Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Telematik-Infrastruktur: Onlinerollout läuft weiter

27.06.2018 KVNO aktuell

Die Telematik-Infrastruktur sorgte im Mai für einigen Wirbel. In einigen großen Zeitungen wurde wild darüber spekuliert, ob Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit einigen kritischen Äußerungen das Ende der elektronischen Gesundheitskarte und der Telematik-Infrastruktur (TI) angekündigt habe. Das Ministerium wies dies zurück - und bekannte sich zur TI.

„Dieses sichere Gesundheitsnetz stellt die Basis dar, welche wir in jedem Fall für alle weiteren Digitalisierungsvorhaben im Gesundheitsbereich benötigen“, heißt es in einem Schreiben des Gesundheitsministeriums an die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Seitens des Bundesgesundheitsministeriums scheint somit keine Intervention beim Onlinerollout zu erwarten zu sein.

Das E-Health-Gesetz gibt weiter den Takt vor. Demnach ist der Anschluss der Praxen an die TI bis Ende 2018 vorgesehen. Praxen, die ab Anfang 2019 keinen Online-Abgleich der Versichertenstammdaten durchführen, müssen mit Sanktionen rechnen, im Gesetz ist ein Abzug von einem Prozent des Honorars vorgesehen.

Nicht nur nach Auffassung der ärztlichen Körperschaften ist diese Frist allerdings viel zu kurz und müsste dringend verlängert werden. „In Nordrhein waren Anfang Juni gerade einmal knapp zehn Prozent der Praxen an die TI angeschlossen“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. Zudem biete bis dato lediglich die Compugroup einen Konnektor an, was de facto dazu führe, dass zwei Drittel der Ärzte und Psychotherapeuten gar keine Möglichkeit hätten, die Vorgaben des Gesetzgebers zu erfüllen.

Eine weitere Folge fehlender (Konkurrenz-)Angebote: Die Preise für die Komponenten, die zum Einstieg in die TI gefordert werden, blieben konstant hoch. Die vor gut einem Jahr von KBV und Krankenkassen geschlossene Finanzierungsvereinbarung sah indes Quartal für Quartal sinkende Pauschalen vor. Ab dem dritten Quartal 2018 hätten Praxen rund 1.200 Euro und mehr aus eigener Tasche zahlen müssen, um in die TI einzusteigen.

Die KBV trat deswegen auf die Bremse: „Bis nicht klar ist, dass die Krankenkassen die Ausstattung der Praxen mit der nötigen Technik auch im dritten Quartal in voller Höhe finanzieren, können wir den Ärzten und Psychotherapeuten nicht empfehlen, die notwendigen Komponenten zu bestellen“, stellte der Vize-Chef der KBV, Dr. med. Stephan Hofmeister, klar.

Auf den Messen zeigten 17 Aussteller, was sie rund um die TI anbieten – von der Bundesdruckerei, die SMC-B-Karten ausgibt, bis zu den Softwarehäusern.

Bild vergrößern

Höhere Pauschalen

Die KBV ist zudem auf den GKV-Spitzenverband zugegangen, um höhere Pauschalen als ursprünglich vorgesehen zu vereinbaren. Auch wenn die Kassen sich zunächst verweigerten und die KBV das Schiedsamt anrufen musste: Letztlich war das Vorhaben erfolgreich. Im dritten Quartal liegen die Pauschalen bei 1.719 Euro, ab dem vierten Quartal bei 1.547 Euro. Hinzu kommen wie bisher jeweils 435 Euro für ein Kartenterminal; bei größeren Praxen gibt es die Pauschale für zwei oder drei Terminals. Die Pauschalen, die auch die Kosten für ein Kartenterminal umfassen, betragen dann 2.154 Euro beziehungsweise 1.982 Euro.

KBV und Krankenkassen gehen davon aus, dass es in den nächsten Monaten weitere Anbieter von Konnektoren geben wird. Dies sollte zu einer Senkung der Angebotspreise führen. Ein Anbieter ist das österreichische Technologieunternehmen RISE. Sobald der Konnektor dieses Unternehmens am Markt verfügbar ist, wird die Vereinbarung überprüft – und die Pauschalen, wenn nötig, für das Folgequartal angepasst.

Praxen sollten beachten: Entscheidend für die Erstattungshöhe ist nicht der Zeitpunkt der Bestellung, sondern ab wann die Praxis an die TI angeschlossen ist und das sogenannte Versichertenstammdaten-Management (VSDM) nutzt. Erfolgt der Datenabgleich beim Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte zum Beispiel erstmals am 10. Juli, erhält die Praxis die Pauschale für das dritte Quartal, auch wenn die Bestellung schon früher erfolgt ist.

Frank Naundorf