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Regressanträge im Sprechstundenbedarf

04.09.2018 KVNO aktuell, Verordnungsinfos

Mitte Juli sind in Nordrhein circa 3 000 Anträge wegen unzulässiger Verordnungen für das zweite Quartal 2017 versendet worden. Sie werden von der Rezeptprüfstelle Duderstadt im Auftrag der Krankenkassen gestellt und von der Prüfungsstelle versendet. KVNO aktuell sprach mit Dr. med. Oliver Funken, Vorsitzender des Beratenden Fachausschusses Hausärzte, über die Anträge.

Dr. med. Oliver Funken; Foto: Jochen Rolfes

Dr. med. Oliver Funken

Wie bewerten die Ärzte die hohe Zahl der Anträge?

Selbstverständlich sind die Kollegen über die Anträge verärgert. Diese sind ja nur ein Teil der "Informationen", die in den Praxen ankommen. Neben dem Verstoß gegen ein Regelwerk schwingt ja auch der latente Vorwurf mit, medizinisch etwas falsch gemacht zu haben.

Warum sind viele Kollegen verunsichert?

Der sprunghafte Anstieg der Anzahl der Anträge führt dazu, dass auch viele Praxen betroffen sind, die mit den Prüfverfahren innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung bisher noch nicht in Berührung gekommen sind. Die KV hatte zwar darüber informiert, dass die Prüfgrenze auf 30 Euro je Quartal abgesenkt wurde – aber man fragt sich, ob sich der Aufwand auch aus Sicht der Krankenkassen lohnt.

Zu den häufigsten Anträgen gehören Rheumasalben, aber auch Vitaminpräparate …

… und ich habe auch von Bachblüten gehört. Die Regelungen der Arzneimittel-Richtlinie sind auch im Sprechstundenbedarf (SSB) zu beachten. Ich wundere mich, dass sich der Ausschluss von Diclofenac-Gelen, Rheumasalben und Co., der schon seit 2009 gilt, noch nicht herumgesprochen hat. Aber es gibt auch Regressanträge zu Produkten, die eindeutig zum Sprechstundenbedarf gehören, etwa Mittel gegen Übelkeit in Ampullenform oder Dosieraerosole mit schnellem Wirkeintritt bei einem Asthmaanfall.

Wie sollten die Ärzte reagieren?

Ein Antrag ist noch kein Regress. Praxen können innerhalb einer Frist von zwei Wochen eine Stellungnahme abgeben, wenn sie den Einsatz der beantragten Mittel als Sprechstundenbedarf sehen und bestenfalls mit der gültigen SSB-Vereinbarung begründen können. Ohne Reaktion entscheidet die Prüfungsstelle "nach Aktenlage".

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Wir brauchen eine eindeutige Vereinbarung im SSB. Hier muss die Kassenärztliche Vereinigung mit den Krankenkassen verhandeln! Die jetzige Regelung lässt zu viele Interpretationen zu, die je nach Interessenlage ausgelegt werden. Ideal wäre eine Kontrolle direkt bei Verordnung im AIS-System. Kommt ein Antrag ein Jahr danach, weiß ich ja, dass für die noch folgenden vier Quartale der gleiche Antrag fällig ist, ohne etwas ändern zu können.

Das Gespräch führte Dr. Holger Neye.