Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Herzerkrankungen bei Männern und Frauen

05.12.2018 KVNO aktuell

Die regelmäßige Auswertung der Daten aus den Disease-Management-Programmen (DMP) zeigt, dass Patienten auf vielfache Weise von dieser Versorgungsform profitieren. Auch birgt die detaillierte Betrachtung der Dokumentationsdaten von Frauen und Männern im DMP Koronare Herzkrankheit (KHK) interessante Ergebnisse.

Die Zahl der Teilnehmer in strukturierten Behandlungsprogrammen in Nordrhein ist auf fast 900.000 Patienten gestiegen. Daran haben besonders die DMP Diabetes Typ 2 und Koronare Herzkrankheit (KHK) einen großen Anteil: 19.000 Teilnehmer mehr als im Vorjahr sind zu verzeichnen – darunter viele mehrfach Betreute. Dies belegt der aktuelle Qualitätsbericht der Nordrheinischen Gemeinsamen Einrichtung DMP, basierend auf der Evaluation der Dokumentationsdaten des Jahres 2017 durch das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi).

DMP: Ein Erfolgsmodell

Erreichen der Qualitätsziele 2008
Bild vergrößern

Erreichen der Qualitätsziele 2008

Der Teilnehmerzuwachs ist Resultat einer alternden Gesellschaft mit einem steigenden Anteil mehrfach chronisch erkrankter Patienten. Er zeigt aber auch, dass es sich hier um ein Erfolgsmodell handelt: Sowohl Arzt als auch Patient sind freiwillige Akteure eines DMP, das heißt, sie entscheiden sich bewusst hierzu.

Seit mehreren Jahren in Folge weist der Bericht nach, dass beispielweise schwere diabetische Folgeschäden wie Fußamputationen oder Augenschäden im Rahmen des DMP, Diabetes mellitus verhindert werden können. Auch lernt der Patient durch Schulungen und Selbstmanagement in mehreren DMP, mit seiner Erkrankung im Alltag richtig umzugehen, diese besser in den Griff zu bekommen und in lebensgefährlichen Situationen adäquat zu reagieren. Mit Blick auf diese Vorteile sind noch mehr DMP-Teilnehmer wünschenswert– besonders bei den Atemwegsprogrammen Asthma bronchiale und chronisch obstruktiver Lungenkrankheit (COPD).

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Neben der Analyse und Aufarbeitung der Dokumentationsdaten der sechs bisher aktiven Programme rückt der Bericht erstmals Unterschiede in der medikamentösen Behandlung von Männern und Frauen mit einer koronaren Herzerkrankung in den Fokus.

Erreichen der Qualitätsziele 2017
Bild vergrößern

Erreichen der Qualitätsziele 2017

Sowohl in der deutschen also auch in der internationalen medizinischen Fachliteratur werden geschlechtsspezifische Differenzen bei diesem Krankheitsbild thematisiert. Kritische Stimmen geben an, dass die KHK bei Frauen weiterhin als „untererforscht, unterdiagnostiziert und untertherapiert“ gelte. Vor diesem Hintergrund ist das Zi gezielt Fragen nachgegangen, um herauszulesen, ob es signifikante Anhaltpunkte hierzu im besagten DMP gibt.

Ein Ergebnis: Die ambulante Behandlung im DMP KHK wirkt sich positiv auf die Versorgungsqualität von Patientinnen aus. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, hat sich die ambulante KHK-Behandlung von Frauen und Männern angeglichen. Auch nehmen bei fast allen Quoten der Qualitätsziele geschlechtsbezogene Unterschiede ab. Dies gilt beispielsweise für die Verordnungsraten von Medikamenten und die normotonen Blutdruckwerte.

Obwohl die beobachteten Verordnungsraten noch meist unterhalb derjenigen der Männer liegen, haben sich die Unterschiede im Zeitverlauf verringert. So lag die Verordnungsrate für Thrombozyten-Aggregationshemmer im Jahr 2008 bei männlichen Patienten noch um 7,1 Prozentpunkte höher (2017: +6,5), für Betablocker um 4,8 Prozentpunkte (2017: +2,2), für Statine um 10,5 Prozentpunkte (2017: +8,1) und für ACE-Hemmer bei Patienten mit Herzinsuffizienz um 5,9 Prozentpunkte (2017: +4,5).

Darüber hinaus hat sich auch der 2008 noch um drei Prozentpunkte höhere Anteil männlicher Patienten mit normotonen Blutdruckwerten auf eine Differenz von 1,3 Prozentpunkten reduziert. Zudem treten bei Frauen seltener schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse auf und auch ihr Sterberisiko ist geringer als das der Männer.

DMP in ständiger Entwicklung

Derzeit sind weitere DMP zu Rückenschmerz, Depression, Osteoporose und rheu­matoider Arthritis in Arbeit. Auch wurden die Programme zu Brustkrebs und Asthma bronchiale umfassend aktualisiert. Im DMP Brustkrebs ist nun eine zehnjährige Teilnahme möglich, um eine umfassendere Nachsorge zu gewährleisten. Am DMP Asthma bronchiale können künftig zusätzlich Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren teilnehmen.

Das Modul Herzinsuffizienz als Bestandteil des DMP KHK endete am 1. April 2018 und existiert nun als eigenständiges strukturiertes Programm zur Behandlung der Herzinsuffizienz. Es betont vor allem die leitliniengerechte medikamentöse Therapie, Schulungen, eine individuelle Patientenbegleitung durch Medizinische Fachangestellte, besondere Beachtung von Begleiterkrankungen wie Depression und Niereninsuffizienz sowie Empfehlungen zum körperlichen Training.

Sigrid Müller

„Davon profitieren alle Beteiligten“

Dr. med. Viola Lenz, Fachärztin für Allgemeinmedizin

Dr. med. Viola Lenz, Fachärztin für Allgemeinmedizin, arbeitet gemeinsam mit einem fachärztlichen Kollegen, vier Medizinischen Fachangestellten und einer Auszubildenden in einer Gemeinschaftspraxis in Düsseldorf. Sie nimmt seit dem Jahr 2014 an den DMP Diabetes mellitus Typ 2, KHK, Asthma und COPD teil – mit aktuell rund 185 Patienten.

Wie erleben Sie die Arbeit im Rahmen der DMP?

„Strukturgebend“ ist hier das zentrale Wort: Die DMP geben einen festen Rahmen in der Behandlung chronischer Erkrankungen vor und „strukturieren“ auch die Patienten. Sie bilden das Gerüst für den kompletten Versorgungsablauf – von der Termingestaltung über notwendige Fragestellungen und Untersuchungsabläufe bis hin zu Verordnungen. Davon profitieren alle Beteiligten. Selbst die schwierigen, aber sehr kranken Patienten, die nicht so überzeugt sind, etwas für ihre Gesundheit zu tun, werden immer wieder im Rahmen der Kontrolltermine daran erinnert. (…).

Das diesjährige Schwerpunkthema untersucht Gender-Unterschiede in der Versorgung beim DMP KHK. Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen?

Für mich gibt es keinen gefühlten Unterschied in unserer Praxis, weder auf die aktive Teilnahme noch auf die Medikation bezogen, die Männer und Frauen erhalten. Natürlich gibt es einen Unterschied in der Symptomatik. Oberbauch- oder Rückenbeschwerden bei einer älteren Dame von 65 oder 70 Jahren schaue ich mir sehr genau an, aber letztendlich achte ich bei Herren genauso akribisch auf alle auftretenden Symptome, die mit dem Krankheitsbild assoziiert sind. Ich war daher sehr überrascht, dass es laut Studienlage diese Versorgungsunterschiede geben soll. Wenn ich die Feedbackberichte des Zi für meine Praxis zur Hand nehme, kann ich keine Abweichungen feststellen. Gerade auch, wenn es um die Verordnung von Arzneimitteln geht, sind diese Berichte für mich hilfreich. Hier vergleiche ich nochmals genau, wie die Durchschnittswerte aus den Dokumentationen meiner Praxis im Vergleich zu den Zielvorgaben des DMP liegen.

Das Interview führten Dr. Christine Macare (Zi) und Sigrid Müller (KVNO).

Wir haben es hier nur in Auszügen wiedergegeben. Das vollständige Interview finden Sie im DMP-Bericht 2017.

Drucken
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Mehr Infos zum Datenschutz