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Medizinstudenten in die Hausarztpraxen: Lehren und gewinnen

02.10.2018 KVNO aktuell

Hausärzte sind eingeladen, ihr Wissen mit der nächsten Generation zu teilen und dabei ihrerseits von den Anregungen und Fragen angehender Ärzte zu profitieren. Als wichtiger Bestandteil im Masterplan Medizinstudium 2020 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sollen Praktika von Studierenden in hausärztlichen Praxen gestärkt werden.

Immer weniger junge Kollegen entscheiden sich für die Allgemeinmedizin, ältere Hausärzte suchen vergeblich nach Nachfolgern und in vielen – vor allem ländlichen – Gebieten Nordrhein-Westfalens droht die Unterversorgung mit Hausärzten. Es ist daher gut und richtig, dass die Gesundheitspolitik sich mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 auch eine Stärkung der Allgemeinmedizin und der Ausbildung in der hausärztlichen Praxis auf die Fahnen geschrieben hat.

Auszüge aus dem Masterplan Medizinstudium 2020

„Die Allgemeinmedizin muss in der Ausbildung den Stellenwert erhalten, der ihr in der Versorgung zukommt. […] Strategien zur Langzeitversorgung chronisch Kranker, der Umgang mit Multimorbidität, gesetzliche Früherkennungsuntersuchungen, Hausbesuche, Familienmedizin und die Versorgung in Alten- und Pflegeheimen können nur in der Allgemeinmedizin vermittelt werden. Allgemeinmedizin ist damit für alle Studierenden wichtig.“
An die Stelle der drei PJ-Tertiale treten vier PJ-Quartale, von denen eines im ambulanten vertragsärztlichen Bereich zu absolvieren ist.

„Der longitudinale Aufbau der Allgemeinmedizin wird im Medizinstudium verankert, durch zum Beispiel regelmäßig wiederkehrende Hospitationen in allgemeinmedizinischen Praxen von Beginn des Medizinstudiums an.“

Das Medizinstudium im Wandel

Vielen Neuerungen liegt die Erkenntnis zugrunde, dass im Studium nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch eine Sozialisierung stattfinden sollte. In der Vergangenheit haben angehende Ärzte in den ersten Studienjahren Patienten lediglich als anatomisches Präparat gesehen und sind in der zweiten Studienhälfte fast ausschließlich Schwerkranken in Kliniken begegnet, während die hausärztliche Medizin in Vorlesungen und Seminaren kaum repräsentiert war. Dies hat Spuren hinterlassen – sowohl bei der Wahrnehmung der eigenen Arztrolle als auch beim Blick auf Patienten und Kollegen anderer Fächer.

Künftig können die angehenden Mediziner dagegen schon früh in der Hausarztpraxis lernen und üben, die vielen Herausforderungen zu beherrschen, die die Arztrolle mit sich bringt –nicht zuletzt, wie man Patienten ganzheitlich begleitet und mit den unterschiedlichen Akteuren im Gesundheitswesen effektiv kooperiert. Eine solche patienten-zentrierte Sozialisierung ist ein Kernelement für die Konzeption des Medizinstudiums 2020, und sie stellt die Weichen für Wahrnehmung, Wertschätzung und Respekt in der Beziehung zwischen Arzt und Patient. Die Allgemeinmedizin findet sich in der Approbationsordnung mittlerweile auf Augenhöhe mit den anderen großen Fächern. Dies drückt sich in erhöhten Ausbildungszeiten in hausärztlichen Praxen sowie in dem geplanten verpflichtenden Prüfungsfach Allgemeinmedizin im Dritten Staatsexamen aus.

Warum Lehrarzt werden?

» … weil ich so in Kontakt mit dem medizinischen Nachwuchs und allem neuen Wissen bleibe. «

Olaf Reddemann, Hausarzt, Köln

» … weil ich Studierenden vermitteln möchte, dass in der Hausarztmedizin jeden Tag der Mensch im Mittelpunkt steht. «

Birgitta Weltermann, Direktorin des Instituts für Hausarztmedizin, Bonn

» … weil das beste Qualitätsmanagement in meiner Praxis ein Student ist, der mich beständig fragt: ‚Warum machen Sie das so?’ «

Elisabeth Gummersbach, Hausärztin, Duisburg

» … weil die Studierenden mein ärztliches Vorgehen hinterfragen und dadurch bereichern. «

Inken Blank, Hausärztin, Duisburg

» … weil ich junge Menschen für die Hausarztpraxis begeistern und so dazu beitragen kann, die ambulante Versorgung für die Zukunft zu sichern. «

Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein und Hausarzt, Düsseldorf

Geben und nehmen in der Lehrpraxis

Die Ausbildung in der Lehrpraxis lohnt sich auch für den Lehrarzt: Damit sind nicht die 120–150 Euro pro Woche gemeint, die für einen täglichen Mehraufwand von etwa einer halben Stunde eine eher symbolische Entschädigung darstellen. Vielmehr sind es vor allem die eigene Freude an der Weitergabe von Erfahrung, die Anregungen durch den Kontakt mit jungen Kollegen sowie die Reflexion manchmal eingefahrener Routinen, die motivieren.

Erste Kontakte zu späteren Weiterbildungsassistenten oder gar Nachfolgern können so geknüpft werden. Auch viele Patienten wissen das Siegel einer akkreditierten "Akademischen Lehrpraxis der Universität XY" zu schätzen. Nicht zuletzt bieten die Institute für Allgemeinmedizin – je nach Ort in unterschiedlichen Formaten – regelmäßige Treffen und Fortbildungen an, die von den Lehrärzten gern als Austauschmöglichkeit genutzt werden.

In wie vielen Wochen Studierende in seiner Praxis lernen dürfen, bestimmt dabei jeder Arzt von Semester zu Semester neu. Im Som mersemester zum Beispiel werden allein in Düsseldorf bis zu 1 200 Studierende aus mehreren Studienjahren auf Akademische Lehrpraxen verteilt. Sowohl hier als auch für die anderen Standorte gilt: Zahlreiche weitere Praxen wären in Stadt und Umland willkommen, um die Auslastung der Praxen in solchen Spitzenzeiten zu reduzieren sowie vielen Studierenden für sie günstig gelegene Praxen anbieten zu können. Interessierte Hausärzte können sich bei der nächstgelegenen universitären Allgemeinmedizin melden.

Prof. Dr. med. Jürgen in der Schmitten, MPH
Prof. Dr. med. Stefan Wilm (Direktor)
Institut für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Sie wollen Lehrarzt werden?

Bitte wenden Sie sich an die universitäre Allgemeinmedizin der nordrheinischen Medizinischen Fakultäten:

Die Grafik zeigt das Logo der Uniklinik RWTH Aachen Aachen 0241 808 8093
amed-sekretariat@ukaachen.de
Die Grafik zeigt das Logo der Universitätsklinik Bonn Bonn/Siegen 0228 2871 1156
hausarztmedizin@ukbonn.de
Die Grafik zeigt das Logo der Universitätsklinik Düsseldorf Düsseldorf 0211 811 7771
alice.krahe@med.uni-duesseldorf.de
Die Grafik zeigt das Logo der Universitätsklinik Essen Essen 0201 723 8020
ulrike.storb@uk-essen.de
Die Grafik zeigt das Logo der Universitätsklinik Köln Köln 0221 4788 8848
angelika.bergrath@uk-koeln.de