jürgen Zastrow, Vorsitzender der KV-Kreisstelle in Köln. "Es gibt bereits rund 100 Kolleginnen und Kollegen, die sich darüber informiert haben." Grundsätzlich sollen alle Fachgruppen teilnehmen können, die Erreichbarkeit der Praxen muss zumindest telefonisch ab 8 Uhr morgens und in den Mittagsstunden gewährleistet sein. "Dabei geht es nicht um die persönliche Erreichbarkeit der Ärztinnen und Ärzte", betont Klein, "es gibt auch keine Verpflichtung zu Hausbesuchen."

Die Partnerpraxen, die Patienten behandeln, erhalten für jeden Fall, der über die ARZ oder die Integrierte Leitstelle in Köln in die Praxis kommt, einen extrabudgetären Zuschlag von 20 Euro. Zusätzlich werden alle bei diesen Patienten am Tag der Vermittlung erbrachten Leistungen außerhalb des Regelleistungsvolumens mit dem regional vereinbarten Punktwert vergütet.

Dr. Heiko Schmitz

Neue Notdienst-Organisation in Köln ab 1. Januar 2019

Mit Beginn des neuen Jahres gibt es auch Änderungen bei der Organisation des Notdienstes und dem Angebot an Notdienstpraxen im linksrheinischen Stadtgebiet. Wichtigste Änderung: Am 15. Januar 2019 nimmt eine neue Notdienstpraxis auf dem Gelände des Universitätsklinikums in Köln-Lindenthal ihren Betrieb auf.

Die Einrichtung ist zentral in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie gelegen und wird täglich außerhalb der regulären Sprechstundenzeiten öffnen. Die bislang im nahen Klinik­umfeld betriebenen Notdienstpraxen am Evangelischen Krankenhaus und am Krankenhaus der Augustinerinnen schließen dafür – beide waren nur an wenigen Wochentagen geöffnet und wurden nur gering frequentiert.

Ebenfalls zum Januar 2019 ihren Betrieb einstellen wird die in gewerblichen Räumen untergebrachte Notdienstpraxis Köln-West im Stadtteil Weiden, da Patienten durch die Einrichtung im Universitätsklinikum künftig eine Anlaufstelle mit direkter Anbindung an den stationären Bereich haben. "Schwerwiegende Notfälle können so direkt an die Fachkliniken der Uni weitergeleitet werden, gleichzeitig entlasten wir das Uni-Personal von ambulanten Notfällen", sagt Dr. med. Jürgen Zastrow, Vorsitzender der KV-Kreisstelle Köln.

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