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Gewalt gegen Ärzte, Psychotherapeuten und MFA: Prävention hat viele Gesichter

14.11.2018 KVNO aktuell, Praxisinfos

Medizinische Fachangestellte (MFA) spielen beim Thema „Prävention in der Arztpraxis” eine zentrale Rolle. Deshalb stand dieses Thema auch im Mittelpunkt des 5. Fortbildungstags für MFA Ende September in Düsseldorf. Veranstalter waren das Institut für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein und der Verband medizinscher Fachberufe. Viele MFA kamen ins Haus der Ärzteschaft, um sich von den Vorträgen der Referenten inspirieren zu lassen.

„Als Hausarzt weiß ich aus eigener Erfahrung, wie wichtig Prävention ist und welche Verantwortung Sie als MFA dabei haben“, sagte Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein im Rahmen seiner Begrüßungsrede. Der Grund: MFA sind die ersten Ansprechpartner für Patienten und auch oft diejenigen, die diese an Vorsorgetermine erinnern, nach dem Impfausweis fragen oder DMP-Bögen ausfüllen. Damit leisten MFA einen entscheidenden Beitrag zur Prävention der Patienten.

Monika Rueb vom Verband medizinischer Fachberufe (VmF) ging in ihrem Vortrag auf die Möglichkeiten der MFA beim Thema Prävention ein. Rueb ist stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands West beim VmF und ermutigte die Anwesenden, sich auf dem Gebiet der Prävention fortzubilden – etwa als Impfassistentin. Das helfe nicht nur dem Chef. „Sie können sich dadurch gezielt beruflich weiterentwickeln, eigenständiger arbeiten und durch die Zusatzqualifikationen letztendlich auch mehr Geld verdienen“, betonte Rueb.

Das Bild zeigt eine Frau, die mit ihren Händen Stopp signalisiert.

Körperliche Gewalt gegen Praxispersonal ist zum Glück ein seltenes Phänomen. Verbale Attacken sind wesentlich häufiger. Wenn sich Angriffe nicht kommunikativ beherrschen lassen und die Situation kritisch wird, sollte man den Raum verlassen - oder sich im Extremfall wehren.

Die eigene Prävention sollten MFA aber auch nicht außer Acht lassen. Das wurde in der Veranstaltung immer wieder betont. So sei es zum Beispiel wichtig, auf die richtige Sitzhaltung am Schreibtisch zu achten, betonte Rueb. Präventionsprogramme der Krankenkassen sollten MFA nicht nur ihren Patienten empfehlen, sondern auch selbst in Anspruch nehmen, wenn sie die Programme interessieren. Darauf wies Christine Witte von der Barmer hin. Das Angebot sei vielfältig und reiche von Rückenschulungen über Entspannungs-Kurse bis hin zur Raucherentwöhnung.

Prävention von Gewalt

Im weiteren Verlauf der Fortbildung ging es auch um das Thema Gewalt in Arztpraxen. Hier spielen MFA ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Prävention. In der Öffentlichkeit ist das Thema kaum bekannt, aber für Ärzte und MFA fast alltäglich. Das zeigen die Ergebnisse des jüngsten Ärztemonitors, einer der bundesweit größten Befragungen ambulant tätiger Ärzte und Psychotherapeuten.

Danach ereignen sich täglich 75 Fälle von körperlicher Gewalt in deutschen Arztpraxen, über 2.800 Fälle verbaler Art. Die Zahlen sind hoch, doch neu ist das Thema nicht. Bernd Zimmer, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, sagte zu Beginn der Veranstaltung, dass er schon vor 30 Jahren mit dem Thema in der Praxis konfrontiert wurde – aller dings nicht in diesem Ausmaß.

Die Ursachen für Gewalt in der Praxis können vielfältig sein. Das wussten auch die Besucher der Fortbildung: Gestresste Patienten, lange Wartezeiten, wenig Zeit, die Übebringung schlechter Nachrichten – oder das Nicht-Ausfüllen der Krankmeldung sind hier Beispiele. Problematisch seien oftmals auch alkoholisierte Patienten. Damit haben Praxen im Rheinland besonders zur Karnevalszeit zu tun oder wenn im Ort oder im Umland der Praxis Schützenfeste und ähnliche Veranstaltungen stattfinden.

Techniken zur Deeskalation

Körperliche Gewalt in der Praxis in Nordrhein

Die Grafik zeigt Tortendiagramme zum Thema Gewalt in der Praxis.
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Beim Ärztemonitor 2018 von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und NAV-Virchow-Bund wurden Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten telefonisch befragt - darunter waren 672 nordrheinische Praxen.

In entsprechenden Situationen sind MFA oft als Erste gefragt, zu handeln. Kerstin Freitag und Lars Alsbach aus dem Bereich Psychiatrische Pflege von der Fachhochschule der Diakonie Bielefeld zeigten Techniken der Deeskalation auf. Häufig könne man die Situation mit der Art der Kommunikation schon entschärfen, zum Beispiel Verständnis für den Unmut eines Patienten signalisieren oder ihm eine unangenehme Situation erklären. Wenn der Patient zum Beispiel weiß, dass er aufgrund eines Notfalls länger warten muss, ist er oft nicht mehr so ungehalten und akzeptiert die Situation eher, so die Referenten.

Hilft das nicht, sollten MFA aber auch in Erwägung ziehen, in kritischen Situationen den Raum zu verlassen oder Kollegen hinzuzuziehen. In extremen Situationen dürfe man sich auch wehren. „Wenn ich mich schon im Schwitzkasten befinde, darf ich auch mal dahin schlagen, wo es weh tut“, sagte Alsbach. Wichtig sei, Deeskalationstechniken zu trainieren. In Fällen von tatsächlicher Gewalt sei vor allem die Nachsorge bedeutsam. Man solle gewalttätige Vorfälle im Team besprechen und – wenn nötig – auch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Simone Heimann