Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Pilotprojekt zur intersektoralen Fortbildung: Schulungsphase von InterKultKom beendet

14.11.2018 KVNO aktuell, Praxisinfos

Die Fortbildungsreihe „InterKultKom” soll die Versorgung von Patienten aus anderen Kulturen erleichtern – mit besserer Interaktion zwischen unterschiedlichen Gesundheitsberufen und -sektoren. Nach Abschluss des Pilotprojekts im September 2018 zeigen erste Rückmeldungen, dass sich der Umgang der Schulungsteilnehmer mit Patienten aus anderen Kulturen bereits verändert hat.

Thema des letzten Moduls von InterKultKom in Würselen war der Umgang mit Gewalt, Trauma, Schmerz, Tod und Trauer in unterschiedlichen Kulturen. Die Teilnehmer lernten, dass im Umgang mit Traumapatienten kulturelle Besonderheiten zu berücksichtigen sind.

Dr. med. Guido Flatten, Facharzt für Allgemeinmedizin und Psychosomatik, wies darauf hin, dass wahrscheinlich zwischen 10 und 45 Prozent der Flüchtlinge posttraumatische Belastungsstörungen entwickeln. „Auch seelische Wunden brauchen einen Verband“, so Flatten. Durch eine gezielte psychotraumatologische Versorgung kann der Umgang mit einem traumatischen Ereignis deutlich verbessert werden.

Das Bild zeigt die Moderatoren der Veranstaltung InterKultKom.

Zu sehen sind die Moderatoren der Veranstaltung (v. l.): Christoph Finkeldey, Dr. med. Martina Levartz, Serin Alma, Susanne Kiepke-Ziemes, Veronika Schönhofer-Nellesen, Dr. med. Vasiliki Böllinghaus-Nikolaou.

Serin Alma vom Verband medizinischer Fachberufe stellte Trauerrituale im muslimischen Glauben vor. Hier wurde deutlich, dass es durchaus viele Ähnlichkeiten in verschiedenen Glaubensrichtungen gibt, die zum Teil nur rituell anders gelebt und durchgeführt werden.

Evaluation läuft

InterKultKom wurde entwickelt, um die Kommunikation im Gesundheitswesen über die Sektoren- und Berufsgrenzen hinweg zu fördern. Ein interprofessionelles und kulturübergreifendes Lernen trägt zur Verbesserung der späteren Zusammenarbeit bei, vergrößert die Wertschätzung unter den einzelnen Professionen und steigert die Versorgungsqualität für die Patienten.

Um die Auswirkungen der Schulungsmaßnahmen auf das Alltags- und Berufsleben der Beteiligten und die Nachhaltigkeit der kulturellen Öffnung zu erfragen, evaluiert die Universität Witten-Herdecke das Pilotprojekt. Die Teilnehmer beantworten Fragebögen jeweils vor Beginn der Schulungsmaßnahme, nach den durchgeführten Modulen und drei Monate nach Ende der Schulung.

Bisherige Rückmeldungen haben ergeben, dass sich im Laufe der Fortbildung bereits jeder Einzelne Gedanken über seine kulturelle Prägung und Haltung gemacht hat. Dadurch habe sich der Umgang mit anderen Kulturen im Gesundheitswesen zum Teil automatisch geändert. Ein Stück Sicherheit und vor allen Dingen Verständnis für die Vielfalt der Lebenskonzepte, aber auch für die vielen Gemeinsamkeiten hätten sich mitunter ganz von allein eingestellt.

Dr. Martina Levartz | Dr. Patricia Shadiakhy | Dr. Vasiliki Böllinghaus-Nikolaou