Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Lehrpraxis in Rheinberg-Orsoy: Praktikum beim Hausarzt

02.10.2018 KVNO aktuell

Ramin Nadjmabadi hat seit 2012 eine Praxis für Allgemeinmedizin im Rheinberger Stadtteil Orsoy bei Duisburg. Seit 2013 können nicht nur Patienten seine Praxis besuchen, sondern auch Studierende dort viel lernen.

Nadjmabadi hat sich 2012 als Hausarzt am Niederrhein niedergelassen. Um nicht als Einzelkämpfer auf dem Land zu praktizieren, lies er seine Praxis 2013 als Akademische Lehrpraxis durch die Uniklinik Düsseldorf akkreditieren.

Der 50-Jährige hat alle Voraussetzungen dafür erfüllt und bisher schon rund zehn Studenten betreut. „Seit 2013 kommt meist alle zwei bis drei Monate für ein bis zwei Wochen ein Studierender zu uns – außer Anfang des Jahres wegen unseres Praxisumzugs“, erzählt Nadjmabadi.

Idyllisch gelegene Landpraxis

Die neue Praxis von Nadjmabadi liegt in einem kleinen Haus inmitten einer Wohnstraße und ist modern und hell gestaltet. Wer in das Sprechzimmer kommt, schaut sofort durch ein großes Fenster in einen dicht bepflanzten Garten. Direkt davor steht Nadjmabadis Schreibtisch.

In dieser Idylle beginnen Studenten ihr Praktikum in der Orsoyer Praxis. Der erste Tag besteht vor allem aus einer Aufgabe: Mitlaufen. „Gemäß den Regelungen des Düsseldorfer Reformstudienganges kommen sowohl Studierende aus dem ersten als auch aus den fortgeschrittenen klinischen Semestern zu uns. Dementsprechend bringen sie unterschiedliches Wissen und Erfahrungen mit.“

Das Foto zeigt Ramin Nadjmabadi, Allgemeinmedizin im Rheinberger Stadtteil Orsoy

Der Rheinberger Hausarzt lebt selbst in Duisburg, genießt aber die Vorteile seiner Landarztpraxis mit Garten in Rheinnähe.

Bereits ab dem zweiten Tag dürfen die Studenten Patienten selbst untersuchen und je nach Kenntnisstand eine Diagnose und Behandlung vorschlagen. „Wir handhaben das meist so, dass wir, nachdem unsere Patienten ihr Einverständnis signalisiert haben, in getrennten Räumen parallel Patienten untersuchen.“ Nach der Untersuchung durch den Studenten lässt sich Nadjmabadi den Fall präsentieren und bespricht ihn. „Mitunter haben die Studenten auch diagnostische Kolibris im Kopf. Dann fällt ihnen bei grippaler Symptomatik nicht ein grippaler Infekt ein, dafür aber der Hantavirus und die entsprechende ausufernde Diagnostik“, so der Hausarzt.

Neben der Arbeit in der Praxis lernen die Studenten auch die Haus- und Pflegeheimbesuche kennen. Zudem werden Fälle nachbesprochen und Fragen beantwortet. Dadurch verschiebt sich der Feierabend des Allgemeinmediziners meist um etwa 30 bis 60 Minuten pro Tag nach hinten. „Das ist aber nicht weiter schlimm und für die Dauer von ein bis zwei Wochen alle paar Monate auch kein Problem“, erklärt er.

Zu den größten Aha-Momenten für die Studenten zählen: Diagnosen können auch ohne großen apparativen Aufwand gestellt werden, und das teilweise fast freundschaftliche Verhältnis zu den Patienten, die zum Großteil direkt aus dem Ort stammen. „Für mich ist es immer wieder schön zu sehen, was da für warmherzige, intelligente und engagierte Menschen in die Praxis kommen“, sagt Nadjmabadi.

Gegenseitiges Lernen

„Ich habe die Praxis aus drei Gründen als Lehrpraxis akkreditieren lassen. Zunächst, um den Anschluss an die Uniklinik zu halten, denn als Arzt in einer Einzelpraxis muss man sich regelmäßig austauschen. Aber auch, damit mein eigenes Wissen durch die Studenten lebendig bleibt. Und es macht sich gut, wenn auf dem Praxisschild ‚Akademische Lehrpraxis‘ steht“, sagt Nadjmabadi lachend. Außerdem mache die Arbeit mit den Studenten großen Spaß.

Marscha Edmonds