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Telemedizin unterstützt Diabetes-Therapie

27.06.2018 KVNO aktuell

Menschen mit Typ-2-Diabetes können durch eine Änderung ihres Lebensstils den Behandlungserfolg häufig erheblich beeinflussen und Folgeerkrankungen vorbeugen. Die Umstellung von Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten ist daher fester Bestandteil der Diabetes­therapie. Das Innovationsfondsprojekt TeLIPro unterstützt Patienten mit Diabetes dabei, die Lebensstiländerung nachhaltig und erfolgreich umzusetzen.

Bei dem Telecoaching-Programm handelt es sich um ein niedrigschwelliges und patientenzentriertes Angebot. Ergänzend zur Routineversorgung werden die Patienten ein Jahr lang von Diabetesberatern (DDG) individuell und engmaschig begleitet. Ziel ist es, die Motivation der Teilnehmer zu stärken und die ärztliche Behandlung zu unterstützen.

Etwa sieben Millionen Erwachsene leiden in Deutschland an Diabetes mellitus, davon 95 Prozent an Typ-2-Diabetes. Übergewicht und mangelnde Bewegung sind wesentliche Risikofaktoren für die Entstehung der Erkrankung. Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine nachhaltige Lebensstilveränderung – mehr Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und die Reduzierung des Körpergewichts – den Verlauf eines bestehenden Typ-2-Diabetes positiv beeinflusst.

TeLIPro Logo

Patienten-Portal und Coaching

Eine umfassende Unterstützung und Begleitung der Patienten ist für eine nachhaltige Lebensstilveränderung sehr wichtig. Die Themen Ernährung, Bewegung und Sport sind daher essenzielle Bestandteile der strukturierten Patientenschulungen für Diabetiker. Das telemedizinische Lebensstil-Interventions-Programm (TeLIPro) ist ein ergänzendes niedrigschwelliges Angebot, das den behandelnden Arzt und den Patienten bei diesen Therapiebausteinen unterstützt. Das Programm fördert eine nachhaltige Umstellung der Lebensweise, um den Gesundheitszustand und die Lebensqualität der Patienten langfristig zu verbessern.

Ein modulares Programm bestehend aus einem onlinebasierten Gesundheitsmanagementportal, telemedizinischen Geräten (zum Beispiel Waage und Schrittzähler) und einem patientenzentrierten telefonischen Gesundheitscoaching hilft den Teilnehmern dabei, ihren Lebensstil nachhaltig zu verändern. Für die teilnehmenden Ärzte bietet das Programm eine Ergänzung ihrer Behandlung.

Die Wirksamkeit des Programms wird begleitend im Rahmen einer randomisierten, kontrollierten Studie untersucht. Die Verbesserung des HbA1c-Werts und eine mögliche Reduktion der notwendigen Diabetesmedikation sind die wichtigsten Gradmesser für den Erfolg. Die Studie misst außerdem den Effekt auf das Essverhalten, die körperliche Aktivität sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität.

Nutzen für die DMP-Weiterentwicklung

Die AOK Rheinland/Hamburg setzt das Programm als Konsortialführerin gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Telemedizin und Gesundheitsförderung und der KV Nordrhein um. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch das Deutsche Diabetes-Zentrum und das Institut für angewandte Versorgungsforschung. TeLIPro wird aus Mitteln des Innovationsfonds gefördert. Langfristig sollen die Studienergebnisse dazu genutzt werden, die Routineversorgung für Menschen mit Typ-2-Diabetes zu verbessern und das DMP Diabetes mellitus Typ 2 zielgruppenspezifisch weiterzuentwickeln.

„Die Lebensgewohnheiten dauerhaft zu verändern, ist für viele Patienten nicht leicht“, erklärt Dr. med. Matthias Kaltheuner, Diabetologe in Leverkusen und Vorstandsmitglied der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Jeder Patient braucht eine passgenaue Begleitung. Deshalb sind vielfältige Unterstützungsangebote sehr wichtig“, so Kaltheuner weiter.

Gemeinsam mit dem Teilnehmer vereinbart der Telefon-Coach individuelle Ziele, hilft bei Alltagsfragen und gibt Tipps, wie man zum Beispiel ohne viel Aufwand die tägliche Schrittzahl erhöhen kann. „Das Telecoaching holt die Teilnehmer in ihrer jeweiligen Lebenssituation ab. Dabei ist es besonders wichtig, dass die gefassten Ziele realistisch sind“, erläutert Günter Wältermann, Vorsitzender des Vorstandes der AOK Rheinland/Hamburg. „Wir wollen mit TeLIPro auch die Patienten unterstützen, die wir sonst nur schwer erreichen.“

Studie mit Hausärzten und Diabetologen

Rund 2.000 Diabetiker sollen in die Studie eingeschlossen werden. Erfahrungsgemäß funktioniert der Zugang zu einem innovativen Programm am besten über die niedergelassenen Ärzte, in diesem Fall Diabetologen und Hausärzte. Teilnehmende Ärzte informieren die Patienten und schließen sie in die Studie ein.

Zu Studienende sind Ergebnisworkshops geplant (zum Beispiel im Rahmen ärztlicher Qualitätszirkel), um die Studienergebnisse in der Ärzteschaft vorzustellen. Teilnehmende Ärzte erhalten für jeden in die Studie eingeschlossenen Patienten eine Aufwandspauschale.

Das Angebot, am TeLIPro-Gesundheitsprogramm teilzunehmen, beginnt am 1. Juli 2018 und gilt bis zum 31. Dezember 2018. Interessierte Hausärzte und Diabetologen wenden sich bitte an die AOK Rheinland/Hamburg:

Telefon 0211 8791 1592
E-Mail

Anika Jurkuhn