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Telemedizin in Nordrhein: ZNS-Konsil online

14.11.2018 KVNO aktuell

Wenn Hausärzte in Nordrhein kurzfristig eine Expertenmeinung zu den Themen Demenz, Psychosen, Parkinson, Multipler Sklerose oder Kopfschmerz benötigen, dann können sie die jetzt ganz schnell online erhalten. Die KV Nordrhein hat in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) sowie denen der Neurologen (BDN) und der Psychiater (BVDP) mit der Barmer einen Vertrag geschlossen. Damit entsteht ein telemedizinisches Expertenkonsil zu neurologischen Erkrankungen und Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) im Rheinland. Praxen und Patienten profitieren von dem Modell.

Das Bild zeigt einen Arzt bei der Arbeit am Computer

Über standardisierte Formulare tauschen sich nachfragender Arzt und ZNS-Experte aus. Der nachfragende Arzt kann darin zum Beispiel die Symptome und bei Bedarf Begleiterkrankungen oder Medikation beschreiben.

Schlaf- und Appetitlosigkeit, Schwindel und zunehmende Niedergeschlagenheit: Die Symptome, über die der 63-jährige Patient schon vor zwei Wochen klagte, haben sich noch einmal verschlimmert. Sie könnten auf eine akute Depression hindeuten. Aber ganz sicher ist sich sein Hausarzt nicht. Eine Einschätzung durch einen Neurologen, Nervenarzt oder Psychiater wäre jetzt hilfreich. Die können nachfragende Ärzte, besonders Hausärzte, jetzt ganz einfach online erhalten.

Mithilfe des ZNS-Konsils können Hausärzte einen für bestimmte Indikationen besonders qualifizierten Experten online auswählen und um Unterstützung bitten – von der Diagnosestellung bis hin zu möglichen Therapieoptionen. In dem Telemedizin-Modell findet die Kommunikation über standardisierte Formulare statt, die von einem Expertenteam aus den Fachgebieten praxisnah und leitlinienorientiert erstellt wurden.

Die Grafik zeigt, wie sich die Grundbeträge auf den Bereich der Haus- und der Fachärzte aufteilen.
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Die Grafik zeigt, wie sich die Grundbeträge auf den Bereich der Haus- und der Fachärzte aufteilen.

Viele Vorteile

Das ZNS-Konsil startet am 1. November 2018. Es bietet allen Teilnehmern eine Reihe von Vorteilen. Das Konsil reduziert zum Beispiel Überweisungen, da die Experten bei einigen Patienten aufgrund der vorliegenden Daten Diagnostik- und Therapieempfehlungen geben können, ohne die Patienten selbst einbestellen zu müssen. Das wiederum reduziert Wege- und Wartezeiten von Patienten sowie Transportkosten. Last, but not least: Für die Teilnahmen am ZNS-Konsil erhalten Haus- und Fachärzte ein extrabudgetäres Honorar.

„Ich freue mich, dass wir mit dem Telekonsil vorhandene Technik sinnvoll nutzen, um Patienten schneller versorgen und die Praxen entlasten zu können“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Das ZNS-Konsil ist auch eine Antwort auf den massiven Anstieg von Diagnosen psychischer Störungen und eine Chance, medizinische Versorgung neu zu gestalten – gerade in ländlicheren Räumen.

Die Vertragspartner sind überzeugt, dass mit dem ZNS-Konsil in Nordrhein ein wichtiger Schritt gemacht wird. „Durch das einfache und schnelle Einholen einer Expertenmeinung lässt sich die Patientenversorgung qualitativ verbessern, da die Zeiten bis zur Diagnosestellung deutlich sinken“, sagt Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer NRW der Barmer.

Daten maximal geschützt

Die Technik des ZNS-Konsils ist ausgereift, erprobt sowie sicher und einfach zu nutzen. Teilnehmende Ärzte loggen sich auf der Website zns-konsil.de mit den Login-Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein ein, um die Software herunterzuladen. Für die weitere Nutzung erhalten die Teilnehmer gesonderte Zugangsdaten.

Die Plattform ermöglicht beiden Ärzten, dem nachfragenden Arzt und dem ZNS-Experten, auf die jeweiligen Patientendaten zuzugreifen, etwa auf Untersuchungsergebnisse. Damit kommt ein weiterer Pluspunkt ins Spiel: Doppeluntersuchungen könnten auf diesem Wege vermieden werden.

Doch zurück zum Datenschutz: Die Daten werden komplett verschlüsselt und aufgeteilt über drei Server übertragen. Namen und medizinische Daten wie Blutbilder oder Röntgenaufnahmen bleiben strikt getrennt, sodass eine maximale Datensicherheit gewährleistet ist.

35 Euro Honorar

Als teilnehmender Haus- oder Facharzt erhalten Sie 35 Euro für jedes angeforderte beziehungsweise abgegebene Konsil. Die Vergütung erhalten Sie extrabudgetär außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung. Die Kosten für die Nutzung der technischen Plattform in Höhe von 7,50 Euro je Fall trägt die Barmer.

Die Abrechnung läuft wie gewohnt über die KV Nordrhein. Es gibt zwei Symbolnummern: eine für nachfragende Ärzte und eine für die ZNS-Experten. Für die Abrechnung benötigen Sie eine Referenzfallnummer, die Sie auf der Internetseite unter dem Menüpunkt „Abrechnungen“ generieren können.

„Ich hoffe, dass viele unserer Mitglieder an dem Modell teilnehmen und die neuen Möglichkeiten nutzen – die Rahmenbedingungen schaffen dafür auch einen Anreiz“, sagt Bergmann. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein werde sich dafür einsetzen, dass das ZNS-Konsil künftig noch für weitere Indikationen und auch mit weiteren Kostenträgern zur Verfügung steht.

Frank Naundorf

ZNS-Konsil kompakt

Teilnehmende Ärzte

  • Als nachfragende Ärzte können vor allem Ärzte der hausärztlichen Versorgung teilnehmen.
  • Als Experten können Fachärzte für Nervenheilkunde, Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Fachärzte für Neurologie teilnehmen.
  • Die Teilnahme ist freiwillig und muss bei der KV Nordrhein per Teilnahmeerklärung beantragt werden. Außerdem müssen alle Ärzte mindestens einmal jährlich an einem Qualitätszirkel teilnehmen, in dem sie sich über die Versorgung von Patienten mit neuropsychiatrischen Erkrankungen austauschen.
  • Um Leistungen nach diesem Vertrag durchführen und abrechnen zu können, wählt der teilnehmende Arzt den vom jeweiligen Berufsverband benannten Kommunikationsdienstleister.

Aufgaben der nachfragenden Ärzte

  • Information, Beratung und Aufklärung des Versicherten sowie Einschreibung in den Vertrag
  • Durchführung der fragebogengestützten Anamnese und Untersuchung des Versicherten
  • Einleitung des ZNS-Konsils mit Auswahl der Experten
  • Übermittlung der vollständigen abrechnungsrelevanten Versichertenangaben an den Experten
  • Durchführung der vom Experten empfohlenen Behandlung, Untersuchungen und gegebenenfalls Vorstellung beim Facharzt

Aufgaben der ZNS-Experten

  • Erhebung und Beurteilung der vom nachfragenden Arzt übermittelten Befunddaten
  • Fristgerechte Rückmeldung der Diagnostik- und Therapieempfehlungen an den nachfragenden Arzt
  • Wenn nötig, Anforderung weiterer versichertenbezogener Informationen und Unterlagen beim Hausarzt
  • Unverzügliche Mitteilung an den Kommunikationsdienstleister, sofern zum Beispiel wegen Urlaub oder Krankheit eine Beantwortung innerhalb von drei Tagen nicht erfolgen kann

Teilnahmeverfahren für Patienten

  • Teilnehmen können alle Barmer-Versicherten, bei denen eine der neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen vorliegt oder der Verdacht besteht, daran zu leiden.
  • Die Patienten erklären ihre Teilnahme schriftlich gegenüber der Barmer beim nachfragenden Arzt. Dieser reicht die Erklärung bei der KV Nordrhein ein.

Abrechnung und Vergütung

Die Abrechnung Ihrer telemedizinischen Leistungen passiert, wie gewohnt, über die KV Nordrhein. Die Vergütung erfolgt außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung und zusätzlich zum Regelleistungsvolumen.

Symbolnummer Leistungsinhalt Vergütung
95300 Telemedizinisches Expertenkonsil – Behandlungspauschale für den nachfragenden Arzt, maximal zweimal je Indikation im Krankheitsfall 35 €
95301 Telemedizinisches Expertenkonsil – Behandlungspauschale für den Experten, maximal zweimal je Indikation im Krankheitsfall 35 €

Bei Abrechnung der SNR 95300 sowie 95301 sind im „freien Begründungstext (KVDT Feldkennung 5009)“ der Text „ZNS-Telekonsil“ und die für den Behandlungsfall generierte Referenznummer anzugeben. Die Referenzfallnummer können Sie auf dem ZNS-Konsil unter dem Menüpunkt „Abrechnungen“ generieren.

Die Technikpauschalen SNR 95302 und 95303 werden von der KV Nordrhein zugesetzt und direkt an den Kommunikationsdienstleister überwiesen.

Wo kann ich das Programm herunterladen?

Loggen Sie sich auf der Website zns-konsil.de im Menüpunkt „Login & Download“ mit den Login-Daten des Kommunikationsdienstleisters ein. Nach erfolgreichem Login können Sie die Setup-Datei zur Installation des ZNS-Konsils auf Ihrem Computer herunterladen.

Welche IT-Infrastruktur benötige ich?

Voraussetzung für die Verwendung des ZNS-Konsils ist, dass auf Ihrem Computer eines der unterstützten Betriebssysteme (Windows 7, Mac OS 10.12 oder höher) verwendet wird und Sie über eine funktionierende Internetverbindung verfügen. Eine Version für Terminal-Server wird aktuell nicht angeboten.

Das Foto zeigt Dr. med. Uwe Meier, Neurologe aus Grevenbroich

Dr. med. Uwe Meier, Neurologe aus Grevenbroich und 1. Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Neurologen (BDN) sowie Beisitzer im Vorstand des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte (BVDN).

„Eine gute medizinische Lösung“

Bei der Entwicklung des ZNS-Konsils hat die KV Nordrhein mit den neuropsychiatrischen Berufsverbänden zusammengearbeitet. Besonders der Grevenbroicher Neurologe Dr. med. Uwe Meier war darin involviert, unter anderem in die Auswahl der Internet-Plattform, über die das ZNS-Konsil läuft.

Erfolgreiche technische Angebote sind intuitiv bedienbar. Trifft das für das ZNS-Konsil zu?

Absolut, das Programm ist wirklich leicht zu nutzen. Das hängt auch damit zusammen, dass in die Erstellung der verwendeten Online-Formulare die Erfahrungen von Hausärzten, Neurologen, Nervenärzten und Psychiatern eingeflossen sind. Dadurch ist alles sehr praxisnah.

Hat Sie das Sicherheitskonzept überzeugt?

Die Verschlüsselung der Daten einerseits und die konsequente Trennung von Personen- und rein medizinischen Daten andererseits haben alle Beteiligten überzeugt – nicht nur uns Ärzte, sondern auch die IT-Experten auf Seiten von Kasse und KVNO.

Welche Fälle können Ihrer Ansicht nach gut über das Telemedizin-Konsil abgewickelt werden?

Da gibt es ein breites Spektrum, zum Beispiel einen Patienten, der unter Multiple Sklerose leidet und seinen Hausarzt aufsucht, weil er beim Gehen größere Probleme hat und der Verdacht auf einen Schub entsteht. Dies könnte sich über das ZNS-Konsil schnell klären lassen. Der Hausarzt erhält dann entweder online Therapieempfehlungen oder eine kurzfristige Vorstellung beim ZNS-Experten wird vereinbart. Auch ob eine akute Depression vorliegt, ließe sich gut konsiliarisch klären – inklusive weiterer nötiger Behandlungsschritte.

Welche Vorteile haben die Teilnehmer?

Wir brauchen im Interesse der Patienten oft schnelle Diagnostik und rasche therapeutischen Entscheidungen. Dabei kann uns das ZNS-Konsil helfen. Viele Fragen lassen sich konsiliarisch klären, ohne den physischen Kontakt mit dem Patienten – das schont auch deren Ressourcen. Zudem werden die Praxen entlastet, die vielfach an der Kapazitätsgrenze arbeiten. Ich bin überzeugt, dass das ZNS-Konsil allen hilft, die an guten medizinischen Lösungen interessiert sind.

Das Gespräch führte Frank Naundorf.