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Honorarvereinbarung auf Bundesebene: Vergütung von Hausbesuchen ausgeklammert

02.10.2018 Honorar, KVNO aktuell

Am 21. August stand das Ergebnis der Honorarverhandlungen fest: Durch den Anstieg des Orientierungspunktwerts und unter Berücksichtigung der Veränderungsrate bei der Morbidität stehen für die Vergütung der Niedergelassenen 2019 rund 620 Millionen Euro mehr zur Verfügung. Berücksichtigt sind dabei auch Mehrkosten der Praxen zum Beispiel für Personal und die neue Datenschutz-Grundverordnung.

Noch kurz zuvor hatte es so ausgesehen, als läge eine Einigung in Berlin in weiter Ferne: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte eine Anhebung des Orientierungswertes, der für das Honorar ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen maßgeblich ist, um etwa 4,7 Prozent gefordert. Das Angebot des GKV-Spitzenverbandes lag bei 0,2 Prozent.

Die Einigung erfolgte dennoch schneller als erwartet – dafür war entscheidend, dass die Verhandlungspartner das umstrittene Thema Hausbesuche aus den Verhandlungen herauslösten. Die KBV hatte ursprünglich eine Steigerung der Vergütung um 45 Prozent in Form extrabudgetärer Zuschläge zu allen Gebührenordnungspositionen gefordert, mit denen ärztliche Besuche berechnet werden. Jetzt soll eine höhere Vergütung von Hausbesuchen im Rahmen der EBM-Weiterentwicklung verhandelt werden.

So einigten sich am 21. August die KBV und der Spitzenverband Bund der Krankenkassen im Erweiterten Bewertungsausschuss auf folgenden Kompromiss: Der Orientierungswert, der aktuell bei 10,6543 Cent liegt, wird im kommenden Jahr um 1,58 Prozent steigen – dies entspricht rund 550 Millionen Euro.

Die Veränderungsrate für die Morbidität wird einen zusätzlichen Vergütungsumfang von rund 70 Millionen Euro umfassen. In Nordrhein fließen durch den Abschluss auf Bundesebene im kommenden Jahr rund 71 Millionen Euro mehr an Honorar – ohne Berücksichtigung der noch laufenden, regionalen Honorarverhandlungen für 2019.

Höhere Kosten geltend gemacht

In den Verhandlungen über den Orientierungswert hatte die KBV unter anderem die gestiegenen Kosten für Personal und Miete angeführt und neben den Preiskomponenten auch die hohen Mehrausgaben der Praxen geltend gemacht, die durch die Umsetzung verschärfter Hygienevorschriften und der Datenschutz-Grundverordnung entstanden sind. Diese Entwicklung wurde von beiden Seiten anerkannt.

Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender KV Nordrhein, begrüßte grundsätzlich die Einigung auf Bundesebene. „Man muss bei der Bewertung immer die komplexe Berechnungsgrundlage und den daraus resultierenden Korridor für eine Einigung betrachten. Es bleibt aber bei der Problematik eines dringend renovierungsbedürftigen EBMs sowie einer nicht hinreichend finanzierten morbiditätsbedingten Gesamtvergütung. Diese Probleme können nicht durch das Instrument jährlicher Honoraranpassungen gelöst werden.“

Dr. Heiko Schmitz