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Innovationsfonds: Neue Software für den Notfall

02.10.2018 KVNO aktuell

Die KV Nordrhein ist an einer ganzen Reihe von Projekten beteiligt, die vom Innovationsfonds gefördert werden. Eines davon heißt „Demand“ und greift eines der drängendsten Probleme in der Notfallversorgung auf: die unzureichende Patientensteuerung. Mit einer neuen Software soll eine standardisierte Ersteinschätzung am Telefon oder in den Notdienstpraxen möglich werden.

Das Problem ist bekannt: Die steigende Inanspruchnahme von Notaufnahmen auch in Bagatellfällen verstopft die Ambulanzen – und blockiert Ressourcen für echte Notfälle. Gelöst werden soll das Problem, auch nach dem Willen des Gesetzgebers, durch eine engere, sektorenübergreifende Zusammenarbeit, zum Beispiel in „Portalpraxen“ an Krankenhäusern. Doch auch dort besteht die Herausforderung darin, an der „Erstkontaktstelle“ zügig und zutreffend den Behandlungsbedarf einzuschätzen.

„Demand“-Projekt

Das am 1. Mai 2018 offiziell gestartete Versorgungsforschungsprojekt wird für drei Jahre mit ca. 3,7 Millionen Euro gefördert. Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) fördert ein entsprechendes Evaluationsprojekt unter der Leitung des aQua-Instituts. Die Software SmED wird ab dem ersten Quartal 2019 auf dem Gebiet elf Kassenärztlicher Vereinigungen an rund 30 Standorten eingesetzt und evaluiert. Eine Studie soll klären, wie effektiv die Steuerung funktioniert. Dabei sollen alle Patienten, die in der Modellregion an einer Erstkontaktstelle den unterschiedlichen Versorgungssettings zugeteilt werden, in die Evaluation einfließen.

Eine standardisierte Ersteinschätzung soll dabei helfen, den Versorgungsbedarf festzustellen, damit Patienten dort versorgt werden, wo sie richtig sind – in den meisten Fällen also im ambulanten Bereich. Bisweilen mag auch eine telefonische Beratung ausreichen, zum Beispiel unter der 116117, der bundesweiten Hotline für den ambulanten Notdienst, deren Anrufe in Nordrhein in der Arztrufzentrale NRW in Duisburg eingehen. „Wir wollen die Software bis zum Jahresende implementieren“, sagt Dr. Michael Klein, Geschäftsführer der Arztrufzentrale NRW. „Das Tool verbessert die Patientensteuerung, aber auch die Patientensicherheit.“

Klare Empfehlung

Hilfsmittel bei der Ersteinschätzung ist die Software SmED (Strukturiertes medizinisches Ersteinschätzungsverfahren für Deutschland), die auf einem bereits funktionierenden System in der Schweiz aufsetzt und für den Einsatz in Deutschland angepasst wird. Die Software kann überall dort eingesetzt werden, wo sich Patienten melden – in der Arztrufzentrale, aber auch in Notdienstpraxen. Dem Patienten werden Fragen gestellt und seine Beschwerden eingeschätzt. „SmED basiert auf einem evidenzbasierten System, mit dem Patientenbeschwerden hinsichtlich ihrer Dringlichkeit und der richtigen Versorgungsebene zur weiteren Abklärung ihres Anliegens eingeschätzt werden können.

Die Patienten erhalten eine Empfehlung: sofort ins Krankenhaus, Termin beim niedergelassenen Arzt reicht aus oder Hausmittel verschaffen Linderung. Neben der Einordnung der Beschwerden bietet SmED auch eine Dokumentation für die Behandlung“, erklärt Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). In Nordrhein wird die Software neben der Arztrufzentrale noch an drei Modellstandorten beziehungsweise in drei Notdienstpraxen zum Einsatz kommen: in Düsseldorf, Neuss und Grevenbroich.

Dr. Heiko Schmitz

Dr. Gerhard Steiner; Foto: privat

Dr. med. Gerhard Steiner ist Allgemeinmediziner und Vorsitzender der KVNO-Kreisstelle im Rhein-Kreis Neuss, wo in zwei Notdienstpraxen die neue Software getestet wird.

„Wir wollen im Frühjahr 2019 starten“

Herr Dr. Steiner, warum begrüßen Sie das „Demand”-Projekt?

Es ist ein Versuch, die Ersteinschätzung auf solidere statistische und fachliche Beine zu stellen, was ich sehr gut finde. Die rasche Abklärung ist entscheidend für eine effiziente und bedarfsgerechte Versorgung – und damit auch für das Gelingen der Zusammenarbeit zwischen ambulantem und stationärem Bereich vor Ort, also Notdienstpraxis und Krankenhausambulanz.

Was versprechen Sie sich von der Software SmED?

Wir alle kennen die Situation: Patienten treffen häufig und vielerorts auf Personal an einer Rezeption oder am Empfang, das mit einer Ersteinschätzung überfordert ist und in manchen Fällen sogar Fehleinschätzungen vornimmt oder Unruhe erzeugt. Da macht es Sinn, den Beteiligten ein standardisiertes Abfrageverfahren an die Hand zu geben, welches allen Sicherheit vermittelt.

Wann und wie soll das Projekt in den Notdienstpraxen starten?

Die Vorbereitungen dauern bis in diesen Herbst hinein, dann kennen wir den Zeitplan genauer. Starten wollen wir im Frühjahr 2019 in den Notdienstpraxen am Etienne-Krankenhaus in Neuss und am Elisabeth-Krankenhaus in Grevenbroich. Ich sehe seitens der Notfallpraxen kein Problem darin, das Projekt mit Leben zu füllen.

Das Gespräch führte Dr. Heiko Schmitz.