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Ambulant ist günstiger

04.09.2018 KVNO aktuell

Die Kosten für Behandlungen, die sowohl stationär als auch ambulant möglich sind, weichen teilweise erheblich voneinander ab. Dies zeigt ein aktuelles IGES-Gutachten im Auftrag des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi).

Das Gutachten des Forschungs- und Beratungsinstituts für Infrastruktur und Gesundheit (IGES) vergleicht die Vergütung von vier Behandlungen: Diabetes mellitus, nicht schwere kardiale Arrhythmien, Schlafapnoe/Polysomnografie und gastroenterologische Erkrankungen.

Ambulant wird die Diabetesbehandlung mit 139 Euro (ohne Patientenschulung bei DMP) vergütet, während dafür im Krankenhaus am ersten Tag 520 Euro anfallen. Werden Diabetes-Patienten einen weiteren Tag im Krankenhaus behandelt, fallen laut Gutachten für diesen 2.299 Euro an. Kardiale Arrhythmien behandeln Niedergelassene für 289 Euro und Krankenhäuser für 646 Euro am ersten und 1.529 Euro am zweiten Tag.

Die Grafik zeigt die Vergütungsunterschiede ambulant und stationär; KVNO/Zi
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Vergütungsunterschiede ambulant und stationär

Fazit: Krankenhäuser erhalten für eine kurzzeitige stationäre Aufnahme eine deutlich höhere Vergütung als niedergelassene Ärzte. Die Ursachen für diese Vergütungsunterschiede liegen in den derzeitigen ökonomischen, organisatorischen und regulativen Rahmenbedingungen. So unterscheiden sich Personal- oder Sachkosten in beiden Sektoren und es gibt unterschiedliche Vergütungssysteme.

Dr. Dominik Graf von Stillfried, Leiter des Zi, plädiert mit Bezug auf das Gutachten für „eine
ortsunabhängige Gebührenordnung für alle ambulant durchführbaren Leistungen. Läge das Niveau der neuen Honorierung zwischen den derzeitigen Vergütungshöhen in den jeweiligen Sektoren, wäre es vor allem für Krankenhäuser in strukturschwachen Regionen finanziell attraktiver, ambulant behandelbare Fälle auch ambulant zu behandeln. Umgekehrt verringerte dies bei niedergelassenen Ärzten Anreize, Patienten ins Krankenhaus einzuweisen.

Sigrid Müller