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Strukturfonds fördert Niederlassung: Versorgung verbessern

02.10.2018 KVNO aktuell

„Der Landarztmangel wird größer“, „Arzt verschenkt Praxis“ – bekannte Schlagzeilen der letzten Monate beschreiben die Herausforderung fehlenden ärztlichen Nachwuchses gerade in ländlichen Gebieten. Bereits heute gibt es in Nordrhein 252 offene Hausarztsitze, die sich ungleichmäßig über die Region verteilen. Wo Versorgungsengpässe drohen, fördern die KV Nordrhein und die Krankenkassen in Nordrhein künftig Niederlassungen.

„Während Städte wie Köln, Düsseldorf oder auch Essen im hausärztlichen Bereich momentan für Neuniederlassungen gesperrt sind, wurden durch den Landesausschuss in seinem letzten Beschluss allein elf Hausarztsitze im Mittelbereich Gummersbach freigegeben“, verdeutlicht Dr. med. Frank Bergmann, Vorsitzender der KV Nordrhein, die Situation. Angesichts der Altersstruktur der niedergelassenen Allgemeinmediziner droht sich die Zahl der offenen Sitze absehbar noch zu vergrößern. Zwar sieht die Situation in anderen Facharztgruppen in Nordrhein momentan noch besser aus, jedoch ist auch hier davon auszugehen, dass Praxisübergaben schwieriger werden.

Die Grafik zeigt die Fördergebiete des Strukturfonds in Nordrhein, Stand September 2018
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Die rot eingefärbten Bereiche sind die Fördergebiete des Strukturfonds in Nordrhein. In diesen Gebieten werden zum Beispiel Neugründungen, Übernahmen und Anstellungen von Hausärzten mit bis zu 70.000 Euro gefördert.

Um dieser Herausforderung entgegenzutreten, hat die Vertreterversammlung der KV Nordrhein im November 2017 beschlossen, die gesetzliche Möglichkeit eines Strukturfonds (Paragraf 105 Absatz 1a Sozialgesetzbuch V) zu nutzen und diesen zum 1. Januar 2018 einzurichten. Das Gesetz ermöglicht, bis zu 0,1 Prozent der Gesamtvergütung in einen gesonderten Fonds zu überführen. Anschließend sind die Krankenkassen verpflichtet, den gleichen Betrag zusätzlich in den Fonds einzuzahlen, wobei über die Verwendung der Mittel ausschließlich von der KV entschieden wird. „Die Mittel des Strukturfonds ermöglichen es uns, flexibel und zielgerichtet dort zu fördern, wo wir bereits heute viele offene Sitze haben oder diese in absehbarer Zeit haben werden“, erläutert Bergmann.

Gezielte finanzielle Förderung

Mit dem bereitgestellten Geld können Niederlassungen gezielt finanziell bezuschusst werden, um Anreize hierzu gerade in schlechter versorgten Gebieten zu setzen. Die Ziele des Fonds: dauerhaft die ambulante Versorgung in der gesamten Region Nordrhein sicherzustellen, Unterversorgung flächendeckend zu vermeiden und nicht zuletzt die Weitergabe langjähriger Praxen an jüngere Nachfolger zu unterstützen.

Seit der Einrichtung des Fonds zu Beginn des Jahres wurde das Projekt Strukturfonds innerhalb der Verwaltung der KV Nordrhein intensiv vorangetrieben. In verschiedenen Arbeitsgruppen wurden Förderinstrumente und begleitende Konzepte erarbeitet. Gleich zum Start des Projekts machte sich die Gruppe Gedanken darüber, wo der Förderbedarf in Nordrhein am höchsten ist.

Förderinstrumente

Das Icon symbolisiert die Investitionskostenzuschüsse
  • Investitionskostenzuschüsse

Gefördert wird pro Fördergebiet
eine vorgegebene Anzahl an

  • Neugründungen und Übernahmen von hausärztlichen Praxen mit maximal 70.000 Euro,
  • Anstellungen von Hausärzten mit maximal 70.000 Euro,
  • Eröffnungen hausärztlicher Zweigpraxen mit maximal 10.000 Euro.
  • Die Förderung wird an die Verpflichtung geknüpft, mindestens fünf Jahre im Fördergebiet tätig zu sein.
Das Icon symbolisiert die Investitionskostenzuschüsse
  • Förderung von Hospitationen

Gefördert werden einmalige Hospitationen in

  • n hausärztlichen Praxen mit maximal 5.400 bzw. 6.000 Euro bei Praxen in Fördergebieten,
  • Praxen der fachärztlichen Grundversorgung in Facharztgruppen, bei denen die Weiterbildung in Nordrhein nach Paragraf 75a SGB V gefördert wird, mit maximal 5.400 Euro,
  • Fördervoraussetzungen:
  • approbierter Arzt,
  • der noch nicht vertragsärztlich tätig war und noch keinen Antrag auf Zulassung/Anstellung gestellt hat;

Hausärzte im Fokus

Angesichts der großen Zahl offener Sitze im hausärztlichen Bereich soll die Förderung zunächst vor allem in dieser Arztgruppe zum Einsatz kommen. Dort bedurfte es einer Auswahl von Planungsbereichen für die hausärztliche Versorgungsebene (Mittelbereiche), deren Versorgungslage im Nordrhein-Vergleich sich als besonders gravierend darstellt.

Die Grafik zeigt die neue Webseite arzt-sein-in-nordrhein.de

Ende Oktober geht die neue Seite rund um die Niederlassung in Nordrhein online. Ärzte berichten hier über ihren Weg in die Niederlassung, daneben gibt es viele kompakte Infos über Förderung und Beratung.

„Der Indikator des Versorgungsgrads aus der Bedarfsplanungsrichtlinie beschreibt nur den momentanen Ist-Zustand“, erläutert Caroline von Prittwitz, Leiterin der Abteilung Sicherstellung der KV Nordrhein. Dies bedeute konkret, dass eine 40-jährige Ärztin, die voraussichtlich noch einige Jahrzehnte in der Versorgung bleiben wird, äquivalent in den Versorgungsgrad einfließt wie ein 68-jähriger Arzt, der sehr konkret über seinen Ruhestand nachdenkt. Daher wird bei der Festlegung der Fördergebiete zusätzlich noch die Altersstruktur der Ärzte in der Region berücksichtigt.

Dies führt bereits zu einem veränderten Ranking der Mittelbereiche, woraus sich schließen lässt, dass die Altersstruktur der Ärzte in den nordrheinischen Mittelbereichen nicht überall gleich ist. Übrig blieben am Ende rund 20 Mittelbereiche, die zum Start des Strukturfonds als besonders förderrelevant angesehen werden. „Wir werden diese Liste fortlaufend beobachten und zwei Mal pro Jahr aktualisieren, um Veränderungen durch Neuniederlassungen, Übernahmen oder Praxisschließungen Rechnung zu tragen“, sagt von Prittwitz.

Neugründungen und Anstellungen

In diesen Fördergebieten können künftig Investitionskostenzuschüsse beantragt werden. Unterstützt werden sollen damit Praxisübernahmen und Neugründungen von Praxen im hausärztlichen Bereich, aber auch Anstellungen von Allgemeinmedizinern in bereits existierenden Praxen werden damit gefördert.

Die maximale Fördersumme beträgt bei vollen Zulassungen 70.000 Euro. Auch werden Eröffnungen von Zweigpraxen in diesen Fördergebieten in besonders begründeten Einzelfällen mit maximal 10.000 Euro bezuschusst. Zudem wird die KV Nordrhein gleich zum Start des Strukturfonds Hospitationen von Nachwuchsmedizinern in Praxen nordrheinischer Vertragsärzte finanziell unterstützen. Ziel dieser Hospitationen ist, dass junge Ärzte eine bestimmte Praxis kennenlernen und sich dann unter Umständen für den Einstieg als Angestellte oder die Übernahme der Praxis entscheiden.

Statements

»Der Strukturfonds ist ein erstes gutes Gestaltungsmittel neben den starren Instrumenten wie der Bedarfsplanung, die medizinische Versorgung in Nordrhein sicherzustellen. «

Das Foto zeigt Dr. med. Oliver Funken, 2. Vorsitzender des Hausärzteverbandes Nordrhein

Foto: Jochen Rolfes

 
Dr. med. Oliver Funken
2. Vorsitzender des Hausärzteverbandes Nordrhein

»Mit dem Strukturfonds können wir flexibel auf regionale Versorgungsprobleme reagieren, den medizinischen Nachwuchs fördern und die Attraktivität einer Landarztpraxis erhöhen. «

Das Foto zeigt Barbara Steffens, Leiterin der TK-Landesvertretung Nordrhein-Westfalen

Foto: TK

Barbara Steffens
Leiterin der TK-Landesvertretung Nordrhein-Westfalen

»Ich freue mich sehr darüber, dass die KV Nordrhein und die Krankenkassen einen Strukturfonds zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung eingerichtet haben. Vor allem im hausärztlichen Bereich ist es wichtig, mit finanziellen Anreizen zu versuchen, drohende Versorgungslücken zu verhindern. «

Das Foto zeigt Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Foto: MAGS NRW

Karl-Josef Laumann
Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Bis zu 6.000 Euro für Hospitation

„Analog zur Förderung der Facharztweiterbildung nach Paragraf 75a des Sozialgesetzbuchs Fünf werden wir uns dabei auf hausärztliche Praxen und Praxen einiger Facharztgruppen der allgemeinen fachärztlichen Versorgung konzentrieren. Bei diesen Facharztgruppen werden wir angesichts der Altersstruktur spätestens mittelfristig einen besonderen Bedarf an Nachwuchs haben“, sagt Bergmann. Grundsätzlich wird eine einmonatige Hospitation mit 5.400 Euro durch die KV gefördert. Bei Hospitationen in hausärztlichen Praxen in den Fördergebieten wird sich der Betrag auf 6.000 Euro erhöhen, um eine regionale Lenkungswirkung in besonders relevante Gebiete zu erzielen.

„Wir werden unsere Hospitationsförderung gerade Kommunen in den Förderregionen vorstellen und anregen, dass sich örtliche Gemeinden oder Kreise mit einem ergänzenden Hospitationsmodell anschließen“, erläutert Caroline von Prittwitz. Dies könnte zum Beispiel ein Kennenlernen der Region, aber auch die Bereitstellung einer Unterkunft für die Zeit der Hospitation umfassen. So könnte dann auch frühzeitig die Bindung an die Region erzeugt und die Entscheidung zum Bleiben positiv beeinflusst werden.

Weitere Maßnahmen in Vorbereitung

Im Laufe des Jahres wird die KV Nordrhein noch weitere Fördermaßnahmen an den Start bringen, die sich derzeit in der Konzeption befinden. Beispielsweise wird die KV Nordrhein auch bereits in früheren Phasen der Arztkarriere für die Niederlassung werben, etwa durch eine Förderung der Famulatur. In Verbindung mit bereits bestehenden Formaten wie der Förderung der Weiterbildung nach Paragraf 75a SGB V und dem Hausarztaktionsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen ist Dr. med. Frank Bergmann zuversichtlich, künftig ein starkes Portfolio an zielgerichteten Fördermaßnahmen anbieten zu können: „Gerade zum Hausarztaktionsprogramm des Landes NRW, bei dem auch Niederlassungen von Hausärzten gefördert werden, bieten unsere Instrumente eine sehr gute Ergänzung und gehen zum Teil auch deutlich darüber hinaus.“

Während das Programm des Landes nur Praxen in Gemeinden mit maximal 40.000 Einwohnern fördert, spielt die Größe der Kommune bei den Förderungen der KV Nordrhein keine Rolle. „Wir orientieren uns ausschließlich an der Versorgungssituation. Gerade in Nordrhein, das geprägt ist durch die Großstädte in der Rheinschiene und die Mittel- und Kleinstädte in den Regionen, ist diese Vorgehensweise relevanter für Niederlassungspläne junger Mediziner“, erläutert Bergmann.

Ab Oktober können interessierte Ärzte die er­sten Fördermaßnahmen beantragen. Um diese einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen, aber auch um ganz allgemein die Niederlassung in Nordrhein als eine herausragende Karriereperspektive für junge Ärzte zu präsentieren, erstellt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein momentan auch eine neue, eigenständige Website. Bergmann: „Wir glauben, dass wir mit unseren Fördermaßnahmen die Versorgung in unserer Region spürbar verbessern und proaktiv Unterversorgung entgegentreten können.“

Dr. Johannes Martin

Kontakt

Laura Erne
ist Ansprechpartnerin für alle aktuellen und zukünftigen Mitglieder für Fragen zu Förderanträgen.
Dr. Johannes Martin
ist Ansprechpartner für Kommunen und Landkreise bei Fragen zur Förderung der ambulanten Versorgung.
Telefon 0211 5970 8892
E-Mail
Telefon 0211 5970 8824
E-Mail
Das Foto zeigt Laura Erne, KV Nordrhein
Das Foto zeigt Dr. Johannes Martin, KV Nordrhein
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